Instagrammerin zeigt Alltag in psychosomatischer Klinik

Auf ihrem Insta-Account "fredminuserika" zeigt Sirka die authentische Realität einer psychischen Erkrankung.

"In der Klinik nennt man ein Wochenende zu Hause auch ,Belastungstraining', kurz BT. Dann kann man mal austesten, wie gut das zu Hause klappt, so ohne Klinik."

Diesen Satz hat Sirka kürzlich auf ihrem Instagram-Account gepostet. Es ist nur einer von vielen aus einem Alltag, den man sonst nicht so oft sieht: dem Klinikalltag. Die 23-Jährige befindet sich nämlich in einer psychosomatischen Klinik, um ihre Depression zu behandeln.

Hallo, ich bin Sirka, und weil die Neuankömmlinge sich hier gerade überschlagen dachte ich, ich stelle mich kurz vor aka some random facts about me and other stuff. 1. Hallo, ich bin Sirka. • 2. Wenn ich mich irgendwo vorstelle, zum Beispiel in der Gruppentherapie, sage ich: "Hallo, ich bin Sirka, wie Cirka, nur mit S." • 3. In meiner Wohnung gibt es mehr Zahnbürsten als Wohnende. • 4. Ich könnte Zahnpastatesterin sein, bin ich aber nicht und wenn ich es mir aussuchen könnte, wäre ich eh lieber gleich Pastatesterin. • 5. Am Wochenende habe ich mir schnell die neue Staffel "Marcella" auf Netflix heruntergeladen, weil es in der Klinik nämlich nur einen einzigen Gemeinschaftsfernseher gibt, der meistens von freundlichen Rentner*innen beansprucht wird, die den Bergdoktor favorisieren, aber ich favorisiere den Bergdoktor leider nicht. • 6. In der Klinik nennt man ein Wochenende zu Hause auch "Belastungstraining", kurz BT. Dann kann man mal austesten, wie gut das zu Hause klappt, so ohne Klinik. • 7. Die Matratze in meinem Klinikzimmer ist härter als die Matratze, auf der ich zu Hause schlafe und manchmal fühlt es sich an wie eine flache Hand, die mich von unten hält. • 8. Ein Bilderbuch, das ich mir schon lange wünsche, ist: "Hundert Jahre: Was du im Leben lernen wirst" von Heike Faller und Valerio Vidali. • 9. #nowplaying: 🎶 Kommissar - FIBEL 🎶 (Den Link zur Spotify-Playlist mit allen Liedern, die ich hier gerade so höre und auch immer wieder nenne, findet ihr zur Zeit in der Bio!) • 10. Schön, dass Ihr da seid! #helloitsme #tenfactsaboutme #mirrorselfie #hiding #self #blackandwhite #weekendathome #hospitaldiary #diewocheaufinstagram #igersgermany #vsco #vscocam

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Sirka studiert Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus in Hildesheim, wie sie auf ihrem Blog schreibt. Für ihre lyrische Arbeit wurde sie bereits mehrfach ausgezeichnet.

Online versucht sie das Thema psychische Erkrankungen zu enttabuisieren, und wandelt dabei immer zwischen Patientin und Lyrikerin, wie sie dem Magazin ze.tterzählte. Mittlerweile folgen ihr dabei über 8000 Menschen.

Psychische Krankheiten haben auch heute noch einen schweren Stand in unserer Gesellschaft. Zwar steigt die Akzeptanz für diverse Therapieformen langsam an, trotzdem werden Erkrankungen immer noch tabuisiert und sind mit jeder Menge Klischees behaftet. Das sagt auch Bettina Zehetner, psychosoziale Beraterin bei der Beratungsstelle "Frauen beraten Frauen", im WIENERIN-Gespräch und warnt vor den sonst verbreiteten Bildern auf Social-Media-Plattformen: "Enormer Leistungsdruck und unerreichbare Schönheitsideale werden mit der Flut an (gemorphten) Bildern von genormten weiblichen Körpern in den sozialen Medien gepaart. Das beeinflusst viele junge Frauen." Erkrankungen wie Anorexie, Bulimie, und Depressionen würden dadurch begünstigt.

Österreichweite Telefonseelsorge (rund um die Uhr, kostenlos): 142

"Rat auf Draht" (rund um die Uhr, kostenlos, für Kinder & Jugendliche): 147

Frauenhelpline gegen Männergewalt (rund um die Uhr, kostenlos): 0800/222 555

Opfernotruf (rund um die Uhr, kostenlos): 0800/112 112

Sorgentelefon für Kinder, Jugendliche und Erwachsene (Mo-Sa 14.00-18.00 Uhr, kostenlos): 0800/201 440

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