Jake Bugg

Wie schafft es ein Teenager aus einer britischen Kleinstadt, dass er Englands neue Musikhoffnung wird? Indem er vergangene Sounds in seine Musik einfließen lässt. Jake Bugg gilt als Anti-Justin-Bieber und steht nicht nur wegen seiner Stimme, sondern auch wegen seinem Gspusi mit Model Cara Delevingne im Rampenlicht.

Letztes Jahr im Juli, backstage beim Musikfestival T in the Park, scharte sich eine Menschentraube um einen Tischtennistisch. Der Grund: ein Teenager, der alle und jeden besiegte. Der Teenager: Neo-Musiker Jake Bugg, der sein erstes Festival besuchte und hinter den Kulissen alle an die Wand spielte. „Ich habe gerade die Schule
verlassen und sehr viel Zeit im Gemeinschaftsraum verbracht", erklärt er damals schulterzuckend sein Talent am Pingpongtisch.

Ein Jahr später, heuer im Frühjahr, scharte sich erneut eine Menschentraube um ihn, dieses Mal beim Coachella Festival, aber aus einem völlig anderen Grund. Im Oktober schoss sein Debütalbum auf Platz eins der britischen Charts. Im Alter von gerade mal 18 Jahren und acht Monaten war Bugg somit der jüngste britische Sänger, der mit seinem ersten Album an der Spitze der Charts landete.

Dabei war keine seiner Singles ein Senkrechtstarter oder erhielt besonders viel Airplay. Bugg erreichte etwas viel Wertvolleres: Seine altmodischen Rock'n'Roll-Sounds haben sich durch Mundpropaganda verbreitet, sodass seine Öffentlichkeit immer größer und seine Albumverkäufe immer besser wurden. In Zahlen heißt das: Das Album Jake Bugg hat sich rund 430.000 Mal verkauft.

Dabei sieht sich Bugg nicht als Star und wischt diese Fakten schnodderig beiseite. „Ich bin nichts Besonderes. Die Leute fragen mich oft: ‚Wie hast du es geschafft, da hinzukommen?‘. Aber die Wahrheit ist: Ich hatte nichts anderes zu tun. Ich hatte kein Geld zum Weggehen. Also saß ich nur herum und habe geübt. Eben weil ich nichts anderes hatte."

Jake Bugg


Model meets Musiker

Seine Songs, sein Look und seine Coolness haben Jake Bugg aber auch an andere Stellen gebracht. Er hat für Burberry gemodelt und turtelt mit dem Supermodel Cara Delevingne herum, die als neue Kate Moss gehandelt wird. Diese Beziehung hat Bugg zum fixen Bestandteil in der Boulevardpresse gemacht, plötzlich legen sich Paparazzi auf die Lauer nach ihm. „Es ist seltsam und verrückt", sagt er und schüttelt den Kopf, wenn er an den ersten Moment denkt, als er mit Delevingne geknipst wurde. „Es war das erste Mal, dass ich so etwas erlebt habe. Ich verstehe ja, dass die Leute ein Foto von Cara haben wollen, sie ist nun mal weltweit bekannt, aber es hat mich dennoch verwirrt. Ich meine, was wollen die mit einem Bild von mir? Ich rauche doch nur eine Zigarette und stehe blöd herum!", wundert sich Bugg.

Er war zwölf, als er von seinem Onkel eine Gitarre bekam, mit 14 schrieb er erste Songs, mit 16 verließ er die Schule. Kurz darauf schickte er eine Nummer an die BBC und wurde prompt zu einem Talentwettbewerb eingeladen - und bekam einen Plattenvertrag. Bugg ist ein Popstar, ja, aber kein typischer. Er mag zwar fast 250.000 Follower auf Twitter haben, aber Social Media juckt ihn eigentlich gar nicht. Er twittert lediglich Informationen à la „Ich spiele in Austin heute Abend", mehr nicht. Alles andere ist Idiotie, meint Bugg. „Es ist lächerlich! Ich weiß nicht, woran das liegt. Manche Fans fragen ständig, warum ich nichts tweete, aber ich mache halt nur, was notwendig ist", sagt er. Punkt.

