Ist es sexistisch ein Victoria's Secret Model zu fragen, was es essen möchte?

Ein Journalist fragt Magdalena Frackowiak, was sie nach der Show essen möchte. Ihre Reaktion überrascht.

Pizza, Schokolade, Eis... manche der Victoria's Secret Engel freuen sich schon darauf, deftiges Essen nach der Show reinzuhauen und haben offenbar kein Problem mit der Frage des Klatschreporters der Seite TZM. Anders sieht das Magdalena Frackowiak, für ihre Reaktion wird sie von Harper's Bazaar und Elite Daily gefeiert: Er soll sie nicht so dumme Fragen stellen. Das lässt sie aussehen wie eine Idiotin, die hungert, und sich nur freut, bis die Show zu Ende ist.

Nichts an Victoria's Secret ist nicht sexistisch

Reporter darauf aufmerksam zu machen, dass ihre Fragen dumm und sexistisch sind, ist prinzipiell immer eine gute Idee, aber in diesem Fall riecht das ein wenig nach Doppelmoral. Nichts an dem Spektakel der Victoria's Secret Fashion Show ist nicht sexistisch. Nichts. Es feuert eine riesige Industrie an, die den weiblichen Körper als Verkaufsobjekt inszeniert und die Frauen auf ihr Aussehen reduziert. Typische Fragen lauten normalerweise, worauf sie sich besonders freuen, mit wem sie sich besonders gut verstehen, ob die Flügel schwer sind und ob sie Angst haben, hinzufallen. Mit dem Druck, Frauen besessen von ihrer Schönheit zu machen, wird enorm viel Geld gemacht.

Hart aber wahr: Selbst schuld

Eigentlich kann man den Models auch so viel Mündigkeit zugestehen, dass sie wissen, welches System sie mit dieser Fashion Show unterstützen. Sie möchten nicht als hungernde Idioten dargestellt werden, die nur darauf warten, endlich wieder Pizza fressen zu können? Man könnte sich zu Feminismus, den unzulänglichen Zugang zu Bildung von Millionen von Mädchen, häuslicher Gewalt oder den Druck der Schönheitsindustrie äußern. Und selbst dann würde der Reporter im Setting der Unterwäsche-Show sie wohl nicht nach dem Weltfrieden fragen.

Nicht nur Männer sind am Sexismus schuld

Gibt es überhaupt irgendeine Frage, die man in diesem Setting fragen kann, die nicht dumm ist? Die Models sitzen in Bademäntel herum, und tausend Visagisten und Hairstylisten fummeln an ihnen herum um sie unwiederstehlich aussehen zu lassen. Vielleicht wurde Magdalena Frackowiak mit dieser Frage das erste Mal bewusst, wie man als Model in der Öffentlichkeit porträtiert wird. Der einzelne Reporter und seine Frage nach dem Essen haben daran bedeutend weniger Schuld als dieses aufgeblasene Perfektionsspektakel. Sexismus funktioniert nicht nur, weil Männer Frauen unterdrücken, sondern auch weil es manchen Frauen in diesem System sehr gut geht und sie mitmachen. Aber damit Frauen auch für ihren Intellekt, ihren Humor und ihre Klugheit wahrgenommen werden, müssen wir diese Eigenschaften auch zeigen. Aber vielleicht veröffentlicht Magdalena Frackowiak morgen eh ein Essay über den Nahostkonflikt.

 

Aktuell