Integration gelingt nur durch Frauenförderung

Der Österreichische Integrationsfonds lud Friendsnobel-Preisträgerin Shirin Ebadi ein, um über Herausforderungen bei der Integration geflüchteter Frauen zu diskutieren.

Am 23. September fand die vom Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) in Kooperation mit der Initiative „Women for Peace“ veranstaltete Podiumsdiskussion „Neue Freiheiten, alte Zwänge? Herausforderungen bei der Integration von geflüchteten Frauen in Österreich“ in Wien statt. Mit den rund 150 Besucherinnen und Besuchern diskutierten die iranische Friedensnobel-Preisträgerin Shirin Ebadi, die Schweizer Islam-Expertin und Menschenrechts-Preisträgerin Saïda Keller-Messahli, Teresa Indjein (Leiterin der Kultursektion des Bundesministeriums für Europa, Integration und Äußeres), Deeqa Haibe Omar (Beraterin im Verein "Nachbarinnen") sowie Integrationsbotschafterin Selma Prodanovic die Herausforderungen bei der der Integration geflüchteter Frauen. Im Zentrum der Diskussion standen mitgebrachte Rollenbilder, Wertekonflikte und die Erwartungshaltungen von Umfeld und Familie.

Frauen stärken und Männer in Pflicht nehmen

Friedensnobel-Preisträgerin Shirin Ebadi betonte im Rahmen der Podiumsdiskussion: „Viele der geflüchteten Frauen in Europa kommen aus patriarchalen Gesellschaften, in der der Mann alles bestimmen kann. Man muss deshalb ganz besonders bei den Frauen ansetzen und ihnen die europäischen Rechte und Freiheiten, die Frauen hier haben, näher bringen. Eine Frau kann erst frei sein, wenn sie ihre Rechte kennt und nutzen kann."

Saïda Keller-Messahli, die 2016 den schweizerischen Menschenrechtspreis erhalten wird, ergänzte: „Man muss sich auch der Männer annehmen und ihnen klarmachen, dass sie ihre aus einer patriarchalen Ordnung mitgebrachten Rollenbilder ablegen müssen. Sie müssen erkennen, dass die Regeln hier ganz andere sind und akzeptieren, dass der Stellenwert der Frau, der Tochter ein anderer ist. Aber auch die Frauen selbst müssen ihre Chancen hier wahrnehmen. Dazu braucht es Mut, um aus diesen Rollenbildern auszubrechen.“

Die in der Beratung von geflüchteten Frauen tätige Deeqa Haibe Omar erklärte: „Wir erleben in unserer Beratung oft, dass es starke Erwartungshaltungen der Ehemänner, Väter und Brüder gegenüber den Frauen gibt, zum Beispiel, dass sie nicht arbeiten gehen, sondern zuhause bei den Kindern bleiben.Bildung ist für mich der wichtigste Schritt, damit Frauen selbstständig werden und ihren Weg in Österreich gehen können.“

Chancen aufzeigen und Austausch fördern

Die Unternehmerin Selma Prodanovic, die selbst aus Bosnien stammt und als ehrenamtliche Integrationsbotschafterin der Initiative ZUSAMMEN:ÖSTERREICH in Schulen über ihren Integrationsprozess spricht, betonte: „Im Zuge unserer Schulbesuche merke ich, dass viele junge Mädchen von zuhause wenig Bestärkung erfahren, sich in ihrer Ausbildung oder Berufswahl zu verwirklichen. Unser Motto bei ZUSAMMEN:ÖSTERREICH ist, dass nicht zählt, woher man kommt oder welches Geschlecht man hat, sondern dass es nur um das eigene Engagement und Leistung geht. Das will ich den jungen Mädchen mitgeben.“

Teresa Indjein, Leiterin der Kultursektion des Bundesministeriums für Europa, Integration und Äußeres, betonte den Beitrag von Kunst und Kultur zur Integration geflüchteter Frauen: „Interkultureller Dialog und der kulturelle Austausch sind wichtig. Denn nur durch den Kontakt mit unserer Kultur und das gegenseitige Kennenlernen kann Nähe entstehen. So können Frauen zu Vorbildern für andere werden und sie in ihrer Integration bestärken."

Frauenförderung als wichtige Aufgabe im Integrationsbereich

Franz Wolf, Geschäftsführer des Österreichischen Integrationsfonds ÖIF): „Die Bedeutung der Integration von geflüchteten Frauen wird zu oft noch unterschätzt. Viele von ihnen kommen aus gesellschaftlichen Strukturen zu uns, denen ein Frauenbild, wie es moderne, liberale Gesellschaften heute kennen, unbekannt ist. Wir wollen Frauen Raum geben, um über Chancen in Österreich zu diskutieren und diese zu nutzen," so Wolf. Mit Werte- und Orientierungskursen, die die Regeln des Zusammenlebens in Österreich wie Gleichberechtigung von Frau und Mann, Meinungs- und Religionsfreiheit thematisieren und wichtiges Alltagswissen liefern, sowie Integrationsworkshops, die sich dem Schwerpunktthema Frauen widmen, unterstützt der ÖIF geflüchtete Frauen bei ihrer Integration.

 

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