Ina Regen: Nicht mehr länger Beifahrerin

Hits sind nicht planbar, aber sie passieren. Wie Ina Regens „Wia a Kind“.

Die Single wurde auf YouTube seit November 1,2 Millionen Mal geklickt. Wenige Monate später ist die Oberösterreicherin Ina Regen, die bislang als Backgroundsängerin tätig war, für den wichtigsten, österreichischen Musikpreis, den „Amadeus“ nominiert. Die WIENERIN traf die sympathische Künstlerin, die gerade an der Veröffentlichung ihrer nächsten Single ‚Paris’ (erscheint im Mai) arbeitet, zum entspannten Gespräch über Selbstbestimmung und Lebensträume.

WIENERIN: In der Kategorie „Bester Song“ mit Wanda und Bilderbuch für den Amadeus nominiert zu sein – wie ist das für dich?

Ina Regen: Oh ja, die Königsdisziplin und dann noch mit diesen Kapazundern. Würde es noch eine Newcomer-Kategorie geben, stünden meine Chancen wohl günstiger. Egal. Ich freue mich wahnsinnig, überhaupt nominiert zu sein. So naiv, zu glauben dass ich gewinnen kann, will ich aber trotzdem sein. Ich habe „Wia a Kind“ am 11. November auf YouTube hochgeladen. Was seitdem passiert, ist verrückt.

Das Lied ist bester Beweis dafür, dass man auch Pop/Rock „österreichisch“ singen darf.

Auf jeden Fall. Ich mache Pop-Musik und ich mache sie in der Sprache, die mir am nächsten ist. Das ist nun mal mein Dialekt. Ich finde, der darf in allen Sparten vorkommen. Die Zeit, wo Mundart nur im Schlager daheim war, ist vorbei. Jeder soll seine Sprache so verwenden, wie sie zu seiner Musik passt. Die Zeit ist reif für eine neue Ära des Austro-Pop, die Songs werden gemocht und auch überall gespielt.

Du kennst die Szene ja gut, warst früher unter anderem für Conchita im Einsatz. Wolltest du nicht schon früher in die erste Reihe?

Wirklich, ich habe jeden meiner Jobs gerne und mit vollster Hingabe gemacht. Rund um meinen 30. Geburtstag war ich zwar wirtschaftlich gut unterwegs, habe mich aber künstlerisch verloren. Ich habe gewusst, ich muss jetzt meine Musik machen. Das geht nicht von heute auf morgen, das war ein längerer Weg, gesäumt von Selbstzweifel, harter Arbeit –– „blood, sweat and tears“ wenn man so will. Ich stamme aus einer bodenständigen Familie und dass ich einen künstlerischen Beruf ergreife, war für das Sicherheitsdenken in meinem Umfeld vielleicht nicht gerade der Traum. Man kennt das ja: Es gibt so viele, die Talent haben und denen am Ende das Quäntchen Glück fehlt.

Wie schaut es mit Entbehrungen aus?

Meine Stimme ist eine Prinzessin, das war sie leider immer schon. Ich habe mit 15 Jahren zum Singen angefangen und bald gewusst, dass ich hauptberuflich Sängerin werden möchte. Anfangs habe ich viel zu schwierige Partien gesungen und technische Fehler gemacht, sodass ich ernsthafte Stimmprobleme hatte. Ich musste also ziemlich früh schon radikale Entscheidungen treffen. Rauch zum Beispiel geht für mich gar nicht. Partynächte mit Freundinnen in verrauchten Buden waren auch als 17-Jährige für mich nicht drin. Und auch heute muss ich mit meiner Stimme, meinem Instrument, meinem Körper behutsam umgehen. Dass ich Sängerin sein darf, dass ich meinen Traum leben darf, dafür ordne ich mein Leben unter.

Wie entstehen deine Lieder? Was ist zuerst da: Melodie oder Text?

Es ist ganz unterschiedlich. „Wia a Kind“ ist mir während eines Spaziergangs gekommen, da waren auf einmal Textbausteine und eine Melodie im Kopf, die ich dann schnell aufschreiben musste. Ich würde gerne sagen, ich hätte den Song in zehn Minuten geschrieben. Das Gerüst dazu, ja. Aber nach dem Musenkuss, kommt der große handwerkliche Teil, wo dann wochenlang gefeilt wird. Aber zurück zur Inspiration: Die kommt beim Lesen von Gedichten zum Beispiel: Rilke, Goethe, Schiller, aber auch Texte von Julia Engelmann, Judith Holofernes oder Herbert Grönemeyer inspirieren mich.

Du arbeitest derzeit an deinem Debütalbum. Was sind die Themen?

Der Rote Faden, den ich spinne, sind die Gedanken einer erwachsenen Frau, die sie sich für sich und in Bezug auf ihre Umwelt macht. So, wie ich die Dinge halt sehe. Natürlich spiegelt sich da viel von mir als Person und meinem Wertesystem wider. In meiner nächsten Single „Paris“ zum Beispiel: Da geht es um eine Trennung nach einer sehr langen Beziehung. Das hat sicherlich auch schon jeder einmal erlebt, dass Beziehungen, von denen man sich so sehr wünscht, dass sie halten, dann brechen. Ja und einen Song, den habe ich für meine beste Freundin geschrieben. Wir kennen uns seitdem wir zehn Jahre alt sind. So jemanden hat hoffentlich auch jeder. Jemand, den man anrufen kann um 3 Uhr in der Früh und alles ist gut. Insgesamt kann man sagen, es geht in dem Album um die aktive Suche nach dem Glück. Und darum, dass man selbst die Entscheidung hat, was das eigene Leben angeht. Man kann selbst entscheiden, dass man nicht länger Beifahrerin sein möchte! Diese schöpferische Kraft äußerst sich bei mir manchmal melancholisch, manchmal euphorisch.

