Interview Katy Perry

Gegensätze machen sie aus: Auf den Bühnen dieser Welt zu Hause, ist ihr Leben stets transparent, doch die streng religiös erzogene Katy Perry (28) schafft gekonnt den Spagat zwischen ihrem Image als schillernder Dancefloor-Queen und dem sympathischen Girl next door, das man einfach mögen muss. Ein Gespräch über ihre Wurzeln, ihre Werte und ihre heimlichen Wünsche.

Du bist ja ein ziemlich braves Mädchen. Was hält dich davon ab, auf die dunkle Seite zu wechseln?

Katy Perry: In erster Linie der Gedanke an Karma (lacht).

Abgesehen von Karma: Was sind deine Werte oder Überzeugungen?

Katy Perry: Integrität und Respekt sind wichtige Charaktereigenschaften. Ich wuchs ja in einem streng religiösen Haushalt auf, was ich aber vor allem mitnehmen konnte, ist: Mein moralischer Kompass ist mir sehr wichtig. Doch natürlich musste ich auch aussieben bei manchen Werten, die mir früher nicht so zusagten (grinst).

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Wie warst du denn als Kind?

Katy Perry: Oh, mein Gott, ich hatte so viel Energie. Ich wünschte, die hätte ich heute noch (lacht). Ich bin die Wände hochgegangen wie ein Affe. Ich erinnere mich, dass die Leute sagten: „Um Himmels Willen, dieses Kind hat zu viel Energie!" Ich habe immer eine Show abgezogen - aber das ist, was mich hierher gebracht hat.

Wann wusstest du, dass du im Rampenlicht stehen willst?

Katy Perry: Als ich neun Jahre alt war.

Wie das?

Katy Perry: Ich bin das mittlere Kind, habe einen jüngeren Bruder und eine ältere Schwester. Gerade bei älteren Geschwistern bist du immer im Wettbewerb mit ihnen. Du willst wie sie sein, du willst ihre Klamotten tragen. Eines Tages kam meine Schwester nach Hause von ihren Ferien, die sie bei unseren Großeltern verbracht hatte - und hatte auf einmal eine Demo-CD, weil die ein Tonstudio im Keller hatten. Ich wollte dann natürlich auch ein Demo. Doch was ich machte: Ich übte mit der CD meiner Schwester und führte das meiner Mutter vor. Und sie sagte dann so was wie: „Alles klar, du bist diejenige, die Gesangsstunden bekommen sollte!"

Wann wusstest du, dass du auch vor der Kamera stehen willst?

Katy Perry: Ich wusste immer, dass ich gerne synchronisieren will, weil mir das so unglaublich viel Spaß macht. Aber ich habe nicht viel Schauspielerfahrung, weil ich immer sagte, dass ich meinen Tag um elf Uhr anfangen will und nicht um vier. Ich weiß, wie schwierig es als Schauspieler ist, speziell im Fernsehen. Einer meiner besten Freunde macht das. Er arbeitet 16 Stunden am Tag, geht in die Maske um fünf Uhr. Und dann spielst du eine Rolle und kannst die und die Geschichte drumherum nicht kontrollieren. Ich bin aber ein Kontrollfreak, ich müsste Regisseur, Produzent, Schauspielerin und Visagistin sein (lacht).

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Ist es hilfreich, wenn du in einen Charakter schlüpfst, dass du dich dahinter verstecken kannst? Im Gegensatz dazu, dass du sonst als Person so öffentlich bist?

Katy Perry: Ich denke nicht, dass ich mich hinter irgendetwas verstecken muss. Ich genieße es, einen Charakter zu verkörpern, denn da sind so viele verschiedene Charaktere in mir, die ich alle spielen will.
Würdest du dich für einen Film ausziehen? Ich weiß es nicht, aber das ist etwas, auf das ich antworten kann, wenn es so weit ist.

Die Dinge, die du machst, erfordern manchmal echt Courage. Welchen Rat würdest du jungen Frauen geben, die noch nicht so weit sind, ihren Träumen zu folgen?

Katy Perry: Ich würde sagen, dass sie sich Zeit für sich selbst nehmen und an sich arbeiten sollen.

Wie?

Katy Perry: Umgib dich mit einem guten Team, guten Freunden mit guter Moral, und konzentrier dich darauf, voranzukommen und dich zu stärken. Und tu was. Wenn ich zu Hause bin und frei habe, mag ich es, gut zu essen, mit Freundinnen zusammen zu sein und Dinge zu tun, die mir guttun und mein Selbstvertrauen stärken. Sei nett zu dir selbst. Und verurteile dich nie zu hart.

