Ich will mich wehren

Um Erpressungen wie „Wenn du mich wirklich liebst, dann …“ oder „Wenn Sie Ihren Job behalten wollen …“ macht man am besten einen eleganten Bogen. Die WIENERIN verrät Ihnen zwei Wege.

Zwei Wege, die jeden Erpressungs-Versuch null und nichtig machen:

1. Der Weg des Intellekts

Kommunikations-Guru Prof. Paul Watzlawick kennt fünf Ausweichmanöver:


Eine Drohung, die Sie nicht für glaubhaft halten, ist keine. Spielen Sie Ihrem Gegenüber vor, dass Sie ihn nicht ernst nehmen. Ein Lachen und ein „Hör schon auf mit dem Quatsch" werden den Erpresser ins Leere laufen lassen.


Machen Sie es wie die Pan Am in den 1960er-Jahren. Stahltüren zwischen Cockpit und Passagierraum vereitelten jede Kommunikation zwischen Flugzeugentführer und Pilot. Drohen zwecklos. Ihre Stahltüre: Geben Sie sich zerstreut, taub oder unaufmerksam, sehen Sie weg. Der Erpresser wird es bald leid sein, seine Drohung zu wiederholen.


Geistesgegenwärtigen Bankern ist es schon gelungen, einen Überfall zu vereiteln, indem sie die Situation umdeuteten und den Räuber in eine Lage brachten, auf die er nicht vorbereitet war. „Ich habe jetzt Mittagspause, gehen Sie zum nächsten Schalter" oder „Tut mir Leid, ich bin noch in der Ausbildung" sind dokumentierte Erfolgssätze. Heißt für Sie: Schaffen Sie eine neue Wirklichkeit, mit der der Erpresser bei seiner Planung nicht gerechnet hat.


Nutzen Sie die Macht der Machtlosigkeit. Führen Sie eine Situation herbei, die Ihnen die Erfüllung der Forderungen unmöglich macht. Sie müssen ja nicht gleich einen Herzanfall vortäuschen, oder eine Ohnmacht. Es reicht bereits, glaubhaft zu versichern, nicht in der Lage zu sein, der Erpressung nachzukommen. Keine Zeit, kein Geld, keine Kompetenz ...

Regierungen verkünden immer wieder, im Ausland als Geiseln entführte Staatsbürger nicht frei zu kaufen. Das mag hart klingen, ist aber wirkungsvoll. Eine öffentlich angekündigte und konsequent beibehaltene Weigerung, Drohungen nachzukommen, kann dazu beitragen, in Zukunft Erpressungsversuche gleich im Keim zu ersticken. Wo es nichts zu holen gibt, schickt sich auch niemand an, etwas zu holen.

Den Weg der Emotion finden Sie auf Seite 2 >>

2. Der Weg der Emotion


„Emotionale Erpresserarbeiten gerne mit unseren Schuldgefühlen", sagt die Psychologin Charlotte Hetzer. Das heißt: Wer sich nicht schuldig fühlt, ist auch nicht erpressbar.

Hetzer verrät sechs Strategien:

Machen Sie sich deutlich: Wenn ein anderer Ihnen Egoismus vorwirft, dann ist er selbst egoistisch. Er will seine Bedürfnisse durchsetzen.

Für seine Gefühle ist der andere selbst verantwortlich. Wenn Sie nicht nach seinen Vorstellungen funktionieren, sind Sie kein schlechter Mensch. Er muss genauso seine Erwartung revidieren.

Akzeptieren Sie, dass der andere sich schlecht fühlt, aber suchen Sie die Schuld nicht bei sich. Sagen Sie: „Es ist schade, dass du das so siehst. Ich tue das aber nicht, um dir weh zu tun."

Häufig sagt der emotionale Erpresser: „Man tut nicht oder man tut". So holt er sich Rückendeckung von der Allgemeinheit. Sagen Sie ihm, dass er keine allgemeingültigen Regeln vertritt, sondern nur seine eigenen, die Sie nicht befolgen wollen.

Formulieren Sie eigene Regeln für Partnerschaft, Freundschaft oder Job. Erst wenn Sie diesen Regeln zuwider handeln, müssen Sie sich schuldig fühlen.

Der Erpresser ist das eigentliche Opfer. Er will mehr Zuwendung, fühlt sich verletzt und will das zeigen. Es geht keinesfalls darum, diese Gefühle und Bedürfnisse zuignorieren. Den aggressiven Weg, seine Gefühle zuäußern, müssen wir nicht unterstützen. Bitten Sie den anderen, über seine Erwartungen zu sprechen, damit Sie diese erfüllen können.

 

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