Integratives Wohnprojekt "Hawi" muss schließen

Seit September 2016 leben StudentInnen und AsylwerberInnen gemeinsam in einem Haus im 10. Wiener Gemeindebezirk.

Seit zwei Wochen wissen die BewohnerInnen Bescheid: Das integrative Wohnprojekt "Hawi" der Caritas soll geschlossen werden. Das Projekt führt StudentInnen und Flüchtlinge zusammen. Gemeinsam leben die 140 Jugendlichen seit September 2016 im 4. und 5. Stock des Gebäudekomplexes im 10. Wiener Gemeindebezirk. Integration, die funktioniert.

"Es ist wie eine Familie. Es geht über den Rahmen der Integration. Es geht um die Beziehungen, die hier entstehen. Freundschaften," sagt Bewohnerin Manu gegenüber FM4. Die BewohnerInnen teilen sich mehrere Gemeinschaftsflächen und leben auch gemeinsam in den Zimmern, meist 2-Zimmer-Einheiten. So gut das Projekt auch funktioniert, so erfolgreich es das Ziel des integrativen Zusammenlebens erreicht - der Grund für das Ende des "Hawi"-Hauses ist, wie so oft, finanzieller Natur.

„Im Vorjahr gab es 24.000 Aslyantragszahlen in Österreich. Deutlich weniger als im Jahr 2015/2016. Jetzt bewegen wir uns im Niveau von 2002. Das macht sich in den einzelnen Häuser bemerkbar. Die Caritas hat im Vorjahr zwölf Einrichtungen geschlossen und die geflüchteten Menschen auf unterschiedliche Quartiere aufgeteilt. Es sieht danach aus, als müssten wir noch weitere Notquartiere schließen müssen“, sagt Sprecher der Caritas Martin Gantner zu FM4.

Man arbeite gerade an einer Lösung, das "Hawi" weiterleben zu lassen - ob und wie das funktionieren soll, ist noch nicht bekannt. "Der Geist von Hawi soll weiterleben", sagt Gantner. "Wir schauen, dass wir das auf die Reihe bekommen!"

BewohnerInnen gegen Schließung des Hawi Wohnheims

Die BewohnerInnen wollen jedenfalls nicht so einfach aufgeben. Auf Facebook suchen sie Unterstützung, es gibt auch bereits eine Crowdfunding Kampagne. "Wir, die Bewohner_innen des Hawi Wohnheims sind vom Konzept des Hawi derart begeistert, dass uns das Akzeptieren dieser Entscheidung sehr schwer fällt. Auch angesichts des aktuell sehr kalten politischen Klimas in Österreich wollen wir nicht einfach leise gehen, sondern entschieden zeigen, dass wir, die Integration im täglichen Alltag gelebt haben, diese Art des Zusammenlebens als für alle extrem bereichernd empfinden", schreiben die BewohnerInnen in einem Aufruf.

Wer das "Hawi" unterstützen möchte: Hier geht es zur Facebook-Seite "Don't worry - be HAWI", wo alle Infos, Spendenaufrufe und Entwicklungen gepostet werden. Die Crowdfunding-Kampagne ist hier erreichbar.

 

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