Interview: OneRepublic

Wir trafen OneRepublic in Wien zum Interview, bevor sie bei "Wetten dass..?" ihr drittes Album "Native" vorstellten - und fanden heraus, dass sie mit Til Schweiger eng befreundet sind und in welchem Wiener Club sie bis in die Nacht ihr Album-Release feierten.

Als wir ein Hotelzimmer nahe des Wiener Opernrings betreten, schiebt Sänger Ryan Tedder die Vorhänge der großen Fenster zur Seite, um die Sonne reinzulassen. Schließlich haben er und Bandkollege Brent Kutzle schon einen kleinen Interview-marathon hinter und ihren "Wetten das..?"-Auftritt noch vor sich. Mit schwarzer Lederjacke, weißem Shirt und Haube sitzt uns Ryan gegenüber und fragt noch vor unserem Interview seinen Manager, ob er später genügend Zeit hat, um seine Haare zu stylen - schließlich war er mit seiner Band bis 5 Uhr morgens in der Wiener Clubszene unterwegs. Denn: in der Nacht wurde ihr neues Album "Native" veröffentlicht - und das musste gebührend gefeiert werden! Uns verrieten OneRepublic, warum sie Österreich lieben und wieso sie mit Til Schweiger dick befreundet sind.

Vor sechs Jahren wart ihr zum ersten Mal bei "Wetten dass..?" - damals in Salzburg - und hattet euren ersten Hit "Apologize". Ist es für euch jetzt in Wien mit der selben Show wie ein Déjà-Vu?

Ryan Tedder: Es fühlt sich gut an! Wir lieben Österreich, vor allem Salzburg und Wien und mögen die Show sehr. Außerdem fühlt es sich wie eine Erleichterung an, denn es gibt keine Garantie, dass man nach einem Charthit noch weitere gute Songs und Erfolg hat. Und deshalb fühlen wir uns glücklich, dass wir heute hier nach sechs Jahren stehen und sagen können, dass wir etwas richtig machen.

Wie groß ist der Druck weitere Nummer-Eins-Hits zu haben?

Ryan Tedder: Gott sei Dank habe ich nicht die Mentalität unbedingt Nummer-Eins-Hits haben zu müssen, denn es gibt so viele Faktoren, die dies beeinflussen. Z.B. kann ich den größten Hit schreiben, aber wenn wir es zur falschen Zeit veröffentlichen, es kein tolles Musikvideo dazu gibt, gleichzeitig Lady Gaga ein neues Album rausbringt, und, und, und,...all das hat aber nichts mit einem guten Song zu tun. Die größten Alben der Musikgeschichte waren z.B. nur auf Platz 7 der Charts und sind trotzdem bis heute legendär.

Aber einen Top-Ten-Hit zu haben macht euch bestimmt trotzdem Stolz...

Ryan Tedder: Wenn wir in den Top Ten sind bedeutet das für uns eben, dass uns viele Leute hören und in unsere Musik investieren.

Brent Kutzle: Wir mögen lieber, dass unsere Songs länger in den Charts sind, weil die Leute ihn länger hören wollen, als einen Nummer-Eins-Hit zu haben, der schnell wieder verschwindet.

Ryan Tedder: In den USA wurde z.B. "Somebody That I Used To Know" von Gotye zu oft im Radio gespielt, so dass heutzutage die meisten Menschen gleich den Radiosender umschalten, wenn sie ihn hören. Es ist ein genialer Song, aber das kann auch ein Fluch sein, weil Nummer-Eins-Hits schnell ihre Besonderheit verlieren.

"Ich wollte, dass unsere Songs so klingen, so dass man sich heimatlich verbunden fühlt - gleichgültig, wo man sie sich gerade anhört."
von Sänger Ryan Tedder über's Album "Native"

Welche Rolle spielt Geduld im Leben eines Musikers?

Ryan Tedder: Sie ist eine Tugend. Man lernt nach einiger Zeit, wie man seine Zeit zwischen Flughafen, Hotel, Soundcheck, Interview, usw. bestmöglich nutzt. Ich schaue z.B. Filme oder TV-Serien, die meisten Jungs in der Band verschlingen reihenweise Bücher. Natürlich schreibe ich auch viele Songs, während ich auf etwas warte. Jedes Mal wenn ich mich dafür hinsetze - egal wo - könnte es der Moment sein, in dem ich eine Idee habe, die mein ganzes Leben ändern könnte.

