Jeder dritte Mann findet es voll okay, dass Frauen weniger verdienen

Gleiche Leistung, weniger Geld? Die Lebensrealtität von Frauen ist noch weit von Gleichstellung entfernt. Und nicht wenige Österreicher*innen finden das auch gerechtfertigt, wie eine neue Studie zeigt.

Frauen verdienen weniger als Männer - und die finden das voll okay

Jetzt, wo nach gefühlt tausenden Statistiken nur noch absolute Hardliner*innen leugnen, dass es den Gender Pay Gap gibt, kommt der nächste Clou: 30 Prozent der Männer finden es eigentlich absolut in Ordnung, dass Frauen für die gleiche Leistung weniger verdienen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage unter 2.000 Österreicher*innen im Auftrag der Leitbetriebe Österreich.

Diese heldenhaften Leistungsträger begründen die niedrigere Entlohnung von Frauen mit dem höheren Ausfallrisiko wegen Schwangerschaften oder der Kinderbetreuung. Aber nicht nur Männer finden den Gender Pay Gap voll okay: Auch 13 Prozent der befragten Frauen halten geschlechtsspezifische Gehaltsunterschiede für gerechtfertigt.

Kinderbetreuung ist Frauensache?

Kinderbetreuung ist in Österreich eben immer noch Frauensache. Das ist im Denken fest verankert. Nicht einmal jeder fünfte Vater geht in Karenz - und wenn, dann meist wesentlich kürzer als die Mutter. Fast 80 Prozent der Mütter arbeiten in Teilzeit, bei den Vätern sind es nur acht Prozent. Von einer gleichwertigen Aufteilung der unbezahlten Familien- und Pflegearbeit kann also keine Rede sein. Es sind Frauen, die ihre Zeit und ihre Arbeitskraft für Kinder, Familie und Haushalt opfern. Am Arbeitsmarkt werden sie dafür zusätzlich mit weniger Chancen und weniger Lohn bestraft. In Folge ist ihr Risiko, im Alter unter Armut zu leiden, um ein Vielfaches höher.

Dass eine nicht unbeachtliche Zahl der Österreicher*innen diese Ungleichheit auch noch gerechtfertigt findet, ist Teil des Problems. Mögliche Lösungen sind bekannt: eine Reduzierung der Wochenarbeitszeit auf 30 Stunden, die nicht nur Frauen entlasten würde, sondern Männern mehr Zeit für Familienarbeit gewähren würde. Ein leichterer Zugang zur Väterkarenz ohne Stigma oder drohendem Verlust des Arbeitsplatzes. Ein flächendeckender Ausbau von Kinderbetreuungseinrichtungen. Kurz: Ein Verständnis von Kinderbetreuung als gleichberechtigte Verantwortung beider Elternteile. Der Rechtsanspruch für den Papamonat und die verbesserte Anrechnung von Karenzzeiten sind ein Anfang, aber es gäbe noch viel zu tun.

Weitere Ergebnisse der Umfrage beschäftigen sich vor allem mit Motivation und Zufriedenheit der Arbeitnehmer*innen.

Wir arbeiten wegen des Geldes

Ob Österreicher*innen ihren Job gerne machen, oder sich doch anderweitig umsehen, hängt in erster Linie vom Gehalt ab. Mehr als zwei Drittel der Befragten nennen „Geldbeschaffung“ als Motivation in die Arbeit zu gehen. Für die Hälfte zählt Freude an der Arbeit, ein Fünftel geben Karriere und Erfolg als Motivator an. Ein Ort der Selbstverwirklichung ist der Arbeitsplatz nur für 12 Prozent der Befragten.

Drei Viertel der Arbeitnehmer*innen würden für mehr Geld den Job wechseln, für die Hälfte davon müsste der Gehaltssprung aber mindestens 25 Prozent betragen. Ein geringes Gehalt ist mit 41 Prozent auch der häufigste Grund, warum Mitarbeiter*innen über einen Jobwechsel nachdenken. Dahinter folgt der Führungsstil des*der Vorgesetzten, der für 31 Prozent eine zentrale Rolle spielt.

Wir arbeiten zuviel und sind zu oft im Büro

80 Prozent der Befragten empfinden die persönliche Arbeitsauslastung als zu hoch. Fast die Hälfte muss mindestens einmal pro Woche berufliche Dinge während der Freizeit erledigen, nur 14 Prozent müssen das nie. Dennoch finden aber 78 Prozent, dass die Trennung zwischen Beruf und Privatleben gut oder sehr gut gelingt.

Ein bisserl flexibler dürfte es für aber schon sein: Der Wunsch nach Homeoffice übersteigt die Realität nämlich bei Weitem. Unter den Vollzeitangestellten würden dreimal so viele gerne von zuhause arbeiten, wie es tatsächlich dürfen.

 

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