Welche Talente schlummern sonst noch in dir?

Was ich gern mache ist kochen. Ob ich da ausnehmend talentiert bin, wage ich zu bezweifeln. Aber man kann es jedenfalls auch essen. Mir ist der wertschätzende Umgang mit unseren Lebensmitteln wichtig und ich liebe Gemüseschneiden, das ist so meditativ, da kommen mir die besten Ideen für Texte. Am liebsten verbringe ich Zeit mit Menschen, ich führe gerne Gespräche, ich mag es, wenn mich Leute in ihre Leben blicken lassen. Mir taugt es auch, fremde Menschen kennenzulernen. Seit einiger Zeit nehme ich Philosophie-Unterricht, da bekomme ich dann Hausaufgaben, was ich lesen und wozu ich mir Gedanken notieren soll. Sehr lässig, wirklich.

Wie wichtig ist es für dich als öffentliche Person auch Stellung zu gesellschaftlichen Problemen zu beziehen?

Ich finde Haltung für jeden im Leben wichtig und jeder hat, egal ob er in der Öffentlichkeit steht oder nicht, Verantwortung. Dass ich plötzlich zu einer Person des öffentlichen Lebens geworden bin, daran muss ich mich erst gewöhnen. Mir ist klar, dass das, was ich sage, auch Vorbildwirkung haben kann. Deshalb werde ich mir auch nicht anmaßen, zu Themen wie Politik, von denen ich für mein Gefühl zu wenig fundierte Ahnung habe, Empfehlungen abzugeben. Dort, wo ich es für richtig halte, da, wo „meine Themen“ wie wertschätzender Umgang mit Menschen und Umwelt aufpoppen und wo ich aus vollster Überzeugung eine klare Haltung beziehen kann, da werde ich das machen.

Auf sozialen Medien sind Menschen oft alles andere als sozial – wie gehst du mit Hasspostings um? Oder gibt’s die nicht?

Glücklicherweise sind die Kommentare bisher weitgehend positiv. Ich habe viele berührende Nachrichten bekommen, viele Leute erzählen mir ihre Geschichte. Aber es gibt auch die, die sich wahnsinnig genervt und persönliche gestört fühlen, wenn sie mein Lied im Radio hören müssen. Ich werde in Zukunft Mittel und Wege finden, damit umzugehen, es ist schon hart und tut schon auch weh. In der Anonymität vergessen viele, dass hinter dem anderen Bildschirm ja auch ein Mensch sitzt. Aber ich bin nicht angetreten, um Everybody’s Darling zu sein. Also ich werde auch in Zukunft machen, was mir gefällt.

Was ist eigentlich mit den Frauen im heimischen Musik-Business? Warum seid ihr so unterrepräsentiert?

Das frage ich mich auch schon lange und ich habe noch keine Antwort gefunden. Es gibt uns ja! Liegt es daran, dass die Entscheidungsträger mehrheitlich männlich sind? Ich weiß es nicht. Möglicherweise ist es so, dass viele Frauen die Visionen von anderen unterstützen und mehr geben anstatt sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen. Ich will eine starke Frau sein und ich weiß, dass meine Schwächen, die Verletzlichkeit und Sensibilität, meine Stärken sind. Über Conchita als „Künstlerin des Jahres“ wurde vor einigen Jahren viel diskutiert. Ich liebe sie, sie ist eine meiner besten Freundinnen und sie hat aus künstlerischer Sicht solche Preise verdient wie kaum jemand anderer. Aber für viele Künstlerinnen war es damals ein Schlag in die Magengrube, auch in dieser Kategorie gegen einen Mann zu verlieren.

Du bist ja auch ausgebildete Gesangspädagogin. Was möchtest du Künstlerinnen und Künstlern, die ganz am Anfang stehen, mitgeben?

Jeder muss seinen individuellen Weg gehen. Die Suche nach dem „Wer bin ich in der Musik“ ist sehr intensiv, aber wohl der Schlüssel zum Erfolg. Es braucht viel Kraft und viel Mut – auch mal zu scheitern.

Was ist in der Zukunft geplant? Ist Familie ein Thema?

Mein Lebenstraum als Ina Regen hat gerade erst angefangen und ich würde gerne so weiterleben und bis an mein Lebensende meine Musik machen mit 25 Alben oder so? Wo sich das Ganze genau hin entwickelt, kann ich jetzt natürlich nicht sagen. Ja, ich bin 33 und wenn man der Wissenschaft glauben schenken will, tickt bald die biologische Uhr. Im Moment ordne ich mein Privatleben dem Privileg, Künstlerin sein zu dürfen, unter. Ich habe solange dafür gearbeitet, das tun zu dürfen, das passt jetzt erstmal perfekt!



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