Instandsetzen statt wegwerfen: Drei gute Gründe für Reparaturen

Schon wieder etwas kaputt! Vom Computer bis hin zu Einrichtungsgegenständen geben in österreichischen Durchschnittshaushalten viele Alltagsgegenstände innerhalb weniger Jahre den Geist auf. Wenn man Pech hat, viele gleichzeitig. Und die soll man alle reparieren? Ja, meinen wir – denn für Reparaturen gibt es einige gute Gründe. Allen voran: der Klimawandel und seine Folgen.

Wieso die Konsumgesellschaft ungern repariert - und warum sie sollte

Früher war das Reparieren noch ganz selbstverständlich ein Teil unseres Alltags. Weggeworfen wurde in den meisten Familien kaum etwas. Bis vor wenigen Jahrzehnten hatten viele Haushalte eine kleine Werkstatt, in der Alltagsgegenstände mit einigen Grundwerkzeugen und den richtigen Mitteln zum Kleben und Installieren im Falle von Defekten wieder instandgesetzt wurden. In der Konsumgesellschaft hat sich das zu den nachindustriellen Zeiten des Überangebots rasant verändert.

Um Dinge so lange wie möglich zu nutzen und nur wenig wegzuwerfen, scheitert es bei vielen schon am Anspruch. Man hält Reparaturen wegen des Zeit- und Kostenaufwands oft für weniger lohnenswert als die teilweise kostengünstigere Neuanschaffung. Denn viele Ersatzteile sind teuer, die meisten Leben von Zeitmangel geprägt und Reparatur-Fähigkeiten wie Löten und Stopfen oft kaum vorhanden. So hat sich eine regelrechte Wegwerfmentalität entwickelt, die sich langsam merklich auf die Umwelt auswirkt. Allein im Jahr 2019 lag das Abfallaufkommen in Österreich laut Umweltbundesamt bei über 70 Millionen Tonnen. Das erhitzt nicht nur die Gemüter von Umweltschützern, sondern auch das Klima. Dass die Reparatur von defekten Geräten, Einrichtungsgegenständen und löchrigen Kleidern nicht lohnenswert ist, entspricht trotz Zeit- und Kostenaufwand nicht einmal der Wahrheit. Für Reparatur-Entscheidungen gibt es gute Gründe. Allen voran die folgenden drei.

1. Reparaturen machen uns zu Weltrettern

Zum Kampf gegen den Klimawandel leistet jede Reparatur einen wesentlichen Beitrag. Ausgelöst wird die Erderwärmung vor allem durch CO2–Emissionen. Jeder von uns trägt mit seiner persönlichen CO2-Bilanz dazu bei – und deren Höhe hängt im Wesentlichen von unseren Konsumverhalten ab. Je mehr wir reparieren, desto weniger müssen wir kaufen, wodurch sich die CO2-Bilanz im Hinblick auf unser Konsumverhalten automatisch verbessert. Bei der Herstellung sämtlicher Produkte fallen nicht nur Emissionen an: Auch Ressourcen werden verbraucht. Je länger es dauert, bis wir ein neues Produkt benötigen, desto mehr Rohstoffe und Energie sparen wir dementsprechend ein. Ein ähnliches Prinzip verfolgt übrigens auch Upcycling, bei den Altes einem neuen Verwendungszweck zugeführt wird.

2. Wir werden beim Reparieren Superhirne

Bei jeder Reparatur lernt man etwas dazu. Heutzutage besteht unser Leben aus einer endlosen Anzahl unterschiedlicher Geräte und Produkte. Obwohl wir sie nutzen, wissen die meisten von uns nicht, wie genau sie funktionieren. Das ändert sich durch Reparaturen, denn Aufbau und Funktionsweise muss man zum Instandsetzen recherchieren. So eignen wir uns Wissen an, das wir nicht nur auf ähnliche Situationen, sondern oft auch andere Geräte oder Lebenssituationen anwenden können. Wenn wir unsere Kinder zum Mitmachen ermuntern, hat das gleich nochmal einen Lerneffekt. Denn technische und physikalische Grundlagen werden ihnen am praktischen Beispiel besser verständlich.

Reparatur-Anfänger-Tipp

Wie für alles andere im Leben gilt auch für die Reparatur, dass noch kein Meister vom Himmel gefallen ist. Wer selbst noch nicht genügend kann, muss trotzdem nicht aufs Reparieren verzichten. In Repair-Cafés kann man sich für die ersten eigenen Reparaturen erfahrene Hilfe holen.

3. Reparierte Gegenstände machen stolz wie Oskar

Wer Gebrauchsgegenstände nicht selber repariert, braucht entweder Neuware oder Dienstleister. Diese Abhängigkeit kann frustrieren. Erfolgreiche Reparaturen in Eigenregie geben uns demgegenüber Unabhängigkeit und das Gefühl, etwas Sinnvolles geschafft zu haben. Oft ist man richtig stolz auf die getane Arbeit – zurecht! Auch abgesehen davon kann das Reparieren uns mit positiven Emotionen füllen. Denn: Wer repariert, wird zum Teil einer neuen Gruppe und lernt besonders in Einrichtungen wie den schon erwähnten Repair-Cafés neue Menschen mit ähnlichen Interessen kennen. Dieser Austausch kann große Freude bereiten.

Schon gewusst? Das sind die neuen Ökodesign-Richtlinie der EU

Hersteller werden durch diese Gesetze dazu verpflichtet, Ersatzteile für produzierte Gegenstände über Jahre verfügbar zu halten. Ist ein Austausch von Einzelteilen wegen fester Verbauung nicht möglich, müssen sie dies gemäß den Richtlinien angeben. Verbrauchern soll so künftig die Reparatur erleichtert werden. Vor allem im Rahmen der europäischen Klimaschutzziele ist das sinnvoll, weil Wegwerfgesellschaften dem Pariser Klimaabkommen nicht gerecht werden. In der Vergangenheit wurden in diesem Zusammenhang auch Verbote der Sollbruchstellen diskutiert. Die Integration solcher vorprogrammierten Defekte ist insbesondere von Elektrogeräteherstellern bekannt, die sie für Kühlschränke, Waschmaschinen und Co verwenden.

 

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