Je älter Schauspielerinnen sind, desto weniger Text bekommen sie

Eine neue Studie von Polygraph belegt auf erschreckende Weise, wie groß das Sexismus-Problem in Hollywood immer noch ist.

Es ist die gute alte Sexismus-Leier, die das Hollywood Business immer noch prägt. Nicht nur, dass Schauspielerinnen in Hollywood fast ausnahmslos schlechter bezahlt werden, als ihre männlichen Kollegen - sie haben auch einfach weniger zu sagen.

Das bestätigt nun eine Studie von Polygraph, die die Sprechzeiten männlicher und weiblicher Darsteller genauer unter die Lupe nahm.

Anstoß für die Untersuchung war eine Studie über Disney Filme, die vor einigen Monaten für Aufsehen sorgte. Diese deckte auf, wie erschreckend niedrig die Sprechzeiten der weiblichen Hauptdarstellerinnen in Disney Filmen waren - selbst dann, wenn sich der Film um einen weiblichen Charakter drehte (ja, sogar bei Mulan!): In 22 der 30 untersuchten Disney-Filme hatten Männer mehr Text als die weiblichen Darstellerinnen.

Frauen ab 40 haben nichts zu sagen - Männer aber umso mehr ?!

Für die Studie nahm Polygraph insgesamt 2,000 Drehbücher unter die Lupe und untersuchte sie auf Gender- und Altersfragen. Das erschreckende Ergebnis: Je älter die Schauspielerinnen wurden, desto weniger Text wurde ihnen gegeben. Während also Schauspielerinnen zwischen 22 und 31 noch 38% aller weiblichen Dialoge im Film übernahmen, waren es bei Frauen ab 32 nur mehr 31% und bei Frauen zwischen 42 und 65 überhaupt nur noch 20%.

Wenig überraschend läuft bei den Männer die Statistik diametral ab: Männer zwischen 22 und 31 Jahren übernehmen nur 20% der männlichen Dialoge, bei Schauspielern zwischen 32 und 41 steigert sich dieser auf 32% bzw. auf 39% bei Männern zwischen 42 und 65.

Überhaupt lag der Anteil der Filme, bei denen Frauen mehr sprachen als Männer, bei schlappen 22%.

"Frauen ab 40 spielen nur noch alte Weiber und Hexen"

Diese Entwicklung können viele Schauspielerinnen gut nachvollziehen. Sie prangern nämlich immer öfter an, dass es für Frauen ab 40 kaum noch Rollen gibt, während dies für reifere Männer gar kein Problem zu sein scheint. Meryl Streep kritisierte bereits mehrfach öffentlich: "Frauen ab 40 spielen nur noch alte Weiber und Hexen".

Kritikern endlich Wind aus den Segeln nehmen

Studien wie der Bechdel Test (untersucht Frauenanteil in Filmen) versuchten das sexistische System in Hollywood bereits mehrfach anzuprangern. Allerdings wurde dieser oft kritisiert, da die Gründe für den geringen Frauenanteil in Filmen oft "historische Gründe hätten", wie Kritiker entgegneten. Dieser Kritik versuchten die Entwickler hinter der Polygraph-Studie mit der Dialog-Messung nun entgegenzuwirken und hoffen somit endlich ein Zeichen gegen den immer-währenden Sexismus in Hollywood zu setzen.

>> Eine genaue und plastische Auflistung der Filme und der Ergebnisse finden Sie auf der Polygraph Seite.

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