Je reicher ein Land, desto skeptischer sind Menschen gegenüber Impfungen

Laut einer britischen Studie hält jede/r fünfte WesteuropäerIn Impfungen für gefährlich. In ärmeren Gegenden zeigt sich eine weitaus höhere Zustimmung zu Impfungen.

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Menschen in Ländern mit hohem Durchschnittseinkommen stehen Impfungen deutlich kritischer gegenüber als BewohnerInnen von ärmeren Staaten. Das zeigt aktuell eine Studie der britischen Stiftung Wellcome Trust, die im Zuge der Veröffentlichung der Ergebnisse auch auf die Problematik ebendieser hinweist. Dieses Misstrauen könne man sich nicht erlauben, sind die StudienautorInnen sicher.

Größtes Impfvertrauen in Bangladesch und Ruanda

Europäer haben der Umfrage zufolge ein besonders großes Misstrauen gegenüber Impfungen: Lediglich 59 Prozent der befragten Menschen empfinden Impfungen als „sehr sicher“ oder zumindest „einigermaßen sicher“. In Osteuropa sinkt die Zahl sogar noch weiter: Hier finden nur 40 Prozent, dass Impfungen sicher sind. Laut Heidi Larson von der London School of Hygiene and Tropical Medicine sei das vor allem deshalb, weil wir in reicheren Ländern nicht länger die Folgen von verhinderbaren Krankheiten wie Masern, Diphttherie und Keuchhusten sehen, wie sie gegenüber dem Guardian erklärt.

Frankreich ist das skeptischste Land

Insgesamt glauben laut der Studie ganze 22 Prozent aller Menschen in Westeuropa, dass Impfungen gefährlich sind; Frankreich kommt sogar auf 33 Prozent, die dieser Aussage zustimmen. Damit zeigte Frankreich das größte Misstrauen aller analysierten Länder. 47 Prozent der FranzosInnen bezeichneten Impfungen grundsätzlich als „sicher“, in Deutschland empfinden 67 Prozent aller Befragten Impfungen als „sicher“. Das größte Vertrauen gibt es in Bangladesch und Ruanda. Hier ist jeweils fast die gesamte Bevölkerung davon überzeugt, dass Impfungen ungefährlich, wirksam und wichtig sind. Weltweit ergibt das einen Durchschnitt von 79 Prozent, die Impfungen als „sehr sicher“ oder zumindest „einigermaßen sicher“ empfinden. Imran Khan, Leiter für Öffentlichkeitsarbeit der Stiftung Wellcome Trust, ist „verblüfft über das Ausmaß der Unterschiede“ in der Wahrnehmung von Impfungen.

Mehr Skepsis bei niedrigem Bildungsgrad

In den Ergebnissen der Umfrage ist außerdem abzulesen, dass in Österreich immer mehr Menschen ihre Kinder nicht impfen lassen. Zwölf Prozent finden sie überhaupt nicht wichtig für Kinder. Die meistgenannten Motive für diese Entscheidung sind die Angst vor negativen Auswirkungen, Skepsis über die Wirksamkeit der Impfstoffe oder Misstrauen gegenüber der Pharmaindustrie. Österreich zählt damit auch zu den skeptischeren Ländern, wobei Menschen mit höherem Bildungsgrad hierzulande Impfungen eher vertrauten als jene mit niedrigerem Bildungsgrad.

Impfskepsis als „Nachlässigkeitseffekt“

Imran Khan bezeichnete das mangelnde Impfvertrauen in wohlhabenden Ländern auch als „Nachlässigkeitseffekt“. Damit sei gemeint, dass in hoch entwickelten Ländern die Gefahr, infiziert zu werden, ohnehin meist geringer sei - selbst ohne Immunisierung. Und, so Khan, selbst wenn man sich dort anstecke, wird man „vielleicht nicht so krank oder stirbt.“

Zur Studie: Für den Wellcome Global Monitor wurden mehr als 140.000 Menschen über 15 Jahren in mehr als 140 Ländern dazu befragt, wie sie über das Impfen, die Wissenschaft und andere Themen denken

 

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