Ist HIV Privatsache?

Seit gestern ist es in allen Medien: Hollywood-Star Charlie Sheen ist HIV-positiv. Eine Diagnose, die er jahrelang verheimlicht hatte. Wenn man sich einige der Kommentare nach der gestrigen Meldung ansieht, wundert es einen gar nicht. Die reichen von „überrascht mich nicht“ über „na, der hatte wohl zu viel Fun, der coole Onkel“ bis zu „der outet sich doch nur, weil er erpresst wurde“. Es ist natürlich leicht auf jemanden wie Charlie Sheen einzudreschen. Mit seinem Macho-Gehabe und seinen vielen Alkohol- und Drogenexzessen ist er für viele schon ein ziemlicher Ungustl. Dass er auch nach seiner Diagnose ungeschätzten Sex hatte – und eine Ansteckung als „unmöglich“ bezeichnete – löste nochmal einen kollektiven Wutreflex aus. Und zeigt auch das große Unwissen über die HIV-Infektion. Laut seinen Ärzten ist das HI-Virus durch die medikamentöse Therapie nicht mehr in seinem Blut nachweisbar – weshalb eine Infektion tatsächlich nicht mehr möglich sei.

Dass er sich erst jetzt nur öffentlich outet, weil er erpresst wurde, kann ihm aber keiner vorhalten. Es ist eher ein Vorwurf an uns als Gesellschaft, und daran, wie wir mit HIV-infizierten Menschen umgehen. Trotz aller zur Schau gestellten Toleranz und öffentlicher Bekundungen, man wolle HIV-positive Menschen nicht ausgrenzen, sieht die Realität nämlich ganz anders aus. Wie wäre es sonst zu erklären, dass jemand wie Gery Keszler, der Organisator des Life Balls in Wien, Jahre brauchte, um heuer seine eigene HIV-Infektion öffentlich zu machen? Es fiel ihm sichtlich nicht leicht, aber er tat es, um ein Signal zu setzen, wie er selbst sagte. Und machte sich damit natürlich angreifbar. Als Keszler den Life Ball für 2016 absagte, war zu erwarten, dass sofort über seinen Gesundheitszustand spekuliert werden würde.

Krankheit ist immer noch ein Tabu

Natürlich ist der Gesundheitszustand eines Menschen seine Privatsache. Niemand muss sich outen. Aber wenn sich prominente Menschen öffentlich zu ihrer Krankheit bekennen, setzen sie immer auch ein Zeichen. Deswegen sollte die Unterstützung überwiegen – egal um wen es geht, und welchen Lebensstil er hat. Das gilt nicht nur für HIV, sondern für viele andere körperliche und psychische Erkrankungen. Die sind nämlich, egal wie weltoffen wir uns geben, immer noch ein Tabu. Und das bringt niemandem etwas.

Das vollständige Interview mit Charlie Sheen in der Today Show

 

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