Im Dschungelcamp, Tag 16

DIE DSCHUNGEL-KOLUMNE (Tag 16): Australien hat gewählt. Joey Heindle ist der Dschungelkönig 2013 und der Beweis dafür, dass man in der RTL’schen Rehabilitation von rudimentären Promi-Resten kein Hirn haben, sondern einfach nur essen muss. Der Sympathieträger der Nation stottert sich putzig durch das Wahlprozedere und startet seine Legislaturperiode mit einem beherzten: "Kack die Wand an, Alter!"

Selten hat man sich so über ein Wahlergebnis gefreut wie aktuell im australischen Busch. Joey Heindle, seines Zeichens der Junge, der einen Eintopf nicht von einem Einlauf unterscheiden kann und der bis zuletzt dachte, das Dschungelcamp würde in Köln-Ossendorf gedreht, wurde zum sympathischen Selbstläufer, der die anderen Selbstdarsteller im australischen TV-Sammelsurium gekonnt zu Statisten gemacht hat.

Joey Heindle ist der Dschungelkönig 2013

Somit regiert 2013 ein Dschungelkönig, der zwar mit intellektuellen Mängeln, aber einem großen Herz und vor allem Authentizität punktet. Denn während die anderen Kandidaten mit Kalkül an ihrer Selbstdarstellung feilten, ist Joey Heindle viel zu einfach gestrickt, um sich zu verstellen oder gar ein Drehbuch auswendig zu lernen. Genau das ist die Eigenschaft, die den Intelligenzverweigerer zum Liebling der Nation macht. Ehrlichkeit schlägt Make-up, treudoofe Fragen schlagen eine spitze Zunge, sorry, Olivia - lästern war gestern! Und so wird der 19-Jährige Dschungelkönig, gefolgt von Olivia Jones auf Platz 2 und Claudelle Deckert auf Platz 3.

Dschungelkönig Joey Heindle

Doch fangen wir von vorne an: Joey selbst kann nicht erfassen, wie weit er gekommen ist und zweifelt bis zuletzt, dass er als Sieger diese Show verlassen könnte. Als Claudelle abgewählt wird und nur noch die große Transe und der kleine Junge im Camp sind, scheint die Wahrheit langsam ins Heindle'sche Kleinhirn zu sickern, Zwei minus eins ergibt: Dschungelkönig. So trällert er euphorisch: "Fiinnaaale, Woohoo, SANDAAALE, WOHOOHOO!". Doch als wenig später Sonja den Wahlvorgang erneut erklärt und fragt: "Joey, du kannst uns noch folgen?", antwortet der mit: "Wohin?" Ach, Joey, wir haben dich lieb gewonnen. Kinder an die Macht! Welch historischer Moment, als Joey dann seinen Sieg feiert und ins menschenleere Camp brüllt: "Kack die Wand an, Alter!" Bevor er jedoch über den mit einem roten Teppich ausgelegten Steg gen Dschungelthron laufen darf, umarmt er noch einen fassungslosen Ranger, dem in gefühlt siebenhundert Staffeln Dschungelshow kein so innig agierender Campbewohner unterkam. Herz ist bei Joey eben Trumpf. Als dann noch plötzlich seine Freundin Jacky wie sonst Dr. Bob hinter einem Palmwedel hervorhüpft, schießt die Quote nach oben und uns die Milch ein: Man möchte den Jungen einfach nur in den Arm nehmen, ihm eine Schnabeltasse Kakao hinstellen und Zeichentrickfilme gucken, bis er sanft entschlummert.

Claudelle Deckert bei der letzten Dschungelprüfung

Joey Heindle: „Ich darf keine Milch, ich habe ja Molkekühle!"
Was sonst? Wie üblich gibt es am letzten Tag drei finale Dschungelprüfungen, die natürlich langatmig und vorhersehbar sind. Claudelle muss „Nervenstärke" beweisen und in einen großen Wassertank steigen. Dieser besteht aus zwei nebeneinander liegenden, hohen Kammern, die innen jeweils vier Ventilräder haben. Sobald die Prüfung beginnt, strömt Wasser und Getier in die Tanks und Claudelle muss die Sterne ertauchen. Was unspannend klingt, flimmert auch so über den Bildschirm: Tschüss Claudelle, hallo Joey! Denn in der Dschungelprüfung „Überwindung" tritt Joey in der Königsdisziplin an: Er muss sich entscheiden, ob er ein leckeres Menü vertilgt oder sich doch die eklige Dschungel-Variante einverleibt. Der Zuschauer reibt sich mal wieder die Hände: Wird der australische Underdog fiona-esk kotzen? Hach, wat macht Bildungsfernsehen doch Spaß!