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Interview OneRepublic
Am 8. April spielt die Band ihr einziges Österreich-Konzert in der Wiener Stadthalle.

OneRepublic und Til Schweiger - eine künstlerische Freundschaft:
2007 wurden OneRepublic mit "Apologize" (u.a. auf dem Soundtrack von "Keinohrhase") bekannt, einer Singleauskopplung aus dem Debütalbum "Dreaming Out Loud".

2009 folgte das zweite Album "Secrets", der Song "Wake up" wurde im Film "Zweiohrküken" verwendet.

Am 22. März 2013 veröffentlichten OneRepublic ihr neues Werk namens "Native". Der Song "Feel Again" fand auch hier wieder in einem Til Schweiger Film Verwendung - diesmal "Schutzengel".

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Was ist euer Lieblingssong vom neuen Album "Native"?

Brent Kutzle: Bei mir ändert es sich jede Woche. Zur Zeit ist es "Counting Stars"...

Ryan Tedder: ...bei mir ist es der selbe Song oder "Can't Stop".

Im Song "Counting Stars" gibt es die Zeilen: "Lately I've been losing sleep, dreaming about the things we could be". Was war letzte Nacht euer letzter Gedanke vor dem Einschlafen?

Ryan Tedder: Oh ja, ich erinnere mich (lacht). Ich dachte mir "Bitte lass niemanden in meinem Zimmer anrufen!". Seit zehn Tagen habe ich keine einzige gute Nacht gehabt und bin gestern auch erst um 5 Uhr ins Bett gegangen...

Brent Kutzle: Ach so? Ich bin erst um 7 Uhr ins Bett und habe bis vor kurzem noch geschlafen (lacht).

Genau gestern (Anm. d. Red.: 22. April) kam ja euer neues Album raus. Wo habt ihr denn in Wien gefeiert?

Ryan Tedder: Wir gehen wirklich selten weg. Aber gestern waren wir in diesem netten Club, ich glaube Pratersauna hieß er. Das haben sie tolle Techno-Musik gespielt!

Wurdet ihr als OneRepublic erkannt?

Ryan Tedder: Ja schon. Ein Typ kam her und hat uns sogar zu einer Runde Jägermeister eingeladen! Und viele waren überrascht, dass OneRepublic in einem Technoclub anzutreffen waren, weil sie uns anders eingeschätzt haben.

Am 8. April werdet ihr in der Wiener Stadthalle ein Konzert geben. Was können die Fans erwarten?

Ryan Tedder: Wir werden um die vier Songs vom neuen Album spielen, einen Mix der letzten zwei Werke und es wird auch ein paar Überraschungen geben. Manche werden bestimmt geschockt sein!

Brent Kutzle: Vor allem, weil sie eine Radioband erwarten, wir aber eine tolle Rockshow aufführen werden.

Wie würdet ihr die Beziehung zu Schauspieler Til Schweiger beschreiben? Schließlich hat er in den letzten Jahren drei eurer Songs in seinen Filmen verwendet.

Brent Kutzle: Er ist unser Onkel (lacht).

Ryan Tedder: Spaß! Wir sind wahre Freunde. Tatsächlich haben wir ihn vor zwei Tagen in Berlin getroffen und wollten Essen gehen. Wir haben den ganzen Tag Interviews gegeben und er kam zwei Stunden vor Schluß einfach ins Interviewzimmer rein und sah uns zu, wie wir Rede und Antwort standen. Er war so lustig und Til meinte sogar zu Journalisten "Ich finde diese Frage nicht gut" - es war zum Schreien! Er ist von Musik besessen, weshalb wir uns von Anfang an verbunden gefühlt haben.

Habt ihr eure Alben eigentlich zeitlich nach seinen Film-Erscheinungen gerichtet?

Brent Kutzle: Nein, es hat sich witzigerweise immer gut ergeben. Wir haben ihm mal einen Song vorgespielt, den er unbedingt für einen Film verwenden wollte - dabei hatten wir noch nicht mal Material für ein ganzes, weiters Album.

Ryan Tedder: In den USA schreiben wir viel Musik für Filme, weshalb die Sache mit Til für uns nichts Schockierendes ist. So hat übrigens meine Karriere gestartet, weil ich für Filme die Musik komponiert habe.

 

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