Jede zehnte Frau in den Niederlanden hat nicht genug Geld für Tampons

Weil sie sich keine Tampons leisten können, greifen die Frauen auf alte Zeitungen zurück oder wechseln ihre Hygieneprodukte nicht oft genug – dadurch gefährden sie ihre Gesundheit.

Tampons

Eine aktuelle Umfrage der Hilfsorganisation Plan International Nederlandzeigt: Jede zehnte Frau in den Niederlanden hat nicht genug Geld für Hygieneprodukte wie Tampons oder Binden. Als Vorbild für die Befragung diente eine Studie in Großbritannien, die ein ähnliches Ergebnis brachte. Allerdings sei hier zu beachten, dass Periodenprodukte dort auch um ein Wesentliches teurer sind, erklärt Plan-Sprecherin Christa Gray-Nooitgedagt gegenüber dem Standard. Beide Ergebnisse zeigen aber vor allem eines: Periodenarmut ist auch in Europa ein ernstzunehmendes Problem.

Lage in Österreich unbekannt

In den Niederlanden gilt für Hygieneprodukte der niedrigste Steuersatz (der gleiche wie für Medikamente) – dennoch sind Binden und Tampons nicht für alle leistbar. "Dass es diese Periodenarmut trotzdem auch bei uns gibt, hat uns ziemlich schockiert", sagt Plan-Sprecherin Christa Gray-Nooitgedagt. "Wir kennen das Problem vor allem aus Afrika, Asien oder Lateinamerika. Aber doch nicht hier, bei uns".

Wie die Situation in Österreich aussieht, ist ungewiss. Bislang gibt es dazu keine Studien. Forderungen nach einer Senkung der "Tamponsteuer" bestehen allerdings seit Jahren. Anfang Jänner erklärte die türkis-grüne Regierung, diese umsetzen zu wollen (>>> wir berichteten).

Die Folge: Die Gesundheit leidet

Können sich Mädchen und Frauen keine Hygieneprodukte leisten, hat das einerseits Folgen für ihr Arbeits- und Sozialleben (sie schwänzen die Schule oder melden sich bei der Arbeit krank, wenn sie ihre Periode haben), andererseits für ihre Gesundheit: Da sie keinen Zugriff auf Binden oder Tampons haben, versuchen sie viele Frauen und Mädchen anderweitig zu helfen und greifen auf alte Zeitungen oder Stofffetzen zurück, verwenden Hygieneartikel viel zu lange oder gar mehrmals. Das könne zu Infektionen führen, erklärt Gray-Nooitgedagt.

Schottland als Vorbild

Seit Herbst 2018 sind Hygieneartikel für Schüler*innen und Studierende in Schottland gratis. Das von der Regierung initiierte Programm war eine Reaktion auf das vor allem in den vergangenen Jahren vermehrt diskutierte Phänomen der Periodenarmut. Nun werden auch in den Niederlanden Forderungen laut (u.a. durch die feministische Plattform De Bovengrondse), Kommunen sollen dafür sorgen, dass Monatsprodukte künftig gratis zur Verfügung stehen - etwa in Schulen, Unis, Essensbanken und Obdachloseneinrichtungen.

 

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