Ist Hochzeitsplaner*in wirklich ein Traumjob?

Kein Fest ist mit so vielen Emotionen verbunden wie eine Hochzeit. Damit am Tag X alles läuft, legen auch in Österreich immer mehr Brautpaare die Organisation in pro­fessionelle Hände.

Im Nachhinein ist man immer gescheiter. "Wenn ich gewusst hätte, wie viel Arbeit es sein würde, unsere Traumhochzeit zu organisieren, hätte ich Profis beauftragt!", schnauft Ina noch zwei Jahre später.

Vieles gilt es zu beachten, will man den "schönsten Tag des Lebens" stressfrei und fröhlich feiern. Während in den USA oder England die Hochzeits­industrie seit Jahrzehnten boomt und Wedding Planner einen großen Teil der Trauungen planen, setzt der Trend sich hierzulande erst langsam durch. Schätzungen zufolge werden heute etwa drei bis fünf Prozent der Feiern von Profis orchestriert.

Eine von ihnen ist Susanne Hummel: Mit ihrem Business Hochzeitshummel war sie österreichweit eine der Ersten. Mit ihrer Netzwerkarbeit und der Gründung des Austrian Wedding Award forcierte sie die Professionalisierung und Anerkennung des ­Berufsstands. Neben den Hunderten Hochzeiten, die sie selbst organisierte, ist sie auch als Ausbilderin tätig. Eine ehemalige Kursteilnehmerin, Paula Rys, zählt heute zum Hochzeitshummel-Team. Wir trafen die beiden selbstständigen Unterneh­merinnen zum Gespräch.

Wie kommt man auf die Idee, Hochzeitsplanerin zu werden?

Susanne Hummel: Nach der Geburt meines ersten Kindes wollte ich nicht mehr zurück in den alten Job. Ich habe zufällig in einem Magazin von einer Wedding Plannerin gelesen und dachte mir: Das will ich auch! Nach einem Dreivierteljahr Vorbereitung habe ich dann mein Business gestartet. Das ist jetzt 16 Jahre her.

Paula Rys: Eine meiner Freundinnen wollte heiraten, und wir haben in der Mädelsrunde ausgemacht, dass wir alle einen Kurs bei ­Susanne machen. Nun ja, ich war dann die Einzige, die ihn gemacht hat, und es hat mich total gepackt. Es hat ein bisschen Überzeugungsarbeit gekostet, bis ich mich getraut habe, meinen fixen Kommunikationsjob bei einem großen Konzern zu kündigen. Ich bin jetzt aber schon seit sieben Jahren dabei und bereue es keinen Tag, obwohl das letzte Jahr für uns Selbstständige sehr hart war.

Viele denken ja bei "Hochzeitsplanerin" an den Film mit Jennifer Lopez. Seht ihr euch manchmal mit Vorurteilen konfrontiert?

Hummel: Wenn Leute glauben, wir laufen hektisch mit Headsets und High Heels durch die Gegend und spannen der Braut den Bräutigam aus, darf ich sie enttäuschen. Ein*e gute*r Hochzeitsplaner*in braucht großes Organisationstalent und Empathie. Wir sind im Grunde Projektmanager*innen auf höchst emotionalem Terrain – ein verantwortungsvoller Job, der im Alltag nicht viel mit Romantik zu tun hat, und dennoch der beste Job der Welt!

Was ist so großartig daran?

Rys: Wir haben es fast immer mit gut gelaunten Leuten zu tun. Man arbeitet bis zu 18 Monate intensiv mit einem Paar zusammen und versucht, die Wünsche bestmöglich zu erfüllen. Da sind oft ganz schön verrückte Dinge dabei: Einmal mussten wir einen philippinischen Starfloristen engagieren, der mit seiner zwölfköpfigen Entourage eine Tonne Blumen verarbeitete. Unvergesslich bleibt auch die Geschichte, wo der Bräutigam die Ringe per Drohne über einen See einfliegen ließ. Wenn man dann aber sieht, wie alles klappt und sich alle freuen, dann ist das wunderschön.

Hummel: Ich war schon bei Hunderten Hochzeiten dabei, aber der Moment, wo die Braut nach vorne zum Bräutigam schreitet, bereitet mir immer noch Gänsehaut. Ich habe mir geschworen: Wenn das mal nicht mehr ist, höre ich auf. Jede Hochzeit ist anders – wir haben kein 08/15-Schema, das aufgedrückt wird. Und was Hochzeiten von anderen Events unterscheidet, ist die Exklusivität: Wir haben nur einmal die Chance, alles zu geben.

DienstleisterInnen ohne Stammkund*innen
Hochzeitsplanung ist ein sogenanntes freies Gewerbe. Das bedeutet, dass man keine spezielle Ausbildung absolviert haben muss, um seine Dienstleistungen anbieten zu dürfen. Wichtig zu wissen: Wedding Planning ist in erster Linie ein Organisationsjob – daher sind Projektmanagement- und Verhandlungsskills unumgänglich. Außerdem braucht’s Einfühlungsvermögen und Stressresistenz. Die TÜV-Zertifizierung (Junior / Senior Wedding Planner) hilft Brautpaaren bei der Suche nach seriösen Anbieter*innen.

Ausbildungsmöglichkeiten:
Institute for Wedding Professio­nals:
Plattform für Aus- und Weiterbildung in der Hochzeitsbranche; Onlinekurse für Wedding PlannerInnen, FotografInnen, freie RednerInnen: ifwp.eu.
BFI Wien / Steiermark / Tirol:Lehrgang für Hochzeitsplanung und Wedding Design, acht Tage Präsenzunterricht: bfi.at.
Wifi Wien / Salzburg / Steiermark / Tirol / Kärnten: Di­plomlehrgang Wedding Planner, derzeit als hybride Ausbildung (Präsenztage und Onlinetermine) geplant: wifi.at.

Früher wurde im Wirtshaus gefeiert, professionelle Planung haben höchstens die "oberen Zehntausend" in Anspruch genommen. Wie ist das heute?

Hummel: Generell sind die Ansprüche gestiegen. Die Paare sind älter, stehen im Leben und wollen sich und ihren Gästen einen besonderen Tag schenken. Die Kosten für eine Hochzeit mit etwa 100 Gästen liegen bei circa 20.000 bis 30.000 Euro. Zahlreiche Verträge – Location, Catering, Floristen, Musik, Fotografinnen … – gilt es zu prüfen. Diese Verantwortung und den achtsamen Blick aufs Budget wollen nur wenige ihren Angehörigen aufbürden. Für Paare planen wir die Feier entweder komplett oder werden – wenn das Paar selbst etwas Planungsarbeit übernehmen will – mit einem sogenannten Wedding Design beauftragt.

Rys: Unsere Paare können sich ­darauf verlassen, dass wir an alles denken. Auch wenn das in der Vorbereitung viele nicht hören wollen, aber man braucht immer einen Plan B. Und den haben wir. Wir bewahren auch schon mal vor Fehlern – etwa den Onkel als Fotografen einzusetzen oder die Cousine mit der "Explosionsgefahr Gästeliste" allein zu lassen.

Wie lange braucht ihr, um eine Hochzeit zu planen?

Hummel: Wir haben ein tolles Netzwerk und Kooperationspartner*innen in allen Bereichen und könnten ein Fest in drei Tagen umsetzen. ­Gewöhnlich kontaktieren uns die Paare zwölf bis 18 Monate vorher. So bleibt genug Zeit für kreative Ideen. Vorfreude ist ja bekanntlich eine der schönsten Freuden

 

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