Interview Nino aus Wien

Liedermacher und Literat: NINO MANDL (26) alias DER NINO AUS WIEN gilt wegen seiner teils am Wahnsinn kratzenden Texte und oft psychedelisch anmutenden Musikfragmente als Meister von Assoziationsketten und Geheimtipp der heimischen Nischenmusik. Wir trafen Österreichs kauzigsten Pop-Poeten zum Interview.

Für das Album Bulbureal hast du nur zwei Wochen gebraucht, für Schwunder ein Jahr. Wie sieht's bei deinem nächsten Album aus?

Der Nino aus Wien: Die Wahrheit ist, dass es zwei Alben geben wird, die im Mai erscheinen. Eines habe ich gerade fertig geschrieben.

Zwei, die am selben Tag erscheinen?

Der Nino aus Wien: Genau. Das eine ist ein akustisches Album mit Geige, Chello, Akkordeon und akustischen Gitarren, das nehme ich jetzt auf. Und das andere ist elektronisch, aber da beginne ich erst mit dem Schreiben.

Hängen die Alben auch inhaltlich zusammen?

Der Nino aus Wien: (überlegt) Ich glaube, irgendwie schon.

Auch so, dass es die Leute verstehen - oder nur du?

Der Nino aus Wien: Ich weiß ja nicht, was die Leute verstehen. Ich verstehe meine Alben, ich finde das immer logisch.

Interview mit Der Nino aus Wien

Du arbeitest fast immer in der Nacht. Warum?

Der Nino aus Wien: Mir geht es besser in der Nacht, da fühle ich mich nicht gestört. Die Nachbarn fühlen sich eher gestört. Die haben anscheinend so große Ohren.

Hast du dann schon Ideen oder entsteht alles spontan?

Der Nino aus Wien: Es ist eine Idee da, aber die ist noch nicht greifbar. Das merkt man erst, wenn man daran arbeitet. Wenn keine da ist, geht es eh nicht. Es kommt auch vor, dass man denkt, man kann ein Lied machen, aber es kommt keines. Beim Bandalbum will ich zum ersten Mal Texte vertonen, die Texte schreiben und dann die Musik. Das habe ich noch nie gemacht.

Du hast mal gesagt, dass von den Songs, die du schreibst, nur ca. fünf Prozent veröffentlicht werden. Tut dir weglassen weh?

Der Nino aus Wien: Nein. Ich lasse gerne Lieder weg, obwohl ich sie mag. Ich denke nur in Alben, ich bin halt ein Album-Mensch, kein Lieder-Mensch. (Überlegt) Aber vielleicht werde ich irgendwann nur schöne Singles machen.

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Interview mit Der Nino aus Wien
Interview mit Der Nino aus Wien

Wirfst du das Material komplett weg oder hebst es auf?

Der Nino aus Wien: Ich würde mir die Sachen gerne merken, aber ich bin ein bisschen ungeschickt im Schreiben. Ich verwende kein Word. Ich schreibe alles per E-Mail. Das Problem ist, dass ich immer denselben Betreff verwende, nämlich „...".

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Warum schreibst du dann nicht in Word?

Der Nino aus Wien: Ich habe das nie gemocht, ich kann damit nicht umgehen. E-Mails mag ich, deshalb schick ich mir alles. Nur das meiste verliere oder übersehe ich. Aber das ist halt meine Technik.

Was ist der beste Ort für dich, um Lieder zu schreiben?

Der Nino aus Wien: Das Album, das ich gerade fertig geschrieben habe, habe ich bei mir zu Hause geschrieben, nur zwei, drei Lieder bei meinen Eltern. Ich glaube, die sind meine Lieblingslieder. (Nachdenklich) Also ist das anscheinend ein angenehmer Ort für mich, um zu schreiben.

Wie gefällt deinen Eltern das, was du machst?

Der Nino aus Wien: Eh ganz gut. Sie waren dieses Jahr öfter auf Konzerten und es beginnt schon, dass sie ihre Freunde mitnehmen.

Haben sie künstlerisch Einfluss auf dich?

Der Nino aus Wien: Gar nicht. Sie haben mir noch nie einen Tipp gegeben, aber ich glaube, ich würde den auch nicht annehmen. Aber sie sagen mir halt, welches Lied sie schön oder nicht so schön finden.

Von wem nimmst du dann Tipps an?

Der Nino aus Wien: Mir ist die Band wichtig und was sie von meinen Liedern halten. Ich bin immer aufgeregt, wenn ich ihnen neue Songs vorspiele. Aber meistens sagen sie eh nichts und spielen einfach mit (grinst).

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Wie nah liegen bei dir Genie und Wahnsinn beieinander?

Der Nino aus Wien: Ich bin weder ein Genie, noch bin ich wahnsinnig.

Was bist du dann?

Der Nino aus Wien: Wenn's um die Lieder geht, bin ich ein Handwerker, ein Kunsthandwerker. Wie ein Typ, der Holz bemalt. Die Art, wie ich Lieder schreibe, erinnert mich daran. Aber sonst will ich ein ruhiges Leben und nicht zu viel Wahnsinn. Aber es gibt natürlich Nächte des Wahnsinns (grinst).

Wenn ich dir die Gitarre wegnähme, was würdest du tun?

Der Nino aus Wien: Eine neue kaufen. Oder dir wieder wegnehmen (grinst). Nein, ich mache diese beiden Alben, dann schauen wir. Ich glaube nicht, dass ich diesen Rhythmus für immer gehe. Es war ja nicht mein Herzenswunsch, Musiker zu sein. Musik ist ein brauchbares Mittel, um etwas zu transportieren, ja. Aber es könnte was anderes sein: zeichnen, filmen, schreiben. Es hat sich halt angeboten, Musik zu machen, weil ich die paar Akkorde auf der Gitarre gelernt habe. Damit kommt man ja aus.

 

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