Ist das weibliche Ermächtigung oder kann das weg?

Wie weit darf Werbung gehen und wo sind die Grenzen des Geschmacks erreicht? Calvin Klein hat sich mit seiner neuesten Plakatserie auf dünnes Eis begeben.

Modefotografie provoziert gerne und Calvin Klein tut das in letzter Zeit besonders oft. Ist das Unterwäsche-Label mit seiner neuesten Kampagne über's Ziel hinausgeschossen?

"I flash in #myCalvins"

Für Aufregung sorgte das Bild der Fotografin Harley Weir, das letzte Woche im Zuge einer neuen Calvin Klein Kampagne veröffentlich wurde. Es zeigt das Model Klara Kristin in ungewohnter Pose ("upskirt") unter dem Titel: "I flash in #mycalvins" (=Ich entblöße mich in meinen Calvins).

Auf Instagram und Twitter polarisierte das Bild bereits kurz nach der Veröffentlichung. Einige lobten die künstlerische Herangehensweise der Fotografin, andere prangerten die Fotografie als Verherrlichung der Vergewaltigungskultur an.

Das Model selbst versteht die Aufregung hingegen überhaupt nicht: "Diese ganze Diskussion zeigt wie entfremdet und groß die Angst vor dem weiblichen Körper noch ist. Seid lieb und liebt euch und eure Sexualität #girlpower."

Female Empowerment oder einfach nur stumpfer Sexismus?

Fakt ist, dass Calvin Klein bei der Darstellung auf eine voyeuristische Bildebene zurückgreift. Jede Frau, der schon einmal von einem Perversen in der Ubahn unter den Rock fotografiert/geschaut wurde, wird den "künstlerischen" Zugang der Kampagne nur schwer nachvollziehen können.

Wenn Calvin Klein Voyeurismus und Sexismus als "female empowerment" verkauft, ist das für die Opfer sexueller Belästigung eher ein ordentlicher Schlag ins Gesicht.
Es ist nur schwer nachvollziehbar, wie ein Unterwäschelabel auf die Idee kommt, mit einer derart misogynen und herabwürdigenden Darstellung die Weiblichkeit feiern zu wollen und glaubt, damit Frauen ansprechen zu können.

Medien üben scharfe Kritik

Auch international - besonders in den USA- stößt die Kampagne auf herbe Kritik. Dort wird besonders die auffallend kindliche Inszenierung des Models kritisiert.

Die New York Post titelte am Wochenende etwa: "Calvin Klein macht Marketing für Perverse" und "The Representation Project" schrieb auf Twitter: "Eure Werbung sexualisiert junge Mädchen".

Calvin Klein provoziert. Immer und immer wieder

Es ist nicht das erste Mal, dass Calvin Klein mit seinen sexualisierten Werbungen für Aufsehen sorgt. In den 80ern wurde die Kampagne, die die erst 15-jährige Brooke Shields in lasziver Pose zeigte, heftig kritisiert und Anfang der 90er folgte ein Shitstorm gegen die Plakatserie mit der jungen Kate Moss und Mark Wahlberg, die ebenfalls aufgrund der Übersexualisierung einer Minderjährigen heftig kritisiert wurde.

Am Ende hat Calvin Klein aus seiner Sicht wohl alles richtig gemacht. Schließlich darf sich das Unternehmen über ein weltweites Medienecho freuen. Ob man darauf stolz sein darf, ist eine andere Farge.

 

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