Jede sechste Mutter musste beim Stillen schon anzügliche Blicke oder Kommentare ertragen

Nach wie vor sind Mütter, die ihre Babys in der Öffentlichkeit stillen, einem Stigma ausgesetzt – das zeigt aktuell eine britische Studie.

Frau stillt Baby in der Öffentlichkeit

Eine Erhebung der britischen Babyproduktmarke Tommee Tippee unter jungen Müttern in Schottland hat gezeigt: Auch im Jahr 2020 ist öffentliches Stillen immer noch nicht allgemein akzeptiert. So hat eine von sechs Befragten schon einmal unangenehme, anzügliche Blicke oder Sprüche ertragen müssen, über ein Viertel der Frauen (26 Prozent) wurde während des öffentlichen Stillens schon von Fremden beschimpft.

Die Folge: Mütter fühlen sich unwohl und verstecken sich

Darüber hinaus sind 27 Prozent der befragten Frauen schon einmal von einer fremden Person angewiesen worden, ihr Baby woanders zu stillen. Jede Zehnte wurde explizit gebeten, die Räumlichkeiten zu verlassen oder sich zu bedecken.

Das hat zur Folge, dass junge Mütter sich beim Stillen unwohl fühlen, sich verstecken und versuchen, nur an privaten Orten zu stillen. Ein Drittel der befragten Mütter gab an, sich schon einmal in einer Ecke versteckt zu haben, um ihr Kind zu stillen, damit niemand sie sehen musste. Die Hälfte hat bereits im geparkten Auto gestillt, um Blicke zu vermeiden. Ganze zwei Drittel sagten aus, beim Stillen in der Öffentlichkeit immer einen Schal oder ein Tuch zu verwenden, um sich vor Blicken zu schützen und nicht unangenehm aufzufallen.

Fehlende Akzeptanz

89 Prozent der befragten Frauen findet, dass es nach wie vor ein großes Stigma gegenüber Müttern gibt, die in der Öffentlichkeit stillen. Zwei Drittel der Befragten sind auch der Meinung, dass die Sache sicherlich anders aussähe und Stillen weithin akzeptiert wäre, wenn Männer diejenigen wären, die stillen müssten.

Die Hebamme Louise Brodbridge rät jungen Müttern, die sich beim Stillen im öffentlichen Raum unwohl fühlen, im Gespräch mit dem Independent, sich in unsicheren Momenten darauf zu konzentrieren, worum es beim Stillen wirklich geht - und zwar, sein Baby zu ernähren - und blöde Blicke oder Sprüche so gut es geht, zu ignorieren. Viel wichtiger wäre jedoch ein Wandel in unserer Gesellschaft, weg von einer ablehnenden Haltung in der Öffentlichkeit hin zu allgemeiner Akzeptanz. Der Weg bis dorthin scheint allerdings noch ein weiter zu sein.

 

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