Ich will endlich wieder glücklich sein

Denken Sie mal eine Minute lang ans Glück ... Und? Macht Sie das happy? Nein? Kein Wunder. Denn Glück ist ein Gefühl. Wie Sie es mal wieder spüren können, tief in sich drinnen? Ganz anders, als Sie bislang dachten.

Das Ende macht uns schlauer. Eine australische Krankenpflegerin hat veröffentlicht, was Menschen kurz vor ihrem Tod am meisten bereuen. "Zu viel gearbeitet zu haben“ findet sich in den Top Five. Aber auch "Ich wünschte, ich hätte mir erlaubt, glücklicher zu sein“.
Zwischen den Zeilen ist die Überzeugung zu lesen, Glück(lichsein) sei machbar. Ernst Fritz-Schubert sagt: Stimmt. Glück kann man lernen heißt eines seiner Bücher, Schulfach Glück das andere. Seinetwegen unterrichtet man an mehreren Schulen in Deutschland und auch in der Steiermark Kinder im Fach "Glück“.

Gen-Vorteil.

Es gibt sogar Noten für dieses Fach. Nicht ganz fair, finden Forscher(innen) wie Sonja Lyubomirsky und Bruno Frey. Schließlich, so zeigen ihre Studien, seien manche Menschen von Geburt an glücklicher als andere. 50 Prozent unseres Glücks- und Wohlempfindens basieren nämlich auf genetischen Voraussetzungen.
Doch Fritz-Schubert hält dagegen: "Im Wort ,Glück‘ steckt ‚Schicksal‘, aber auch ‚selbst gemacht‘ und ‚Lebensfreude‘.“ Selbst wenn man noch jene zehn Prozent dazuzähle, die auf glückliche Zufälle kommen, "bleiben immer noch ganz schön viele Prozente übrig, die man selbst in der Hand hat.“ Was damit anstellen, damit am Ende wirklich Glück dabei herauskommt? Wir haben ein paar Glücksversprechen für Sie gesammelt, die tatsächlich halten.

Glück als Motor

Güter wie Autos und Kleidung oder Erlebnisse wie Partys und Events versprechen den käuflichen Wohlfühlfaktor. Und auchJob, Familie, Freunde sollen glücklich machen. Besuchten uns eines Tages Außerirdische, könnten sie glauben, wir leben in einer Gesellschaft des Glücksterrors. "Der Wahn beginnt dann, wenn man sagt: ,Glück ist ein Ziel‘“, sagt der Experte.
Denn die Evolution hat es sich anders gedacht: Glück ist der Motor unseres Tuns auf dem Weg zur Zufriedenheit. Innere Belohnungssysteme sorgen dafür, dass wir uns Herausforderungen stellen, die uns antreiben.
Wer also dem "Ich muss glücklich sein!“-Bild wie einem Schmetterling nachjagt, wird auf laue Gefühle stoßen. Wer hingegen weiß, dass die Suche nach Glück nicht zum Selbstzweck werden darf, macht sich frei von dem Gefühl, irgendwo in der Welt müsse doch noch etwas Besseres und noch Inspirierenderes warten. Er kann genießen, statt ewig zu suchen.

Der Wahn beginnt dann, wenn man sagt: ,Glück ist ein Ziel‘.
von Ernst Fritz-Schubert, Autor

"Versuchen Sie, sich ,heitere Skepsis‘ als Grundhaltung zuzulegen“, rät Fritz-Schubert. Heiterkeit bezeichnet das Nicht-Verbissene am Glücksstreben. Und Skepsis bewahrt uns davor, in die nächste Scheinglücksfalle (s. u.) zu laufen.“ Der Glaube, die Maximierung des Glücks sei unser Lebensziel, wird damit ad acta gelegt. Glück hat keinen Nutzen, der möglichst groß sein soll, sondern ist nur ein Weg(begleiter).
Für Fritz-Schubert ist Glück der "Weg eines gelingenden Lebens“. Und er ist mit vielen Glückssteinen gepflastert, einer Fülle von Momenten, die uns im Innersten bewegen und inspirieren.

