Ist Surfen jetzt der gleichberechtigste Profisport?

Ab 2019 surfen die Frauen bei Bewerben der World Surf League um gleich hohe Preisgelder wie die Männer. In der (amerikanischen) Sportwelt ist das ein Meilenstein.

Ob Badeanzug oder Boardshort - am Surfboard sind nun alle gleich viel wert. Bei Bewerben, die die World Surf League (WSL) ausrichtet, erhalten Surferinnen ab der Saison 2019 gleich hohe Preisgelder wie ihre männlichen Kollegen. Die WSL ist damit die erste Sportliga aus den USA und eine der wenigen Ligen weltweit, die eine Gleichstellung in den Preisgeldern forciert. Bereits in den vergangenen Jahren hat die WSL unter neuer Führung einige Maßnahmen gesetzt, um die Benachteiligung der Athletinnen gegenüber der Männer auszugleichen. Die Frauen surfen inzwischen die gleichen Wellen wie Männer, die Tour-Events wurden an bessere Locations verlegt und die Ausgaben für die Frauen generell erhöht. Die Anpassung der Preisgelder sei "ein riesiger Schritt in unserer langfristigen Strategie, Frauen-Surfen auf eine höhere Ebene zu stellen", so WSL CEO Sophie Goldschmidtin einer Aussendung.

Gerade in der oft von Sexismus geprägten Welt des Surfens ist das eine großartige Entwicklung - nicht nur des Geldes wegen. "Es ist unglaublich, ich bin begeistert. Das neue Preisgeld ist fantastisch, aber die Message bedeutet soviel mehr!", sagt die sechsfache Weltmeisterin Stephanie Gilmore in einem Statement. "Ich hoffe, dass diese Entscheidung zum Vorbild für andere Sportarten, Organisationen und die Gesellschaft als Ganzes werden kann."

Surf-Legende Kelly Slater, der elffache Weltmeister, lobt die Entscheidung: "Die Frauen auf der Tour verdienen diese Veränderung. Ich bin so stolz, dass Surfen nun führend in Gleichberechtigung und Fairness ist. Die WSL-Athletinnen sind ihrer Kunst genauso ergeben wie die Athleten und sie sollten gleich gut bezahlt werden."

Und die WSL meint es richtig ernst mit der Gleichstellung. Neben dem neuen Preisgeld soll 2019 eine weltweite Marketingkampagne mit besonderem Fokus auf die Frauentour starten, unter anderem mit einer monatlichen Serie, die die Pionierinnen des Surfens vorstellt und feiern soll. Den Anfang macht die siebenfache Weltmeisterin Layne Beachley.

Auf jedem Stop der World-Tour sind außerdem Programme für Mädchen geplant, in denen sie zusammen mit WSL-AthletInnen Surfen lernen oder ihre Skills verbessern können. "Wir möchten an vorderster Front für Gleichstellung in allen Lebensbereichen kämpfen und wir fangen auf den Wellen an", sagt CEO Goldschmidt. "Wir können uns glücklich schätzen, dass wir hochtalentierte Vorbilder auf der Tour dabei haben, die diese Anerkennung neben unseren großartigen Athleten mehr als verdienen.

Die WSL ist eine der am schnellsten wachsenden Sportligen weltweit, Reichweite und Fanbase vergrößern sich jedes Jahr. Die Inhalte sind digital auf der ganzen Welt verfügbar. Mit dem neuen Wettbewerb auf der von Menschenhand erschaffenen - und somit leichter planbaren! - Welle auf der Surf Ranch in Kaliforniern findet inzwischen zumindest ein Tour-Event seinen Weg ins reguläre lineare Sportfernsehen. In Tokyo 2020 wird Surfen außerdem erstmals als olympische Disziplin vertreten sein - und eingeschworenen Fans wie neuen ZuschauerInnen beweisen können, dass Frauen die gleiche Bezahlung wie Männer verdient haben.

 

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