"Ich will jeder jungen Frau ins Ohr flüstern: Du hast die Kraft, alles zu tun!"

Kristen Bell ist Botschafterin des Women's Peace & Humanitarian Fund und erhebt ihre Stimme für die Rechte von Frauen. Die Hollywood-Schauspielerin über Gleichberechtigung, Frieden und die Gründe, warum es keine Zauberkräfte braucht, um etwas zu bewegen.

Kristen Bell

Dieses Interview ist ursprünglich in den Weltnachrichten, dem Magazin der Austrian Development Agency, erschienen.

Wie sieht es mit der Gleichberechtigung in Ihrem persönlichen Leben aus?

Verdammt gut! Mein Mann und ich arbeiten beide, wir sind beide für den Lebensunterhalt zuständig und teilen uns die Verantwortung. Nicht nur finanziell, sondern auch für die Kinder. Er hat 50 Prozent der Windeln gewechselt, an manchen Tagen 49, an anderen 51, aber prinzipiell 50 Prozent. In unserer Familie haben wir beide eine Führungsrolle.

Wenn Sie für einen Tag die Welt regieren könnten, was würden Sie als Erstes für Geschlechtergleichheit tun?

Ich würde jeder jungen Frau ins Ohr flüstern: ‚Du hast ein Auffangnetz und Unterstützerinnen und Unterstützer, die hinter dir stehen. Wir sind für dich da. Du hast die Kraft, alles zu tun.‘

Was würden Sie auf politischer Ebene ändern wollen?

Als selbstbestimmte Frau sehe ich meine Verantwortung darin, andere Frauen zu stärken. Wir sollten die lokale Ebene und Betroffene ermutigen, Veränderungen selbst in die Hand zu nehmen. Empowerment heißt nicht, für andere zu entscheiden. Es bedeutet, sie zu fragen, was sie ändern möchten, und sie dabei zu unterstützen. Ich würde gerne mehr Frauen in Führungspositionen sehen, egal welchen Hintergrund sie haben. Durch meine Arbeit mit dem Women´s Peace & Humanitarian Fund habe ich gesehen, dass Frauen die Situation in ihren Gemeinschaften verbessern und Frieden fördern, wenn sie dafür die Möglichkeit und Ressourcen haben.

Sie stellen Ihre Bekanntheit in den Dienst des Women's Peace & Humanitarian Fund. Warum engagieren Sie sich speziell für dieses Thema?

Der Women's Peace & Humanitarian Fund ermöglicht Veränderungen, die von ganz unten kommen. Er ist eine Partnerschaft zwischen den Vereinten Nationen und zivilgesellschaftlichen Organisationen. Er geht direkt zu den Menschen und fragt sie: Was möchtet ihr ändern und wie können wir euch da- bei unterstützen? Mir gefällt diese Herangehensweise.

Was bedeutet Frieden für Sie persönlich?

Frieden ist für mich der Luxus, sich über kleine Probleme Gedanken zu machen. Hat man Zugang zu medizinischer Versorgung, wirtschaftliche Möglichkeiten, falls nötig humanitäre Hilfe, lebt man in Sicherheit vor Gewalt und kann sich um die kleinen Dinge im Leben kümmern, ist das ein Privileg.

Beeinflusst Ihr Engagement den Umgang mit Ihren beiden Töchtern?

Sie wissen über mein Engagement Bescheid. Sie sind sich auch der Tatsache bewusst, dass nicht alle Menschen auf der Welt jemanden haben, der ihre Interessen vertritt. Und sie wissen, dass das Leben nicht fair ist. Wir haben Bücher über Frauen, die wichtige Veränderungen bewirkt haben. In der Schule meiner Tochter gibt es eine Auszeichnung, die Kinder bekommen, wenn sie sich engagieren, zum Beispiel, wenn sie jemandem helfen. Wenn sie viele davon haben, werden sie zur Friedensstifterin oder zum Friedensstifter des Monats ernannt. Meine Töchter halten das für eine große Ehre und wollen das erreichen. Es macht mich glücklich, dass sie in einer Gemeinschaft aufwachsen, in der sie sich bemühen, Friedensstifterinnen zu werden.

Anna, der Sie in „Die Eiskönigin” ihre Stimme leihen, stiftet gemeinsam mit ihrer Schwester Elsa Frieden zwischen zwei verfeindeten Völkern. Was würde sie den vielen Frauen sagen, die von Konflikten und Gewalt betroffen sind, die aber keine Schwester mit Zauberkräften haben, um daran etwas zu ändern?

Anna würde ihnen sagen, dass sie selbst eine magische Kraft besitzen – ihre Liebe. Sie können sie jederzeit nutzen. Sie würde auch sagen: ‚Du brauchst keine Blutsschwester, um eine Schwester zu haben, die dich unterstützt. Ich bin deine Schwester, wie wir alle vom Women's Peace & Humanitarian Fund.‘

WOMEN'S PEACE & HUMANITARIAN FUND

Österreich unterstützt den Women's Peace & Humanitarian Fund (WPHF) der Vereinten Nationen (UN) mit über 6 Millionen Euro und ist damit einer der größten Geber. Der WPHF ist der einzige globale Finanzierungsmechanismus, mit dem die Beteiligung von Frauen an Friedensprozessen und humanitärer Hilfe gefördert wird. Unterstützt werden Frauenorganisationen in ausgewählten Ländern bei der Umsetzung der UN-Sicherheitsratsresolution 1325. Die österreichischen Beiträge sind derzeit für den Irak und Uganda zweckgewidmet.

 

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