Ist Quentin Tarantino frauenfeindlich?

Bei einer Pressekonferenz der Filmfestspiele in Cannes motzt Quentin Tarantino eine Journalistin an. Sie hatte ihn gefragt, warum Margot Robbie in seinem neuen Film so wenig Sprechzeit hat.

Quentin Tarantino und Margot Robbie bei der Pressekonferenz zu "Once Upon a Time in Hollywood"

Es ist nicht das erste Mal, dass seine Darstellung von Frauen Quentin Tarantino zum Vorwurf gemacht wird. Sein Verhalten bei der Pressekonferenz in Cannes für seinen neuen Film "Once Upon a Time in Hollywood" sorgt nun erneut für Aufruhr: Die NYT-Journalistin Farah Nayeri fragt Tarantino, warum Hauptdarstellerin Margot Robbie nicht mehr Sprechzeit im Film hätte. Robbie spielt die Rolle der Sharon Tate, die 1969 von Mitgliedern des Kults um Charles Manson ermordet wurde.

In der Tat prangt Robbies Name, nach Leonardo diCaprio und Brad Pitt, zwar an dritter Stelle von den Filmpakaten, ihre Szenen im neunten Tarantino-Film kommen aber beinahe ohne Dialog aus. Ein Umstand, den die Journalistin Nayeri bedenklich fand. Darauf angesprochen erwiderte Tarantino aber nur schnippisch: "Ich weise ihre Hypothese zurück."

Robbie selbst sagt zu ihrer großteils stummen Darstellung: "In meinen Szenen hatte ich die Chance, Sharon Tribut zu zollen. Die Tragödie dieser Geschichte ist der Verlust der Unschuld. Man konnte ihre wunderbaren Seiten zeigen, ohne zu sprechen. Ich hatte viel Zeit, mich in den Charakter hineinzufühlen - ohne Dialog, das war spannend. Ich habe nicht oft die Möglichkeit, in einer Rolle soviel Zeit allein zu haben."

Die Frauen in Tarantinos Filmen

Nayerie aber ist nicht die einzige, die Tarantinos Entscheidung hinterfragt. Die sehr limitierte Sprechzeit Robbiers und auch Tarantinos unverblümte Antwort auf eine berechtigte Frage, lassen erneut Stimmen laut werden, die Tarantinos grundsätzliche Frauenfeindlichkeit thematisieren. Bereits sein letzter Film, "The Hateful Eight", stand unter Kritik: Daisy Domergue (gespielt von Jennifer Jason Leigh) wird den ganzen Film über von verschiedenen männlichen Charakteren brutal geschlagen. Ähnliches passierte mit Kerry Washingtons Charakter Hildie in "Django Unchained", auch sie wird Opfer übertriebener Gewalt.

Andere verteidigen Tarantino postwendend, immerhin gäbe es haufenweise dynamischer Frauen in seinem Werk, von Uma Thurmans "The Bride" bis zu Pam Griers "Jackie Brown".

Andere meinen, das alleine zähle aber sowieso nicht, wenn es Männern nicht gelänge, Frauen auch abseits der Leinwand mit Respekt zu begegnen. Und der hätte bei Tarantinos Antwort auf die Frage der Journalistin definitiv gefehlt.

Oder, wie es die Filmjournalistin Alyssa Klein ausdrückt: "Hi Männer, bitte sprecht niemals so mit mir, wie es Quentin Tarantino mit einer Journalistin nach einer sehr berechtigten Frage tut."

 

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