Jeder einzelne sexistische Kommentar, den sich eine Frau anhören musste

Sarah macht über den Sommer ein Praktikum in einem großen Unternehmen. Ihre Kolleg*innen: hauptsächlich Männer mittleren Alters. Über deren sexistische Sager hat die junge Frau Tagebuch geführt.

Wie viele andere Studentinnen und Studenten auch arbeitete Sarah Hall im vergangenen Sommer als Praktikantin. Und zwar nicht im Fast-Food-Restaurant ums Eck, sondern in einer Umweltberatungsfirma - ein Traumjob für Sarah, die sich selbst als Wissenschaftsfreak bezeichnet.

Ab dem ersten Tag war für die Studentin klar: cooler Job. Und sehr viel Männer mittleren Alters, mit denen Sarah zusammenarbeiten würde. Ihre Vorahnung: eine Menge untergriffiger und sexistischer Kommentare. Und ihre Kollegen haben die junge Frau nicht enttäuscht: In einem Artikel für die Website babe.net hat Sarah alle Aussagen zusammengefasst.

1. "Wir haben da eine Kleine, die all deine Fragen beantwortet"

In ihrer ersten Arbeitswoche musste Sarah gesetzliche Regelungen lernen, über die sie und ihre Mit-PraktikantInnen regelmäßig geprüft wurden. Sarah wusste viele der Antworten und meldete sich deshalb oft zu Wort. Ein älterer Kollege sah sich deshalb genötigt, diesen Kommentar vor allen Anwesenden im Raum anzubringen.

2. "Wow, ziemlich starker Händedruck für eine Frau"

Gefolgt von "Bist du auf einem Bauernhof aufgewachsen, oder wie?". Zudem musste sich Sarah die darauffolgenden sechs Wochen mit dem Urheber dieser Kommentare ein Büro teilen. "Aber keine Sorge", schreibt sie, "ich habe in mit meiner fehlenden Toleranz für Idioten in Schach gehalten."

3. "Okay, Schätzchen"

"Ich denke, ältere Männer denken, es ist okay, Dinge wie diese zu sagen, dabei sind sie wirklich abstoßend. Tut mir einen Gefallen und nennt mich nie wieder 'Schätzchen'."

4. "Mach ich dich nervös?"

Dieses Klassiker unter den sexistischen Kommentaren musste sich Sarah anhören, als sie an einer Gruppe Männer vorbeiging und einen Stapel Papiere fallen ließ.

5. "Oh, die ist stark!"

Sarah zufolge jener Sager, den sie am öftesten gehört hat. In ihrer Arbeit hantierte die junge Frau immer wieder mit Maschinen und großer Ausrüstung. Das einzige, das sie daran nervte: "Ich hasse es, als schwache, kleine Frau gesehen zu werden. Ich bin stark, ich bin unabhängig und ich kann meine Sachen verdammt nochmal selbst tragen."

6. "Du solltest dein Auto wirklich näher parken, du weißt schon, als Frau und so"

Welche Gedanken gingen durch den Kopf dieses Mannes, als diese Wörter aus seinem Mund kamen? Diese Frage stellt sich nicht nur Sarah. Soll ich näher parken, weil ich so schwach und hilflos wirke? "Tu mir einen Gefallen und kümmere dich um deine eigenen Dinge."

7. "Bist du die Puppe, die die Luft überwacht?"

Ernsthaft?

8. "Oh, hast du etwa deine 'Tage'?"

Genau, wenn Frauen nicht lächelnd und freudestrahlend auf einem Bein durch die Welt hüpfen, sind immer unsere "Tage" dran schuld, in die Luft gemalte Anführungszeichen natürlich inklusive.

9. "Konntest du keinen der starken Männer hier dazu bringen, dir beim Tragen zu helfen?"

Ja, das hätte Sarah wahrscheinlich gekonnt, vielleicht wollte sie es ganz einfach nicht. Sie meint: "Es ist nicht ihr Job, mir zu helfen, und ich will ihre Hilfe nicht."

10. "Hey, Süße"

Ich bin nicht deine "Süße". Punkt.

Was Sarah - außer einem Tagebuch voller unfassbarer Kommentare, wie Frauen sie in der (Arbeits-)Welt noch viel zu oft zu hören bekommen - aus ihrem Praktikum mitgenommen hat? "Nach meinen Erfahrungen in diesem Sommer bin ich definitiv sensibler, was meinen 'Platz' als Frau in der Arbeitswelt betrifft, und ich bin stolz. Ich weiß, wozu ich fähig bin, ich weiß, wie tough ich bin, und ganz ehrlich, ich bin bereit, es mit jedem Mann aufzunehmen, der sich mir in den Weg stellt."

 

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