"Ich will mich für Job und Kind echt nicht mehr rechtfertigen"

Tough im Job, cool als Mama, genial als beste Freundin und bestenfalls auch noch super sexy für den Mann zuhause: Ein Wunschdenken.

Dies ist ein Kommentar der Autorin und Mutter Andrea Heidrich

Tough im Job, cool als Mama, genial als beste Freundin und bestenfalls auch noch super sexy für den Mann zuhause: das wäre die Beschreibung für die perfekte Frau! Für mich? Eher ein Wunschdenken.

Ich versuche viel davon zu sein und am besten alles gleichzeitig, nur muss ich leider allzu oft feststellen, dass genau eine Person dabei viel zu kurz kommt: nämlich ich selbst! Dann muss ich mir bewusst Auszeiten nehmen, und wenn es nur für eine Stunde ist, bei einem Spaziergang über die Felder und Wiesen mit meinem Pferd. Wenn mir der eiskalte Wind um die Ohren bläst und alle Gedanken kurzzeitig aus meinem Kopf weht – dann komme ich zur Ruhe und schöpfe Kraft.

Für jene Momente, wo mir mein 4- jähriger Sohn erklärt, dass ich ihm auf die Nerven gehe, nur weil ich der Meinung war, dass sich Gummibärli nicht als Abendessen eignen. Oder wenn er findet, dass ihm ganz plötzlich beide Beine so weh tun, und er nicht die 10 Meter vom Auto bis zum Aufzug schafft und sich stattdessen lieber der Länge nach in der Garage hinschmeißt. Völlig unbeeindruckt davon, dass ich hinter einem Berg an Gegenständen in meinen Händen verschwinde.

"Es ist nur manchmal kein Zuckerschlecken"

Ich will mich nicht beschweren, denn ich liebe meinen Sohn genauso wie meinen Job und bin es leid geworden, mich rechtfertigen zu müssen, warum ich mich für beides entschieden habe. Es ist eben nur manchmal kein Zuckerschlecken. Dennoch möchte ich beides nicht missen, denn beide Bausteine machen mein Leben zu einem erfüllten. Und nach der Befriedigung aller Bedürfnisse rundherum geht es ab und zu auch mal um mich. So einfach ist das.

Vielleicht ist es für manche befremdlich, mich hin und wieder mit dem Handy in der Hand am Spielplatz zu sehen. Ich bin trotzdem der Meinung, dass es meinem Sohn bislang nicht geschadet hat. Gerade durch die vielen digitalen Ressourcen habe ich die Möglichkeit, die Nachmittage mit meinem Kind zu verbringen und muss ihn nicht bis zum Abend im Kindergarten lassen. Ich sehe Smartphone und Co daher mehr als Chance und Segen denn als Fluch.

Meine Arbeit und die damit verbundene geistige Herausforderung machen mich zu einer ausgeglichenen und vielleicht auch besseren Mama – mit ihren Höhen und Tiefen, die ich meinem Sohn auch nicht vorenthalte. Er darf ruhig wissen, dass es noch mehr gibt als ihn selbst, das meine Aufmerksamkeit braucht. Solange er trotzdem weiß, dass er der Einzige ist, für den ich alles stehen und liegen lassen würde um ihn zu trösten, ihm beizustehen. Sein tägliches "Ich hab dich lieb, Mama" sagt mir, dass ich trotz Job und dem Beachten eigener Bedürfnisse nicht alles falsch gemacht habe.

Die Autorin Andrea Heidrich hat diesen persönlichen Kommentar für wienerin.at geschrieben. Es handelt sich dabei um ihre persönliche Meinung und ihre Erfahrungen. Andrea Heidrich hat auch das Buch "Chaos-Mum: Das echte Leben zwischen High Heels, Windeln & Co" gschrieben. Es ist etwa hier erhältlich.

 

Aktuell