Ist Flirten noch okay?

Tinder und #metoo haben uns das Flirten zerstört, hört man so manchen jammern. WIENERIN-Chefredakteurin Barbara Haas kann alle ängstlichen Männer beruhigen: Flirten macht uns allen Spaß. Vor und nach #metoo.

WIENERIN Chefredakteurin Barbara Haas

#metoo hat alles verändert. Weltweit haben Frauen gezeigt, dass es strukturellen Machtmissbrauch in fast allen Bereichen ihres Lebens gibt und sie dies nicht länger akzeptieren, nicht länger verschweigen wollen. Gut so. Aber es gibt auch viele, die finden: Ja, eh hat #MeToo alles verändert - aber alles zum Schlechten. Warum? Weil man nix mehr sagen darf, nix mehr andeuten und insgesamt nix mehr wollen soll. Zumindest darf man es nicht mehr zeigen -die ganze schöne Spielerei und der prickelnde Flirt zwischen den Geschlechtern sei vorbei, die Menschheit insgesamt ärmer. Klingt ziemlich prüde? Kommt darauf an. Denn sehr oft kommen diese apokalyptischen Bedenken tatsächlich von Männern. Erste Entwarnung: Frauen wie Männer finden Flirten toll - war nie anders, wird nie anders sein. Wichtiger Zusatz: Wenn beide das Spiel spielen wollen, wenn beide auf gleicher Augenhöhe stehen, wenn es eben nicht um einen getarnten sexuellen Übergriff geht.

Wer Flirten fürchtet, fürchtet Gleichstellung.

Fakt ist nämlich: Beim Flirten kann ich scheitern, kann abgelehnt werden, kann nicht der passende Typ oder die richtige Typin sein -alles möglich. Wer daraus aber schließt, vor #MeToo hätte man sich darüber leichter hinwegsetzen können, offenbart ein Mindset à la Donald Trump. Im Grunde ist es also sehr einfach: Wer Flirten fürchtet, fürchtet Gleichstellung.

Wir sind in unserem aktuellen Flirt-Dossier (neue Ausgabe, jetzt im Handel) der Frage nachgegangen, wie sich Flirten in Zeiten des sehr eindimensionalen Datingdienstes Tinder anfühlt, warum der Flirt historisch sogar mal als "Terror von Frauen" betrachtet wurde und wie man lernt, sich anderen zuzumuten, wie man halt ist: nämlich eher nicht perfekt.

 

Aktuell