Joey Heindle bei der letzten Dschungelprüfung

Joey Heindle: „Weg mit dem Arschloch!"
Als ersten Gang gibt es eine Kuheuter-Zitze. Das Glas Milch lehnt er ab: „Ich habe ja Molkekühle." Sonja: „Was? Du meinst wohl Laktoseintoleranz!" Ach, Joey. Gang 2, eine Schweinshaxe mit Kartoffelpüree und Sauerkraut, gehen zurück, dafür gibt's einen Spieß mit Kamel-Fuß. Joey futtert schmerzbefreit und beschreibt den Geschmack als „unbändig". Der dritte Gang jedoch, ein fermentiertes Entenei statt einem Frühstücksei mit Toast, sind zu viel für ihn: Er kaut zwar tapfer, muss aber am Ende doch spucken. Aber egal, diese Delikatesse hat bisher kein Dschungelkandidat geschafft. Bei Gang 4 werden Joey ein Straußensteak an Pommes und Salat oder ein Straußen-Anus serviert. Beherzt knabbert er darauf los und brüllt: „Weg mit dem Arschloch!" Der letzte Gang stellt Joey die Frage: Eierlikör oder Sperma vom Buschschwein? Und während Sonja und Daniel noch über die Herkunft des Spermas sinnieren, greift Joey zum Glas und trinkt auf ex. Ja ja, der Klügere kippt nach. „Ganz ehrlich, liebe Zuschauer. Auf keinen Fall daheim nachmachen, schmeckt wirklich für den Arsch!" Der Junge freut sich über vier Sterne und rennt freudestrahlend zurück ins Camp, wo er lang und breit erklärt, dass er gerade „Ochsenwichse" getrunken habe.

Olivia Jones bei der letzten Dschungelprüfung

Olivia Jones: "Es ist ja manchmal ganz nett, in was Feuchtes zu greifen!"
Die letzte Prüfung dieser Staffel absolviert Olivia. In „Grenzerfahrung" muss die Camp-Mutti auf einer Lore liegend in einen Dschungel-Stollen, sich an einem Seil durch den Tunnel ziehen und fünf Sterne finden. Wie gewohnt tummeln sich dort auch diverse andere Tunnelbewohner, die Olivia aber einfach ignoriert, damit genug Platz bleibt, um schlüpfrig daherzureden: "Es ist ja manchmal ganz nett, in was Feuchtes zu greifen." Und wieder: tschüss Olivia, hallo Abendessen! Denn nach absolvierten Prüfungen und 16 Tagen Dschungel-Diät dürfen die drei Finalisten endlich wieder etwas essen, das keine Blähungen, Verstopfung oder einen Darmverschluss veruracht. Es gibt Lachs mit Salat, Hamburger mit Pommes, Mousse au Chocolat, eine Flasche Rotwein und die Erkenntnis: „Wir sind fast wieder in der Zivilisation - der erste Schritt in Richtung Freiheit!" Nach dem Essen stöhnen alle orgiastisch, Joey rülpst beherzt und wird von der Camp-Mutti zurechtgewiesen: "Hier sind zwei Damen anwesend, und du benimmst dich wie ein Elch." Trotzig kontert der: „Sieht doch keiner!" Ach, Joey, wir werden deine Logik vermissen.

Das letzte Abendmahl der Finalisten

Apropos. Auch wir sind endlich wieder in Freiheit, die Dschungelcamp-Berichterstattung ist erledigt. Wir gehen jetzt in Therapie und sehen uns dann 2014 wieder, wenn es erneut durch den Dschungel hallt: „Ich bin kein Star - Holt mich hier raus!" Oder wie Joey es sagen würde: "Pipalapo, we are ready to in the jungle!" TA!

Alle Infos zu „Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" im Special bei RTL.de.

 

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