Ist Frauenfußball "schlechter" als Männerfußball?

"Für Frauen spielen die eh ganz gut". Zeit mit ein paar Vorurteilen über den "Frauenfußball" aufzuräumen. Eine Analyse.

Mit dem Fußball ist es ja so eine Sache... Männerdomäne und so. Zumindest bis heute. Denn in den letzten Tagen breitete sich dank der Erfolge der heimischen Damen-Mannschaft selbst im traditionell geprägten Österreich eine wahre Euphorie für den Frauenfußball aus.

Vorurteile, Halbwahrheiten und Irrtümer halten sich aber trotzdem hartnäckig. Wir haben uns ein paar Fakten zum Frauenfußball mal genauer angesehen.

"Die können ja doch Fußball spielen"

Männer sind einfach besser im Fußball, das ist eben so -sagen die einen. Stimmt nicht, die anderen.

Wenn es nach der deutschen Zeitung "Welt" geht, sind die Kräfteverhältnisse zwischen Männern und Frauen im Fußball klar verteilt. Grund zur Annahme: Ein Spiel der australischen Frauen-Nationalelf gegen die U15-Jungs, das die Frauen mit 0:7 eindeutig verloren. Der Redakteur dazu: "Haben Frauen im Fußball eine Chance gegen Männer? Natürlich nicht. Aber offenbar reicht schon ein besseres Jugendteam aus, um einem der besten Damen-Nationalteams eine deftige Niederlage zuzufügen. (...) Natürlich sind sie körperlich unterlegen. Aber: Haben gute Frauenmannschaften eine Chance gegen schlechte Männermannschaften? Offenbar nicht."

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Nun könnte man dieses eindeutige Ergebnis natürlich als Maßstab für die Leistung aller Fußballfrauen hernehmen. Das wäre allerdings in etwa genauso repräsentativ, wie wenn man Österreichs bisherige Leistung gegen dieFußballgroßmacht Nr. 1 (die Faröer-Inseln) als Maßstab des fußballerischen Könnens der ÖFB-Jungs heranziehen würde.

Weniger Muskeln, bessere Taktik?

Tatsächlich ist es so, dass Männer nun einmal im Schnitt mehr Muskelmasse (bis zu 20 Prozent) aufbauen und daher körperlich dem weiblichen Geschlecht überlegen sind. Das bedeutet aber nicht, dass Frauen etwa in punkto Taktik, Ballannahme etc. schlechter spielen - im Gegenteil.

"Abgesehen davon ist die Frauen-Nationalmannschaft des ÖFB den Herren tatsächlich taktisch überlegen. Nicht unbedingt, weil Frauen schlauer oder teamfähiger wären (Klischee?), sondern weil dieses Team (mit dem Team dahinter) seit 2011 konstant und planvoll und mit guten Ideen an seinem Aufbau arbeitet", schreibt Martin Blumenau auf fm4.orf.at. Und tatsächlich: Blickt man auf die derzeitigen Taktik-Statistiken, wird man kaum Unterschiede zu männlichen Leistungen feststellen können.

Das sehen auch die Spielerinnen so. Jasmin Eder, Nationalteam-Spielerin, im WIENERIN-Interview: "Wir sind technisch, taktisch um nichts mehr nach – die physischen Unterschiede werden immer da sein. Das ist einfach so. Aber ich glaube, dass sich in den letzten Jahren extrem viel getan hat und dass Frauenfußball sehr ansehnlich geworden ist".

Mal ganz abgesehen davon, dass das Primadonnen-Gehabe von Cristiano Ronaldo & Co. bei Fouls (manch einer von ihnen hätte wohl einen Oscar verdient) bei den Frauen ebenfalls kein Thema ist. "Im Männerfußball würde man kaum mehr spielen können, aber die... (...) Bei Frauen gibt's einfach gar nichts. Die stehen auf und spielen weiter", attestiert Julian Nagelsmann, deutscher "Trainer des Jahres 2016" vom 1899 Hoffenheim (Handelsblatt).

Eine Studie der TU München fand 2011 heraus: Männer brauchen bei Auswechslungen zehn Sekunden länger als Frauen und bleiben bei Fouls etwa 30 Sekunden länger am Rasen liegen. Warum? "Generell können die Unterschiede so interpretiert werden, dass bei den Männern der Gedanke der Inszenierung viel stärker ausgeprägt ist als bei den Frauen", so Studienautor Martin Lames.

WUK

Das WUK überträgt alle Spiele der Women’s Euro 2017 vom 16. Juli bis 6. August im Innenhof.

Alle Spiele der Women’s Euro 2017 werden auf 6 HD-Flatscreens bei freiem Eintritt übertragen – wettersicher dank Ausweichmöglichkeiten ins WUK Foyer und ins Statt-Beisl. Weitere Infos: http://www.wuk.at/event/id/18900

Rathaus

Aufgrund des Halbfinal-Einzugs hat sich die Wiener Stadtregierung dazu entschlossen, das Spiel am Donnerstag ab 18:00 live am Wiener Rathausplatz zu übertragen.

Bis 1971 vom ÖFB verboten

Dass Frauen überhaupt Fußball spielen "dürfen" (?!) ist im Übrigen auch nicht selbstverständlich. Während der Männerfußball über Jahrzehnte als Sport wuchs, ist Frauenfußball in Österreich erst 1971 vom Verband "erlaubt" worden, davor galt es für eine Frau als unstatthaft zu kicken. Die österreichische Nationalmannschaft existiert erst seit 1990, die EM in den Niederlanden ist ihre allererste.

Mehr zur Entwicklung des Frauenfußballs hier: Der große Hype um den Frauenfußball

Noch rückständiger geht es für Fußballerinnen im arabischen Raum zu: Im Iran dürfen Frauen nur mit Kopftuch Fußball spielen, in Saudi Arabien ist es erst seit Kurzem erlaubt, überhaupt Fußball zu spielen. Männliche Zuschauer sind allerdings nicht zugelassen.

Worin der Frauenfußball gegenüber den Männern allerdings sicherlich noch Aufholbedarf hat, sind die ZuseherInnenzahlen (egal ob am heimischen Rasen oder im Stadion bei der EM in den Niederlanden). Vorbild ist etwa Deutschland, wo nicht nur der Vereinsfußball seit Jahren höchst erfolgreich betrieben wird, sondern auch die Frauenfußball-WM 2011 für ausverkaufte Stadien sorgte.

Aber wenn unsere Nationalmannschaft neuerdings sogar Andreas Gabalier dazu bringt, die Töchter in der Hmyne zu besingen, ist es bis zum vollen Happelstadion auch nimmer lang, oder?

 

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