Interview Justin Timberlake

Sein Album „The 20/20 Experience“ ist das bestverkaufte Album 2013, die gleichnamige Welttournee lief ebenso prächtig wie die Filme „Runner Runner“ und „Inside Llewyn Davis“. Grund genug, mit Mr. Charming zu plaudern.

Hallo Justin! Du hast dieses Jahr einige umstrittene Aussagen über Popmusik gemacht ...  

Justin Timberlake: Ich denke einfach, dass vieles beginnt, gleich zu klingen. Meine Aussage war: Für mich fühlt es sich an, als ob ich momentan durch eine Zeit gehe, in der ich Lieder von verschiedenen Personen höre, aber es klingt, als ob sie alle von demselben Sänger und Produzenten wären. Ich glaube nicht, dass das in irgendeiner Art und Weise umstritten ist. Außerdem finde ich, dass das vergangene Jahr ein großartiges für die Musik war. Ich liebe die Aufnahmen von Daft Punk und Queens of the Stone Age. Ich denke, dass im vergangenen Jahr viel Musik herausgekommen ist, die fortschrittlich für die verschiedensten Genres ist. Und ich glaube, dass ich mich zum ersten Mal in meiner Karriere nicht mehr als Pop-Künstler sehe. Man macht einfach Musik!

Du hast auch gesagt, dass viele Musiker nicht bereit sind, etwas dafür zu tun ... 

Justin Timberlake: Da spielt sich gerade eine ziemlich interessante Sache in Filmen und Musik ab. Das Medium, in dem Musik präsentiert wird, möchte mittlerweile etwas von dir. Sehr viele TV-Shows und Musik-Talenteshows sind der Antrieb dafür. Und ich stimme dem Ganzen nicht zu. Ich glaube sehr wohl, dass es einen Hype um einen Film wie „The Social Network" gegeben hat, der möglicherweise etwas unfair war. Ja, die Dinge haben sich etwas verschoben. Als Unbekannter kannst du schnell auf die große Leinwand kommen mit einer einzigen guten Performance - und danach machst du auf einmal schon Karriere. Es ist ein Marathon. Du musst dann eine ganze Serie von guten Filmen, Songs oder was auch immer produzieren. Und deshalb bin ich davon überzeugt, dass Arbeit nur über eine lange Zeitperiode passieren kann. Ich glaube nicht, dass irgendjemand mit einem einzigen Moment berühmt wurde!

Justin Timberlake im Interview
Was ist dein Schlüssel für eine lang lebende Karriere? 

Justin Timberlake: Zusammenarbeit. Manchmal setzen sich ein Produzent und ein Künstler zusammen und machen wahrlich Magie, so wie Quincy Jones und Michael Jackson. Und manchmal setzen sich auch ein Regisseur und ein Schauspieler wie Martin Scorsese und Robert De Niro zusammen, und die produzieren dann was Magisches. Ich glaube, dass viel von der Chemie von den Personen abhängt. Zusammenarbeit ist einfach das A und O. Eine Person alleine kann keinen Film toll machen, aber ein paar Leute können einen Film beschissen machen. Wenn die Chemie nicht stimmt, überträgt sich das einfach auf die gesamte Besetzung. Mit Ben (Affleck, sein Partner in Runner Runner, Anm. d. Red.) hatte ich zum Beispiel eine Menge Spaß. Es fiel uns nicht schwer, komplett gegnerische Charaktere zu spielen, weil wir uns einfach so gut verstanden haben (grinst).

Was ist heute denn karrieretechnisch deine Priorität? 

Justin Timberlake: Im Endeffekt kommt es immer darauf an, was einem selbst wichtig ist - was man als wichtig empfindet. Es arbeiten so viele Menschen in der Branche. Die sehen, wie du Erfolg hast, wie du Misserfolg hast, gut, schlecht, richtig, falsch - es dreht sich alles um Entscheidungen. Ich bin jetzt an einem Punkt in meiner Karriere, wo es nicht mehr so sehr um das geht. Die Momente, die du dir wirklich mitnimmst und in Erinnerung behältst, sind die Dreharbeiten, die Tourneen, die Zusammenarbeit mit Menschen - das sage ich auch den Menschen, die mir erzählen, ihre Wahrnehmung mir gegenüber habe sich geändert. Ich kann Menschen nicht vorschreiben, was sie von mir halten sollen.

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Justin Timberlake im Interview

Du hast ebenfalls gesagt, dass du dich nicht mehr als Popstar siehst ... 

Justin Timberlake: Was ist schon ein Popstar? Wie gesagt, es kommt immer darauf an, wie du die Dinge siehst. Ich mache Musik. Manches davon ist bekannter als der Rest. Ich weiß selbst nicht, was das bedeutet (lacht).

InlineBild (a97f117a)Was machst du in der Zeit zwischen deinen Projekten?

Justin Timberlake: Ich mag es sehr, mit Menschen zusammen zu sein, die einen neuen, frischen Standpunkt haben. Das ist das, was mich antreibt. Es ist einfach ein Geisteszustand. Das Einzige, was ich in Sachen Musik immer probiert habe, ist, welche zu machen (grinst). Als ich 21 war und mein erstes Album herausgebracht habe, meine erste Single, war das, was ich machen wollte, Musik zu produzieren, die 21-Jährigen gefällt. Als mein zweites Album erschienen ist, war ich 25 - und alles, was ich wollte, war Musik zu machen, die 25-Jährigen gefällt. Ich kann mich sehr glücklich schätzen, dass ein Großteil der Menschen, die meine Musik mögen, damit aufgewachsen ist. Das ist eine ganz spezielle Verbundenheit zwischen Künstlern und Menschen, die deine Musik mögen. Wenn ich jetzt in einem Raum voller 32-Jähriger bin, mache ich am Ende des Tages immer noch Musik für mich selbst. Und das ist der beste Weg, um zu arbeiten - für sich selbst.

Wie schaffst du es, dass deine Prioritäten die richtige Reihenfolge behalten? 

Justin Timberlake: Meine Familie ist seit jeher an erster Stelle. Das ist alles, was ich dazu sagen kann, ohne zu persönlich zu werden. Meine Prioritäten haben sich in dem Sinne verändert, dass ich durch die jahrelange Arbeit in dieser Branche gelernt habe, dass ich keine Entscheidungen mehr aus den falschen Gründen treffen werde. Deshalb denke ich, dass es wichtig ist, hin und wieder einen Schritt zurückzugehen und dieses Gefühl zu genießen - darum geht's doch im Leben!

Hast du noch das Gefühl, dich als Schauspieler beweisen zu müssen? 

Justin Timberlake: Ich denke nicht, dass ich irgendjemandem etwas beweisen muss, außer mir selbst. Und das ist genau der Grund, warum man Entscheidungen für oder gegen Projekte immer Zeit geben sollte - am Anfang machen sie dir vielleicht ein bisschen Angst, und es ist vielleicht auch etwas Glücksspiel dabei, ein bisschen Risiko, weil du so etwas noch nie gemacht hast. Und das braucht einfach Geduld. Ich hatte wahrscheinlich noch nicht so viel Geduld, als ich 21 oder 22 Jahre alt war. Hoffentlich habe ich jetzt mehr (lacht)!

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