In Japan sind viele Schwangere zu dünn

Ein strenges Körperbild und ÄrztInnen, die offizielle Empfehlungen unterwandern: Japans werdende Mütter nehmen oft nicht ausreichend an Gewicht zu und gefährden so auch die Gesundheit ihrer Babys.

Asiatisches Paar

"Zehn Schwangerschaftskilos, mehr nicht!" Das rieten ÄrztInnen Naomi Hayami-Chisuwa während ihrer Schwangerschaft. Im Gespräch mit "CNN"erzählt die Japanerin, die selbst als Ernährungsexpertin in Osaka arbeitet, vom Umgang des medizinischen Personals mit dem Gewicht von Schwangeren: "Meiner Meinung nach sind Krankenschwestern und Hebammen, vor allem aber Ärzte, sehr streng, wenn es um eine Gewichtszunahme geht."

In Japan sind die offiziellen Empfehlungen für die Gewichtszunahme in der Schwangerschaft ziemlich niedrig. Untergewichtige Frauen sollten neun bis zwölf Kilogramm zunehmen, normalgewichtige sieben bis zwölf. Bei Übergewichtigen und Adipösen reduziert sich die empfohlene Zunahme auf fünf bis sieben Kilos.

In Österreich und dem deutschsprachigen Raum sind die offiziellen Empfehlungen deutlich höher: bis zu 18,2 Kilo sollten etwa untergewichtige Frauen bis zur Geburt zunehmen, bei Normalgewichtigen sind es 15,9 Kilo. Japanerinnen halten sich zudem nicht immer an die ohnehin schon niedrigen Empfehlungen. Untersuchungen aus dem Jahr 2010 zeigen, dass beinahe jede fünfte Schwangere weniger Gewicht zunimmt, als empfohlen. "Gerade dünne und normalgewichtige Japanerinnen nehmen in der Schwangerschaft extrem wenig Gewicht zu. Das ist einer der Gründe, warum das Geburtsgewicht das Kindes gering ausfällt - sogar im Vergleich zu anderen ostasiatischen Ländern, die ebenfalls dazu neigen, dünn zu sein", sagt der japanische Epidemiologe Naho Morisaki zu "CNN".

Frauen, die in der Schwangerschaft stark zunehmen, haben ein erhöhtes Risiko auf einige gesundheitliche Beschwerden, etwa Bluthochdruck. Andererseits kann ein zu niedriges Gewicht die Gesundheit des ungeborenen Kindes beeinträchtigen: Das Risiko auf ein niedriges Geburtsgewicht steigt ebenso wie das Risiko einer Frühgeburt.

Jedes zehnte Baby wiegt bei der Geburt zu wenig

Tatsächlich sind die Zahlen alarmierend. In Japan kommt fast jedes zehnte Baby mit einem zu niedrigen Gewicht zur Welt. Naomi Hayami-Chisuwa vermutet, dass der Grund dafür in den Praxen der ÄrztInnen liegt. Dort würde Schwangeren eine noch geringere Gewichtszunahme nahe gelegt als offiziell empfohlen wird. So sei es ihr auch geschehen. Zusätzlich sind Frauen in Japan grundsätzlich sehr dünn. Jede vierte Frau zwischen 14 und 49 ist untergewichtig - und hat oft auch in der Schwangerschaft Probleme mit der Gewichtszunahme.

Das ergibt nicht nur eine gefährliche Mischung für das Leben und die Gesundheit der Mutter, sondern beeinflusst auch das Kind. Babys, die mit einem sehr niedrigen Geburtsgewicht zur Welt kommen, entwickeln im späteren Leben etwa eher Stoffwechselerkrankungen. Für Naomi Hayami-Chisuwa ist die Lösung des Problems klar: Sie wünscht sich, dass nicht mehr nur die Gewichtszunahme im Fokus der MedizinerInnen liegt: "Ärzte sollten nicht nur auf die Gewichtszunahme achten, sondern auch auf Frauen, die bereits vor der Schwangerschaft untergewichtig sind."

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