Ist ein Gespräch über Geld vor der Hochzeit wirklich unromantisch?

Über Geld zu reden, ist unromantisch. Mit dieser Einstellung gehen viele Frauen in die Ehe und ziehen finanziell dadurch den Kürzeren. Karolina Decker, die Geschäftsführerin von FinMarie, erklärt, wie wichtig dieses Gespräch vor dem Weg zum Standesamt ist.

Ist ein Gespräch über Geld vor der Hochzeit wirklich unromantisch?

Was sollten sich Frauen überlegen, bevor sie die Ehe eingehen?

Karolina Decker: Wenn ein Paar heiratet, muss es sich Gedanken darüber machen, wie es das gemeinsame Leben finanziert. Die Ehegatten entscheiden dabei gemeinsam, ob sie einen hohen Lebensstandard pflegen und alle vorhandenen finanziellen Mittel dafür ausgeben oder ob sie sparen wollen. Sie legen gemeinsam fest, welche Prioritäten bei den Finanzen in der Ehe gesetzt werden; zum Beispiel ob sie ein zweites Auto kaufen oder das Geld für Ferien ausgeben. Wichtig ist, dass beide Partner*innen denselben Lebensstandard pflegen dürfen.

Über welche Fragen sollten Frauen mit ihrem künftigen Ehemann in Bezug auf Finanzen sprechen?

Gespräche über Geld sind immer eine Investition in die Langfristigkeit einer Beziehung. Paare müssen sich über die Bedeutung austauschen, die Geld für sie hat. Sobald es eine unterschiedliche Bedeutung hat, kommt früher oder später der Ärger. Deshalb trefft ihr am besten schon zu Beginn einer fixen Beziehung klare Vereinbarungen, wie ihr bei einer möglichen Trennung mit dem eingebrachten und gemeinsam erarbeiteten Vermögen verfahrt. Setzt euch an einen Tisch und rechnet zusammen aus, wie viel ihr zum Leben braucht und wer was bei einer Trennung bekommt.

Um Leistungen auszugleichen, muss man verhandeln. Man kann also sagen: "Ich will etwas dafür haben, dass ich auf meine Karriere verzichte und in der Kindererziehung mehr mache als mein Partner". Oder man sagt: "Wir machen es umgekehrt: Du bleibst zu Hause, und ich kümmere mich um meine Karriere." Da muss man wirklich verhandeln und darüber sprechen.

Welche Risiken gibt es für Frauen, wenn sie das Thema der Finanzen vor der Ehe nicht ansprechen?

Besonders Frauen halten finanzielle Regelungen oft für "unromantisch" und nehmen aus diesem Grund oft große Nachteile in Kauf. Wenn es um Geld geht, muss man grundsätzlich auch das Ende einer Beziehung mitbedenken. Wenn Frauen sich nicht rechtzeitig um finanzielle Dinge kümmern, besteht eine größere Gefahr, dass sie von Altersarmut betroffen sein werden. Frauen sollten ihre Altersvorsorge in die eigenen Hände nehmen. Geldanlage muss nicht kompliziert sein, jede Frau kann ihr eigenes Tempo wählen.

In welchen Fällen ist es sinnvoll, einen Ehevertrag aufzusetzen?

Es gibt Situationen, in denen sich ein Ehevertrag für beide Partner*innen lohnt. Zum Beispiel, wenn beide Ehegatten ein unterschiedlich hohes Vermögen haben. Oft möchte der wohlhabende Ehegatte verhindern, dass der andere Teil ihn nur heiratet, um im Fall einer Scheidung abgesichert zu sein. Oder andersherum: Der weniger Wohlhabende will den Eindruck vermeiden, er heirate nur des Geldes wegen.

Oft wird fälschlicherweise angenommen, dass ohne Ehevertrag der eine Ehepartner für die Schulden des anderen aufkommen muss. Um das zu vermeiden, schließen viele Eheleute einen Vertrag. Das ist aber nicht notwendig. Solange nicht ausdrücklich für die Schulden mitunterschrieben wurde, haftet der mit Schulden belastete Ehegatte allein.

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Wenn man Hilfe dabei braucht, das Thema rund um Finanzen vor der Hochzeit zu regeln, an wen sollte man sich wenden?

Entscheidet sich ein Paar für einen Ehevertrag, sollten sich beide im Vorfeld umfassend beraten lassen. Ansprechpartner sind neben Notaren auch Fachanwälte für Familienrecht.

Gibt es zusätzliche Themen, die man vor der Eheschließung diskutieren sollte, die sich langfristig auch auf die Finanzen von Frauen auswirken und die nicht offensichtlich sind?

Frauen bekommen für die gleiche Tätigkeit meistens immer noch weniger Lohn als Männer. Das ist eine schreiende Ungerechtigkeit und liegt sicherlich auch daran, dass immer noch so wenig über Geld gesprochen wird. Paare sollten genau aushandeln, wer was in die Lebensgemeinschaft einbringt, das betrifft vor allem die Bereiche Verdienst, Kindererziehung und Arbeit im Haushalt.

Was würden Sie empfehlen, wie eine faire Aufteilung aussehen könnte. Was kann und sollte Frau verlangen?

Als Erstes ist es ratsam, sich einen Überblick über sämtliche anfallende Gemeinschaftsausgaben wie Miete, Strom, Auto, Telefon, Internet und Lebensmittel zu verschaffen. Hierzu empfehlen wir das Führen eines Haushaltsbuches. Dann sollte die Aufteilung fair sein, sodass jeder Partner einen gleichen Anteil zur Haushaltskasse beiträgt.

Teilet eure Ausgaben am Besten basierend auf einem bestimmten Prozentsatz des Einkommens auf. Zum Beispiel könntet ihr vereinbaren, dass jeder von euch jeden Monat 35 Prozent seines Einkommens für die Wohnkosten verwendet. Der*die Partner*in mit dem höheren Einkommen zahlt mehr, während der*die Partner*in mit dem niedrigeren Einkommen weniger zahlt. Beide zahlen jedoch den gleichen Prozentsatz ihres Einkommens.

Über FinMarie:

FinMarie bietet eine Online-Finanzplattform an, die eine Kombination aus Finanzbildung, online Community und Finanzcoaching darstellt. Um den verschieden Bedürfnissen des Lebens eine Frau gerecht zu werden stellen sie unterschiedliche Finanz-Anlagelösungen bereit.

 

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