Inside WikiLeaks

Wild Boys on Boards. Wer ist digitale Polit-Aktivist Julian Assange (Benedikt Cumberbatch) wirklich? Ein Rebel? Ein genialer Visionär im Dienst höherer Gerechtigkeit oder ein Rattenfänger, der seine Mitstreiter seinem Ego zum Fraß vorwirft? Basierend auf dem Buch von WikiLeaks-Aussteiger Daniel Domscheit-Berg.

Jeder Tag ist Zahltag für das WikiLeaks-Mastermind Julian Assange (Sherlock-Darsteller Benedikt Cumberbatch). Seine Enthüllungsplattform, für dessen Entstehung er sich 2006 gemeinsam mit fünf anonymen Mitstreitern die Finger wund programmiert hat, soll eine weltweite Informationsrevolution in Gang bringen, die die Mächtigen der Welt bei Fehlverhalten an den Pranger stellt.


Daten-Piraten, die alles verraten

Im Schutz des digitalen Daten-Untergrunds und eines ausgeklügelten Verschlüsselungsmechanismus sammeln freiwillige Informanten brisante Geheimnisse von öffentlichem Interesse aus der Welt der Banken, der Politik, des Militärs oder der Industrie und enthüllen diese anonym auf einer der von WikiLeaks betriebenen Domains wie z.B. WikiLeaks.org Menschenrechtsverletzungen werden von WikiLeaks ebenso aufgedeckt wie Korruption, Wahlbetrug oder Privilegien-Missbrauch.

Inside WikiLeaks

Initiator Assange selbst scheint durch eine digitale Nabelschnur 24 Stunden am Tag mit seinem Weltverbesserungs-Tool verbunden und befindet sich ständig auf der Flucht vor realen und digitalen Verfolgern.

In Berlin trifft der charismatische Einzelgänger 2008 auf den genialen Programmierer Daniel Domscheit-Berg (überzeugend: Daniel Brühl), einen Bruder im Geiste. Ihre Enthüllungs-Zusammenarbeit ist so sehr von Erfolg gekrönt, dass vor allem Assange bald ins Visier internationaler Geheimdienste gerät.

Inside WikiLeaks

2010 veröffentlichen der britische Guardian, die New York Times und das deutsche Magazin Der Spiegel in einer strategischen Medien-Allianz brisante Daten aus dem Afghanistan-Krieg, auf, die WikiLeaks vermutlich vom US-Soldaten Bradley Manning (heute Chelsea Manning) zugespielt wurden. Während die Redakteure aus journalistischer Sorgfalt darauf bestehen, die Daten zu überprüfen und Klarnamen zu streichen um Menschenleben nicht in Gefahr zu bringen, hat Julian Assange mit dem Datenmaterial andere Pläne: Er will es ungefiltert veröffentlichen, wenn es sein muss auch im Alleingang ...

Julian Assange selbst bezeichnete den Film "massive Propagada-Attacke auf WikiLeaks“ und lehnte im Vorfeld ein Treffen mit Schauspieler Benedict Cumberbatch ab. Darüber hinaus wollte er den Sherlock-Darsteller via Mail davon überzeugen, die Rolle abzulehnen. Kein Wunder, denn das Drehbuch basiert teileweise auf dem Buch Inside WikiLeaks: Meine Zeit bei der gefährlichsten Website der Welt von Daniel Domscheit-Berg basierende und lässt an Assange, seiner Manipulationsgabe und seiner Eitelkeit tatsächlich kein gutes (weißes) Haar.

In den USA an der Kinokasse ein Flop, von den europäischen Filmjournalisten als "zu zahm, zu vorhersehbar und von den aktuellen Entwicklungen der Daten-Spionage überholt" zerrissen, trumpft der Film allen Unkenrufen zum Trotz mit vielen Spannungsmomenten auf: Die Nervosität der Jäger und der Gejagten ist spürbar, das Rauchen der Köpfe im Weißen Haus und den Redaktionsräumen auch. Dass Inside WikiLeaks trotz einer Länge von 128 Minuten nicht langweilt liegt am subtilen Spiel der Hauptdarstellern Benedict Cumberbatch und Daniel Brühl, wobei auch die Nebenrollen mit Moritz Bleibtreu, Stanley Tucci, Laura Linney, David Thewlis, Laura Linney, Axel Milberg, Edgar Selge u.v.a. hervorragend besetzt sind.
Im August 2010 wurde Julian Assange vorgeworfen, zwei schwedische Frauen vergewaltigt zu haben. Assange bezeichnete die Vorwürfe als Teil eines Komplotts gegen seine Person.
Nachdem er einen Rechtsstreit gegen den Obersten Gerichtshof in London verloren hatte und sein Gastland Großbritannien nach internationalem Recht dazu verpflichtet ist, Assange nach Schweden auszuliefern, beantragte Assange Ende Juni 2012 politisches Asyl in der Londoner Botschaft Ecuadors, wo er bis heute lebt.
Assanges Auslieferung nach Schweden könnte zu Folge haben, dass er in Folge in die USA ausgeliefert wird, wo ihm wegen schweren Rechtsverstößen vermutlich sogar die Todesstrafe droht.
 

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