Ist ein Busengrapscher in der Öffentlichkeit okay?

Zärtlich das Knie streicheln - eine geläufige Geste zwischen Verliebten. Aber wie reagiert man, wenn der Mann am Nebentisch seiner Partnerin ganz direkt auf den Busen greift? wienerin.at-Kolumnistin Lisa Schwarzl fühlt sich herausgefordert.

Am Wochenende hatte ich das Vergnügen, einige der Sonnenstunden in einem Gastgarten zu verbringen. Auch sehr schön, auch sehr heiß. Ich kam in den Genuss, folgende Szene zu beobachten:

Am gegenüberliegenden Tisch saß ein junges Paar nebeneinander. Verliebt, sehr idyllisch unter einer Laube, glänzende Haut (Schweiß oder Endorphin-Überproduktion, wer kann das schon so genau sagen), ins Gespräch mit einem anderen Paar vertieft, sie in seinen Arm gelehnt, ihre Hand auf seinem Oberschenkel, schüchtern streichelnd, seine Hand auf ihrer rechten Brust….STOP…Was? Aus lauter Irritation verfolgte ich das Schauspiel weiter. Seine Hand ruhte tatsächlich mit einer gelassenen Selbstverständlichkeit auf dem Busen seiner Begleiterin. Und bewegte sich eine halbe Stunde lang nicht vom Fleck. An dieser Stelle könnte man kritisch anmerken: mein Blick tat das auch nicht.


Hab ich was verpasst?

Aber bei einem solchen Anblick, der einem doch eher selten unterkommt, kommt der Voyeur in uns zum Vorschein. Und stellt sich folgende Fragen:

War einem der handelnden Akteure (Hand oder Brust) kalt? Wollte man sich aneinander wärmen? Bei diesen Außentemperaturen unwahrscheinlich.

Seit wann ist das eine gesellschaftsfähige (Hand-)Haltung? Hab ich was verpasst? Warum liegt ihre Hand „nur“ auf seinem Oberschenkel? Warum nicht gleiches Recht für alle? Das wäre doch mal was Neues: Frau hält Gemächt des Mannes fest, während mit dem befreundeten Paar konversiert wird über ... was auch immer. Wahrscheinlich über den „Pograpsch“-Paragraph und wie lächerlich der ist. (Reine Mutmaßung.)

Zwangsläufig kam mir die verdammte Selbstreflexion dazwischen: Was ist denn eigentlich mit dir los? Prüde? Verklemmt? Herr Gott, jetzt lass das junge Glück doch in Ruhe und Frieden sich gegenseitig primäre oder sekundäre Geschlechtsmerkmale festhalten.

Ich hätte mich natürlich eh nicht eingemischt, war ja nicht meine Brust. Wobei ich immer mehr merkte, wie ich es fast körperlich spüren konnte. Quasi Phantomhand. Sehr merkwürdig. Sehr beengend.


"Ach, die sind halt jung"

Als ich schließlich den Gastgarten Richtung nach Hause verließ, hingen meine Gedanken immer noch dieser Hand-Brust-Situation nach, deshalb fragte ich meinen Freund nach seiner Meinung.

Die Antwort war, wie soll ich sagen, ambivalent. Hin und her gerissen zwischen seinem männlich-bodenständigen Ich ( „Brust – geil – angreifen – juhu“) und seiner Rolle als respektvoller Partner in unserer Beziehung („Ich würde dich niemals als Objekt behandeln“), formulierte er schließlich diplomatisch: „Ach, die sind halt jung“. Aha.

Ich brauchte mehr Meinungen zu dem Thema, also befragte ich auch noch meinen persönlichen Gesprächskreis (aka Mädelsrunde). Der kam zum gemeinschaftlichen Conclusio: Ja, es IST komisch, wenn öffentlich eine Brust in einer Hand rumliegt. Die Betonung liegt auf öffentlich.

Denn: Frauen mögen das Gegrapsche in der Regel eigentlich sehr gerne. Zu zweit. Als Spielerei zwischen einander. Als Anheizer im Bett.

In Gesellschaft anderer Menschen ist das „Offensichtliche“ zu plump.

Hier ist es aufregender, wenn sich der Liebste eher „heimlich“ dem eigenen Körper nähert. Wenn er ganz unabsichtlich, ja zufällig, beim Vorbeigehen ein Körperteil streift. Das wirkt auf die Frau wie ein schüchternes Kompliment. Als hätte er es einfach nicht fertig gebracht, sie jetzt nicht zu berühren. Sehr romantisch. Sehr sinnlich.

Als würde man zu zweit ein kleines Geheimnis teilen.

Ganz ehrlich: viel schöner kann sich eine Brust in der Hand auch nicht anfühlen.

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