Influencerin posiert mit dicker Freundin – und wird daraufhin von einem Event ausgeladen

Die Pariser Influencerin Louise Abery soll laut eigenen Angaben von einer Pressereise ausgeladen worden sein, nachdem sie ein Foto von sich und einer dicken Freundin in Dessous gepostet hat.

Auf den ersten Blick wirkt das Auftreten von Louise Abery, im Netz besser bekannt als @mybetter_self, wie ein klassisches Influencerinnen-Profil: Outfitpostings und #travelgrams reihen sich neben Empfehlungen rund um kulinarische Neuentdeckungen. Zudem kommt allerdings, dass die Pariserin auch großen Wert darauf zu legen scheint, feministische Denkweisen zu verbreiten. Ganz besonders will Louise bizarre Schönheitsideale aufbrechen, indem sie Selbstliebe feiert und allen Körperformen Raum geben will – wie zuletzt mit einem Foto mit ihrer Freundin Pauline alias @pausitiveworld:

"Der Körper einer Frau ist nicht hier, damit IHR sie bewertet. Der Körper einer Frau ist nicht hier, um EURE Anforderungen zu befriedigen. Die einzige Person, die der Körper einer Frau zufrieden stellen muss, ist sie selbst", schreibt Louise unter dem Posting. Eigentlich keine große Sache in Zeiten, in denen der Begriff „Selbstliebe“ inflationär verwendet wird und uns mit dem Schlagwort Body Positivity alles von Lippenstiften bis Unterwäsche versucht wird zu verkaufen.

Absage Reise

Wegen kontroversem Posting ausgeladen

Dass auch 2019 noch ein derartiges Posting sauer aufstoßen könnte, habe die Influencerin nicht gedacht. Kurz nachdem sie das Foto hochgeladen hatte, erreichte sie jedoch eine E-Mail von einem Reiseveranstalter, von dem sie zuvor eigentlich zu einer Influencer-Wellnessreise an die Atlantikküste eingeladen worden war: „Ich muss ihnen leider mitteilen, dass unser Kunde aufgrund Ihres letzten Instagrampostings nicht mehr möchte, dass sie an dieser Reise teilnehmen“, steht in der E-Mail (nachzusehen in Louises Instagram-Story-Highlight „#OnVeutDuVrai“) geschrieben.

Normschöne Frauen im Bikini wären kein Problem gewesen

Neben dem Screenshot der Mail teilt die 21-jährige auch ihre Gedanken zu dem Vorfall in ihrem Story-Highlight. Erst wusste sie gar nicht, von welchem Posting in der Absage die Rede sein könnte. Später dachte sie, sie hätte vielleicht besser nicht in Unterwäsche posieren sollen. Aber auch ihre knappe Bekleidung könne laut Louises Recherche nicht der Grund für das Ausladen sein – schließlich teilte sie auf Instagram auch einen Screenshot von Postings einer befreundeten Influencerin, die ähnliche Inhalte teilte und trotz leichter Bekleidung und ähnlichen Posen weiterhin zu dem Event eingeladen ist. Der einzige Unterschied: Ebenjene nach wie vor geladene Influencerin entspricht eher den Kritierin von Normschönheit als Louises Freundin Pauline.

„Wir wollen Echtheit“

Louises Schlussfolgerung demnach: Es liegt an ihrer dicken Freundin auf dem Bild - und das wollte sie nicht auf sich sitzen lassen, weshalb die Influencerin wenig später die Instagram-Aktion #onveutduvrai (zu Deutsch: Wir wollen Echtheit) ins Leben rief. Sie ruft dazu auf, unter dem Hashtag mehr Diversität auf die Fotobloggingplattform zu bringen.

"Wir wollen Frauen, die Größe 34, 38, 44 oder 52 tragen sehen. Wir wollen Diversität, Realität, Nicht-Retouchiertes sehen. Wir wollen engagierte Frauen sehen, die keine Angst haben, den Mund aufzumachen. Wir wollen nicht, dass Unterschiede stören. Wir wollen nicht mehr, dass Unterschiede als störend empfunden werden", schreibt sie in ihrer Story, die unter den Highlights abgespeichert ist. Daraufhin erzählen andere InfluencerInnen öffentlich von ähnlichen Vorfällen: Eine erzählt, sie hätte eine Kooperation mit einem Modelabel verloren, weil sie zu viele „kurvige“ Frauen gepostet hätte. Bei einer anderen platzte ein Deal, weil sie sich öffentlich gegen Homophobie ausgesprochen hatte.

Wellnessreise wurde boykottiert

„Diese Branche funktioniert nicht ohne uns, also werden wir ihnen sagen, was wir wollen“, schreibt die Pariserin unter einem anderen Post. Schließlich habe sie es satt, ständig nur perfekte Bilder in ihrem Feed zu sehen. „Wir werden ihnen sagen, dass wir keine Frauen sehen wollen, die uns verunsichern, sondern Frauen, die uns das Gefühl geben, gut zu sein“, fordert sie. Und der erste Schritt ist dabei auch schon getan: Louise kontaktierte alle eingeladenen InfluencerInnen der Wellnessreise und konnte alle davon überzeugen, das Event zu boykottieren. Die Reise wurde daraufhin vom Veranstalter abgesagt.

 

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