Jedes 5. Kind unter 6 Jahren ist zu dick

Übergewicht ist auch bei kleineren Kindern keine Seltenheit mehr! In Salzburg wurde deswegen ein Projekt gestartet, um dieser Entwicklung bereits im Kindergarten ein Ende zu setzen. Susanne Ring-Dimitriou von der Universität für Sportwissenschaften Salzburg verrät, warum schon ganz Kleine so viel Speck ansetzen und wie man gegensteuert.

Sie arbeiten an einem Adipositas-Programm für Kindergärten - wie genau soll dieses ausschauen?

Susanne Ring-Dimitriou: SALTO ist ein regionales Vorsorgeprogramm zur Prävention des krankhaften Übergewichts im Vorschulalter. Je nach den Bedürfnissen im Kindergarten führen wir Coachings in Bezug auf die Themen Übergewicht, gesunde Bewegung und Ernährung mit dem Kindergartenteam durch. Des Weiteren entwickeln wir ein Eltern-Peerprogramm, um die Eltern für das Thema und ihre Unterstützung im Kindergarten zu gewinnen. Wir versuchen über das Reduzieren von Barrieren und die Stärkung der Kompetenzen der Erwachsenen das Gesundheitsverhalten der Kinder positiv zu verändern.


Was wird dabei mit den Kindern gemacht?

Mit dem Kindergartenteam setzen wir Akzente in einem der Bereiche Bewegung oder Ernährung über mindestens ein halbes Jahr. Im Bereich Bewegung z.B. geht es um die Verbesserung des motorischen Fertigkeitsniveaus und die Reduktion der Sitz-zeit. Wir leiten die Kindergartenpädagoginnen dazu an, täglich Bewegungsakzente zu setzen: z. B. den Morgenkreis mit einer Bewegungsfertigkeit abzuschließen wie z.B. „kicken wie David“ oder „auf einem Bein stehen wie ein Vogerl“ und Ähnliches. Die Strategie ist dabei den Kindergartenalltag zu bereichern und nicht zu belasten! Daher werden die Bewegungsakzente im Alltag integriert.

Warum ist es schon notwendig bei Kleinkindern im Kindergarten mit solcher Präventionsarbeit zu beginnen?

Aktuelle Daten aus Österreich zeigen, das bereits jeder 5. Bub und jedes 6. Mädchen unter 6 Jahren von Übergewicht und Adipositas betroffen sind. Adipositas im Kindesalter ist bereits mit körperlichen Einschränkungen des aktiven und passiven Bewegungsapparates sowie mit Bluthochdruck oder Insulinresistenz assoziiert. Bereits in diesem Alter werden krankhaft übergewichtige Kinder in der Gruppe ausgegrenzt: von den Peers, „…weil die nicht so mitmachen können“ und von uns Erwachsenen, weil wir sie in Schutz nehmen möchten.

Welche Kinder sind am ehesten von Übergewicht betroffen - kann man das vereinheitlichen?

In einem Wohlstandsland wie Österreich ist das schwer zu sagen. Jedoch deuten die Befunde darauf hin, dass nach wie vor Kinder von sozial-benachteiligten Familien häufiger davon betroffen sind und ein niedriger sozio-ökonomischer Status die Entwicklung der Adipositas eindeutig mitbestimmt.

Wäre es nicht sinnvoller sich an die Eltern statt an die Kinder zu wenden?

Ja genau – das ist was SALTO auch versucht und die Rolle der Erwachsenen in der Prävention der Kinderadipositas unter die Lupe nimmt.

Was kann jeder Einzelne zu Hause machen, um die eigenen Kinder vor Adipositas zu bewahren?

Zunächst einmal selbst ein Vorbild sein, auch wenn es uns schwer fällt. Also zum Beispiel Gymnastik vor den Kindern machen, neue Sportarten ausprobieren, Fernsehfastentage einlegen, Wasser trinken und Gemüse essen im Alltag etablieren. Kinder draußen im Freien spielen lassen, Bildschirm- und Konsolen-Zeiten einschränken, fünf Portionen Obst und Gemüse mit Kekserlausstecher lustig zubereiten und verabreichen sowie zuckerhaltige Getränke durch Wasser ersetzen.

Die Expertin

Susanne Ring-Dimitriou unterrichtet an der Universität für Sportwissenschaften sowie beim Lehrgang Health&Fitness des Interfakultären Fachbereichs Sport- und Bewegungswissenschaft der Universität Salzburg.

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