Isabella Richtar über: Shining* reloaded

Grundsätzlich: Pierre Brice kann froh sein, mit Vornamen nicht „Kalbs“ zu heißen. So viel ist sicher und muss an dieser Stelle auch mal erwähnt sein. Der M. und ich sind am Gletscher Ski fahren mit vier unserer besten Freunde. Sie erinnern sich an das legendäre „Last Christmas“-Video?

Gemeinsam kochen, Schneemänner bauen, am Bärenfell liegend ins Kaminfeuer schauen? Nun, man könnte durchaus sagen, dass unsere Truppe davon Lichtjahre entfernt ist. Es ist nämlich so: Der E. will sich mittlerweile von der D. scheiden lassen, wenn sie sich noch länger weigert, beim Skifahren einen Helm aufzusetzen. Die D. wiederum ist angefressen, weil der E. trotz Halsweh an nichts anderes denken kann als an Zigaretten. Der M. wird ab heute (wir sind vorgestern angekommen) nichts mehr kochen, weil die Zutaten schon immer vor der Fertigstellung des Gerichts weg sind. Der andere M. will endlich, dass die S. die Hochzeitseinladungen plant, die spielt aber lieber „Bubble-Shooter“ am Computer. Klingt entspannt, nicht wahr?
Dazu kommt mein uralter Hund, der bei jeder Gelegenheit bellt und beißt, weil blind und taub und schon immer misanthropisch veranlagt. Trotzdem liebe ich den Köter und will ihm den Lebens abend so prickelnd wie möglich gestalten. Zum Beispiel mit ausgedehnten Schneespaziergängen. Vorzugsweise mit dem M. Gestern konnte ich ihn dazu überreden, leider ist er nach 50 Metern ausgerutscht, weil die Schuhe mit Ledersohle, ach wie komisch, null Grip im Schnee haben. Er hat aber nur die mit, was heißt, ich kann die restliche Woche allein den Hund ausführen. Zum Glück hat der M. aber an Nahrungsmittel im Wert eines Klein wagens, Messer, Gurkenreibe, Zwiebelschneider, Knoblauchschäler, Milchschäumer, Schneidbretter, Salatschleuder und an den Entsafter gedacht. Letzterer ist so groß wie ein Ohrensessel und im Schiurlaub ja wesentlich essenzieller als gute Winterstiefel. Mitunter interessant gestaltet sich auch zunehmend das Morgenritual innerhalb unserer Kommune.
Bestenfalls dauert es drei Stunden, bis fünf Menschen (der E. fährt nicht Ski, weil das ist anstrengend und kalt) skifahrbereit im Auto hocken. Ganz großes Kino. „Hat jemand meinen zweiten Handschuh gesehen?“ „Wo ist meine Haube?“ „Wie verstellt man den Riemen an der Skibrille?“ „Ich fahr heute nur mit Sonnenbrille.“ „Na gut, ich auch, wart, ich hol sie schnell!“ Zehn Minuten später: „Weiß jemand wo meine Sonnenbrille ist?“ „Nein.“ „Super, danke. Dann fahr ich halt nicht mit.“ „Skibrillen sind doch eh viel besser!“ „Das sagst du nur, weil du nicht suchen willst.“ „ Stimmt!“ „Sehr nett, dir borg ich heute sicher kein Geld beim Pokern.“
Apropos. Pokern ist großartig. Wenn nicht das Beste überhaupt, abgesehen von Pierre Brice natürlich. Fördert zwar nicht unbedingt die Kommunikation, aber was soll’s. Reden ist sowieso für’n Arsch. Pokern ist viel geiler und man kann richtig fett Kohle machen. Ehrlich, die Typen von „Last Christmas“ aben keine Ahnung.
Ich pfeif jetzt auf Bärenfell-Romantik.

 

Aktuell