Glück heißt (sich) spüren

Zum Glück(lichsein) braucht es mehr als Lust. "Uns wird ständig Scheinglück suggeriert: Party machen, teuer essen gehen, sich etwas Schönes kaufen ... Damit aber treten wir in die hedonistische Tretmühle ein, laufen der Lust hinterher und riskieren am Ende nur die Enttäuschung“, sagt Fritz-Schubert. Man läuft zudem Gefahr, sich über Statussymbole oder Geld mit anderen zu vergleichen. Tödlich fürs Wohlgefühl.
"Wenn Glück der Motor ist, sind Emotionen der Kompass, der die Richtung zur Zufriedenheit weist“, sagt der Glücksexperte. Um zu spüren, dass etwas schön ist und guttut, müssen Sie Ihren Gefühlen bewusst nachspüren: "Sobald Sie merken, ‚So, wie es jetzt ist, stimmt es für mich‘, empfinden Sie Hochgefühl, Lebensfreude, sogar mehr als nur Lebenszufriedenheit.“ Und dieses Gefühl könne man nicht durch Abwägen von "Was hab ich, was fehlt noch?“ herbeidenken. "Denken macht nicht glücklich. Sie brauchen diesen adjektiven Teil, dass Sie etwas spüren.“

Glück stiftet Sinn

Wie aber lässt sich nun Glück lernen? "Wir müssen uns um Haltungen bemühen, die uns zeigen: Wir können einen Beitrag leisten in dieser Welt.“ Denn letztlich stehe hinter der Suche nach dem Glück der Sinn, "also die Frage: ‚Wofür bin ich auf der Welt? Wofür lohnt es sich einzusetzen?‘“, weiß Fritz-Schubert. Die Antwort darauf könne schon darin liegen, seine Funktion - etwa als Mutter, als gute Freundin, als Lehrerin - zu erkennen und diese gut erfüllen zu wollen.

Wenn Glück der Motor ist, sind Emotionen der Kompass, der die Richtung zur Zufriedenheit weist.
von Ernst Fritz-Schubert, Autor

Auch wichtig: Jede(r) von uns hat einen anderen Schwerpunkt in der Persönlichkeit, ist entweder besonders mutig, gerecht oder sozial. Die eigenen Charakterstärken auszuleben, das macht glücklich. Aber dazu muss man sie kennen. "Oft haben wir die Sensibilität mit uns selbst verlernt, bekommen von anderen gesagt, wie wir angeblich sind“, sagt der Experte. Sein Tipp: Versuchen Sie, sich darin zu schulen, den Zugang zu sich selbst (wieder) zu finden: "Gönnen Sie sich Zeit und Ruhe, entwickeln Sie Dankbarkeit und Vorfreude, entdecken Sie neue Wege.“
Was auch hilft: Reflexion und Achtsamkeit (mit sich selbst und mit anderen). Machen Sie hin und wieder einen Tagesrückblick, um zu verarbeiten, was passiert ist. Und halten Sie im Hamsterrad des Alltags immer mal wieder inne, um in sich hineinzuhören.

Glück braucht Krisen

Zum Glück gehört es auch dazu, psychische und physische Krisen als Herausforderung zu begreifen - und sie bewältigen zu wollen. Ein erster Schritt: die Änderung der Einstellung. "Ein ,Pechvogel‘ könnte etwa sagen: ‚Das ist, was mir immer passiert.‘ Oder aber: ‚Ja, es ist schlimm und es macht mich traurig. Doch wenn ich schaffe, damit umzugehen, wachse ich daran“, meint Fritz-Schubert.
Studien über Biografien zeigen zudem: Treten bei Schicksalsschlägen zum deprimierenden "Außen“ innere Elemente wie etwa Liebe, Wertschätzung oder Vertrauen hinzu, können sie dem Leben, allem Unglück zum Trotz, zu einer glücklichen Wendung verhelfen.


Das Hirn kennt drei Wege zum Glück.

Kaufen müssen wir Glück nicht, denn unser Körper hat ein endogenes Belohnungssystem, sagt Body-Mind-Experte Tobias Esch in Die Neurobiologie des Glücks. So funktioniert die Biochemie des Glücks:

Wollen. Wenn wir uns auf etwas freuen und etwas erreichen wollen, wenn wir abenteuerlustig und neugierig sind, belohnt uns das Hirn mit dem Botenstoff Dopamin. Dieses Glück mit kurzen, heftigen Hochmomenten verspüren wir vor allem in jungen Jahren.

Vermeiden. Haben wir eine angst- oder stresserzeugende Situation überstanden, sinken die Pegel der Botenstoffe Adrenalin und Kortisol. Wir spüren Erleichterung.

Haben. Wenn wir Herausforderungen bewältigen, ein Ziel erreicht ist und wir (alles) haben, was es zum Sein braucht, wird endogenes Morphium, beruhigendes Serotonin sowie Oxytozin ausgeschüttet, durch das wir uns verbunden fühlen mit der Welt.

 

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