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Oldfashioned Sounds

Ähnlich entschieden geht er andere Belange an. Er würde niemals betrunken auf der Bühne performen oder sich in der Öffentlichkeit mit schlechten Manieren zeigen. „Das ist mein Job, ich möchte professionell sein!", sagt er, schon wieder sehr entschieden. Bugg ist erst 18, wirkt aber älter - vor allem seine Ohren, immerhin steht er auf alte Klänge, auf Folk, auf Troubadour-Sounds, auf vergangenen Hip-Hop. Ein Name, den er immer wieder erwähnt, ist Don McLean. Den verbindet er gern mit einer Geschichte, die er oft erzählt: Das erste Mal, als Bugg den Song Vincent hörte, war in einer Folge von Die Simpsons. Neugierig geworden, recherchierte er nach der Nummer - und lauschte begeistert und berührt gleichermaßen der Urversion von Don McLean. Als er ihm mit 14 mal begegnete, war das ein heiliger Moment für Bugg. „Ich dachte, ich werde ihn mit Fragen löchern - aber dann stand ich da und wusste nicht, was ich sagen soll", gibt er zu. „Es war das einzige Mal in meinem Leben, dass ich von einem Star geplättet war. Ich glaube aber, das half mir. Wenn ich seither irgendjemanden getroffen habe, war das egal: Ich habe ja den Typen getroffen, zu dem ich aufschaue wie zu keinem anderen", meint Bugg. Er selbst weiß ganz genau, dass die Teenager seines Alters mit dem Namen Don McLean nichts anfangen können oder - falls doch - den Sound eher bescheuert finden, aber er ist einfach fasziniert von ihm. Umso lustiger, als das Q Magazine neulich schrieb, dass Justin Bieber und Jake Bugg altersmäßig nur einen Tag voneinander getrennt sind. In Wahrheit sind es aber Welten. Der eine steht auf Eminems Slim Shady, der andere auf Slim ¬Whitman, einen Countrystar der 50er-Jahre. Irre, würde Bugg jetzt wahrscheinlich sagen, aber nicht dabei lächeln, denn das tut er ziemlich selten.

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On-/Off-Beziehung

Irre ist es noch immer für ihn, wenn er von einem Event zum nächsten hetzen soll, obwohl er gar keine Lust dazu hat. Bugg wählt entschieden aus, wo er sich zeigt. Als Gesicht von Burberry war er natürlich bei der London Fashion Week und besuchte deren Flagshipstore. Er betont, dass er den Style von Burberry mag. „Ehrlich, wenn sie Scheiß-Klamotten machen würden, wäre ich nicht gekommen", sagt er ein bisschen rotzig. Auf die Frage, was ihm am besten auf der Fashion Week gefallen habe, setzt er trocken einen drauf: „Dass die Show nur 20 Minuten gedauert hat!" Und reagiert ebenso trocken, wenn man bei ihm nachhakt, wie es mit Cara Delevingne läuft. Trocken und etwas grantig, denn das kann er durchaus sein, wie sich jetzt zeigt. Sehen sie sich weiter oder stimmen die Gerüchte, dass sie sich getrennt haben? Bugg zieht die Augenbrauen hoch und schweigt. Wartet. Spricht. „Die Presse bauscht Dinge immer wieder auf", antwortet er langsam. „Die glauben, das ist im öffentlichen Interesse". Aber ist er jetzt noch mit Cara liiert oder nicht? Bugg schweigt wieder, sein Blick verdunkelt sich. „Ich sage nichts dazu. Ich habe keinen Bock, über mein Privatleben zu reden. Eine Sache, in die eine andere Person involviert ist, das geht nicht. Ich werde über keinen anderen reden. Das ist unfair!", sagt er und blockt das Gespräch ab. Punktgenau kommt sein Manager herein und bringt Buggs Abendessen, einen Burger. Er beäugt ihn kritisch.„Warum hat der keine Sauce drauf?", fragt er bockig wie ein Teenager und motzt weiter: „Warum können die Dinge nicht einfacher sein?"

 

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