Jeder zweite Kinderstuhl fällt im Test durch

Die deutsche Stiftung Warentest hat Hochstühle für die Kleinsten getestet. Das Ergebnis: Jeder zweite Kinderhochstuhl ist mangelhaft!

Kinder sind klein, Esstische sind hoch. Dank Kinderhochstühlen können auch die Kleinsten am Familienessen teilnehmen (und das Füttern ist auch nicht so mühsam). Die deutsche Stiftung Warentest hat verschiedene Modelle getestet. Mit erschreckendem Ergebnis: Mehr als die Hälfte der Kinderhochstühle sind beim Test durchgefallen.

Viel gibt es zu beachten: Kann sich das Kind die Finger einzwicken oder aus dem Sitz herausrutschen? Sind die Materialen schadstoffbelastet und können bei Kontakt schaden? Und am wichtigsten: Ist der Hochstuhl kippsicher und ergonomisch?

"Das Kind soll in den unterschiedlichen Altersstufen kindgerecht in dem Hochstuhl sitzen können. Der Sitz darf nicht zu tief sein und auch die Beine müssen irgendwo abgestellt werden können und nicht frei in der Luft baumeln, so dass auch größere Kinder noch drin sitzen können", erklärt Tester Stephan Scherfenberg.

Verletzungsgefahr bei zwei Kinderhochstühlen

Bereits daran scheitern schon einige Modelle. Mal ist der Sitzwinkel nicht optimal, mal fehlt eine bequeme Fußstütze. Zwei Modelle sind sogar wegen mangelnder Sicherheit durchgefallen: Aus dem Modell Alpha Plus von Hauck um 136,- Euro können Kinder laut des Tests sehr leicht herausklettern und runterfallen, beim Modell Tamino von Geuther (183,- Euro) könnten die Kinder herausrutschen und im schlimmsten Fall mit dem Kopf hängenbleiben.

Schadstoffe in Sitzpölstern von Kinderhochstühlen

Im Test orientierte sich die Stiftung Warentest an den strengen Grenzwerten für Schadstoffe in Kleinkinderspielzeug. In Pölstern und Sitzauflagen wurden Substanzen gefunden, die im Verdacht stehen, krebserregend zu sein. „Angefangen von Polyzyklischen Aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK), verschiedenen Weichmachern aber auch Flammschutzmittel, mit denen Kinder nicht in Kontakt kommen sollten, haben wir zahlreiche Schadstoffe gefunden,“ so Scherfenberg. In Kindermöbeln hätten diese Stoffe nichts verloren.

Mitwachsende Kinderhochstühle sind Testsieger!

Drei Modelle konnten im Test überzeugen - und alle sind sie aus Holz und wachsen mit dem Kind mit: Das Designermodell Nomi von Evomove und der Hochstuhl-Klassiker TrippTrapp von Stokke um jeweils 350,- Euro, und der günstigere Preis-Leistungssieger Timba von Safety1st um 85,- Euro konnten überzeugen und schnitten mit "Gut" ab.

Der Preis selbst sagt dabei nicht unbedingt alles über die Qualität: Das günstigste Modell, der Antilop von IKEA um 21,- Euro, schnitt trotz Mängeln in der Sitzergonomie immerhin mit "Befriedigend" ab.

Babyschalen-Aufsätze fallen im Test durch

Generell empfiehlt die Stiftung Warentest eine Nutzung von Kinderhochstühlen erst ab einem Alter von acht Monaten, auch wenn manche Hersteller eine Eignung ab dem Säuglingsalter versprechen. Ohne ausreichend ausgeprägte Rückenmuskulatur könne sich das Kind aber nicht ausreichend im Stuhl halten, werten die TesterInnen. Die neuen Babywippen-Aufsätze einiger Hersteller (etwa von Nomi oder TrippTrapp) überzeugten im Test gar nicht. Sie erhöhten die Umfallgefahr sogar, etwa wenn sich ein Geschwisterkind an der Wippe hochziehen möchte. „Wir empfehlen, die Hochstühle nicht mit Babywippe zu benutzen“, sagt Scherfenberg.

Vor dem Kauf eines Kinderhochstuhls empfehlen die ExpertInnen vor allem darauf zu achten, dass das Kind bequem sitzt und der Stuhl lange mitwachsen kann. Dann rechne sich die oft doch hohe Investition unterm Strich.

Aktuell