Ja, ich bezeichne mich als Feministin - und ihr solltet es auch

Der Begriff Feminismus ist notwendig. Auch heute noch.

„Feminismus ist so ein negativ besetztes Wort.“ „Es geht doch um Gleichberechtigung, warum werden die Männer gar nicht erwähnt?“ „Ich finde das Wort Humanismus besser.“ „Klar bin ich für Gleichstellung, aber Feministin bin ich keine.“ Solche Sätze hören Feministinnen oft. Und sie kommen meist von Menschen, die sich mit dem Begriff und der Geschichte des Feminismus wenig bis gar nicht auseinandergesetzt haben. Das Problem daran ist aber nicht, dass sie sich nicht als Feministinnen bezeichnen würden – sondern daran, dass das F*-Wort auch im Jahr 2016 für viele noch ein Reizwort ist, von dem sie sich lieber distanzieren würden, als sich näher damit auseinanderzusetzen.

"Warum werden die Männer gar nicht erwähnt?“


Ihnen sei gesagt: der Begriff Feminismus ist notwendig. Auch heute noch. Weil er eben nicht nur bedeutet, dass wir für die gleichen Rechte aller Geschlechter kämpfen – sondern dass wir die explizite Diskriminierung von Frauen, die leider Alltag ist, auch als solche benennen. Da geht es nicht darum, Frauen zu „bevorteilen“, sondern ihnen lange verwehrte Rechte zuzugestehen. Der jahrzehntelange, mühsame und noch immer andauernde Kampf vieler Frauen wird durch das Verwaschen des Begriffs einfach ignoriert. Wieder einmal würden Frauen und ihre Anliegen in den Hintergrund gerückt werden. Und das darf nicht passieren. Denn der alltägliche Sexismus und die damit verbundene systematische gesellschaftliche Unterdrückung von Frauen können nur mit einer Bewegung, die auch Frauen in ihrem Titel hat, ausgelöscht werden.

Genau deshalb ist es gut, wenn feministische Themen breitenwirksamer werden. Wenn nicht mehr alle Mienen verzogen werden, sobald frau sich als Feministin „outet“. Denn Feminismus ist heutzutage nicht mehr das Nischenthema, das es einst war. Der Begriff prangert von diversen Online-Bannern, ziert T-Shirts großer Modeketten und ist Gegenstand von TV-Diskussionen. Diese Image-Kampagne tut gut und ist wichtig. Doch sie hat auch eine Kehrseite: Feminismus wird zum Produkt. Zu einem verwaschenen Lifestyle, der mit einer bewussten Auseinandersetzung wenig zu tun hat. Selbstliebe, Empowerment und Girlpower sind die eine – und sehr wichtige – Seite im Kampf für mehr Gleichberechtigung und Akzeptanz, doch gibt es auch die andere, weniger schöne und so gar nicht glanzvolle Facette.

Feminismus bedeutet auch, zu kämpfen


Und die fängt dort an, wo unangenehme Themen angesprochen werden, wo es darum geht, über den eigenen Schatten zu springen und sich ins Gefecht zu werfen. Warum? Weil genau dieser Kampf leider noch zu oft mit Hass und Gewalt endet. Mit dem Versuch, Frauen zum Schweigen zu bringen, mit allen Mitteln. Ja: Feministin zu sein, bereichert, ermutigt und bestärkt. Doch genauso kann es frustrieren und ermüden. Genau hier gilt es: sich nicht umhauen zu lassen. Weiter laut zu sein. Sich dem Gegenwind zu stellen. Dass das nicht funktioniert, wenn man sich nur ein leeres Label umhängt, dürfte klar sein.

Deshalb müssen wir Feminismus jetzt erst recht aus der Reizthema-Ecke hervorholen und ihm Bedeutung umhängen. Müssen uns klar als Feministinnen deklarieren, so oft und so laut es geht. Aber wir müssen es ehrlich machen. Kritisch, selbstreflexiv, intersektional. Denn unsere Kämpfe sind hart, unterschiedlich und verdammt real. Und das dürfen wir – bei aller Girlpower-Ästhetik – nie vergessen.

Dieser Artikel erschien in Kooperation mit dem Business Riot Festival 2016. Das Business Riot Festival rückt als Arbeitsmarkt- und Kreativkonferenz Frauenförderung in den Mittelpunkt. Mehr Infos HIER!

 

Aktuell