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Wer waren deine weiblichen Helden, als du ein Teenager warst?

Katy Perry: Ich durfte nicht viel fernsehen, als ich klein war. Meine Eltern waren teilweise sehr streng bezüglich mancher Dinge. Eben weil ich in einem streng religiösen Haus aufgewachsen bin, wurden viele Dinge überwacht. Aber ich mochte immer Wonder Woman. Und Gwen Stefani. Und Angelina Jolie als Lara Croft.

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Gab es in deiner Kindheit Momente, in denen du sauer auf deine Eltern warst, die du aber heute würdigen kannst?

Katy Perry: Oh, ja, diese ganze Übernachtungsthematik. Ich war wütend, dass ich nie bei Freunden schlafen durfte oder bei Übernachtungspartys dabei war. Aber heute weiß ich, was die Jugendlichen da alles machen, von daher ... (grinst).

Wie denken deine Eltern heute über das, was du tust? Sind sie stolz auf dich?

Katy Perry: Sie haben auf alle Fälle erkannt, dass sich mein Weg lohnt (grinst). Ich liebe und bewundere sie, ich respektiere sie, und, ja, ich bin hochgradig genervt von ihnen, aber ich denke, das ist die Dynamik in jeder Familie. Ich habe noch nie etwas anderes von anderen Leuten gehört (lacht).

Du warst kürzlich mit UNICEF in Madagaskar, um auf die Arbeit des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen hinzuweisen ...

Katy Perry: Manchmal mache ich Dinge, um einfach nur Katheryn Hudson zu sein. Es ist wichtig für mich, die
Balance zu halten. Aber diese Reise war besonders wichtig für mich und hat vor allem meine Dankbarkeit erhöht und mich demütig werden lassen. Und es hat mir gezeigt, dass ich in der Lage bin, das Rampenlicht um mich herum auf andere Dinge zu übertragen, die es notwendiger brauchen.

Es gibt ein Zitat, das heißt: „Es spielt keine Rolle, woher du kommst, sondern was du sein willst." Das klingt wie für dich geschrieben ...

Katy Perry: Ich habe mal einen Film gesehen, da hieß es: „Sei du selbst - und du kannst alles sein." Ich denke, das ist ein ähnliches Thema. Es geht darum, herauszufinden, wer man ist.

Wenn du auf die letzten Jahre zurückblickst - hat dich irgendwann etwas an dir überrascht?

Katy Perry: Ich glaube, wenn man 25 ist, denkt man, dass man viel mehr weiß, als man tatsächlich tut. Ebenso mit 28. Und ich bin sicher, wenn man 30 ist und zurückblickt, denkt man: „Ich hab echt überhaupt nichts gewusst, als ich 20 war." Ich glaube, das ist dann die Überraschung (grinst).

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Du hast mal gesagt, dass du es magst, ein bisschen „cartoonish" auszusehen ...

Katy Perry: Ich liebe es, cartoonish zu sein (lacht). Ich übertreibe eben gerne. Und ich liebe es auch, Animationsfilme zu machen. Ich komme im Pyjama und ohne Make-up ins Studio, ich sehe überhaupt nicht aus wie ich. Und dann gehe ich in die Aufnahmekabine und es gibt immer Snacks. Das ist echt schrecklich (grinst). Aber es ist lustig!

Bist du denn mehr du selbst, wenn du Jogginghosen trägst und ungeschminkt bist?

Katy Perry: Ich würde ja gerne sagen, dass ich in Haute Couture schlafe, aber das ist nicht wahr (grinst). Wenn ich nicht aufgebrezelt bin, dann bin ich wirklich, wirklich underdressed. Das liegt halt daran, dass ich viel arbeite. Ich trage dann entweder Sportklamotten oder eben Schlabberhosen, weil ich meine Aufmerksamkeit nur auf die Arbeit legen will. Es fordert eine Menge von einem, sich hübsch anzuziehen und herzurichten. Ich mag es auch, mir dafür Zeit zu nehmen. Und das tue ich wirklich, so in etwa siebzehn Stunden (lacht).

Apropos: Nimmst du dir auch Zeit für deine Fitness und dein Work-out?

Katy Perry: Ja, aber eigentlich mehr im Hinblick auf meine mentale Gesundheit. Sport kann helfen, die
Perspektive und das Leben zu überdenken, vor allem, wenn die Glückshormone danach ausgeschüttet werden.

 

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