"Ich weiß eh, ich bin eine Frau. Sorry!"

Die Kabarettistin Aida Loos, bekannt aus "Die große Comedy-Chance", über Grenzen des Humors und Frauen in der Comey-Szene.

Aida Loos kommt lachend zur Café-Tür herein. Sofort rege Unterhaltung. Die 35jährige gebürtige Perserin, die als Kind mit ihren Eltern nach Österreich kam, ist quirlig, intelligent, sympathisch und nie um eine Antwort verlegen. Und die Lacher hat sie auf ihrer Seite, nicht erst, seit sie am besten Weg zum Comedy-Star ist.

Nachdem die Schauspielerin vor ein paar Jahren ihr erstes Programm Hartes Loos vorstellte, trat sie 2014 bei der ORF-Show Die große Comedy-Chance an. Herauskam ein Platz unter den Top 3 im Finale und jede Menge begeisterter Fans. Die bescherten ihr im selben Jahr den Publikumspreis des Österreichischen Kabarettpreises. Was sie zu ihrem aktuellen Programm Achtung! Fertig! Loos! inspirierte, ob sie auch privat so temperamentvoll ist und wo ihre Humorgrenzen liegen, hat sie uns im Interview erzählt.

Aida Loos im Interview:


R: Gleich eine Klischeefrage...

A: Wie ist es als Frau in der Comedy?

R: Haha, darüber werden wir auch noch sprechen. Aber zuerst eimal: Hattest du auch als Kind schon die Lacher auf deiner Seite?

A: Als Kind ja. Danach gab es unterschiedliche Phasen.

R: War es schon lange dein Berufswunsch, Leute zum Lachen zu bringen?

A: Nein, ich bin selbst nicht auf die Idee gekommen. Andere meinten, ich solle das mal probieren. Die habe ich alle ausgelacht. Ich habe mir eher das dramatische Fach vorgenommen. Aber auch die Lehrer in der Schauspielschule sagten zu mir: „Du hast auch dieses Komische Talent, probier das.“ Ich empfand das fast als Beleidigung. Ich dachte mir: „Ich will nicht das nicht, ich will die großen Gefühle spielen. Ich will eine gute Medea oder Phädra sein.“ In der Schauspielschule habe ich auch gar keine komischen Rollen gespielt, ich wollte damit nichts zu tun haben.

R: Dachtest du Komik wäre unteres Level?

A: Nein, gar nicht, aber ich kam mir missverstanden vor. Das ist wie wenn dir eine gute Freundin sagt: „Ich kenn da jemanden, der wäre voll dein Typ“. Und wenn er dann vor dir steht, bist du enttäuscht über den Geschmack, den dir deine Freundin unterstellt. Es hat auch was Trotziges. Hätte sie gar nichts gesagt, wäre er vielleicht eh dein Typ gewesen.

R: Wie bezeichnest du, was du machst? Stand-up Comdey? Kabarett?

A: Es ist eine Mischung aus Kabarett und Comedy. Mein Anspruch an mich ist schon, gesellschaftskritisch und satirisch zu sein, aber mich inspiriert halt, was ich im Alltag beobachte und ich stelle wahnsinnig gerne Menschen nach. Und in dem Moment, wo man das macht, ist es kein Kabarett mehr, sondern Comedy.

R: Nachstellen und kritisch-politisch sein geht bei dir aber auch oft Hand in Hand, wenn ich an deine Politiker-Parodien denke. Vassilakou, Strache....

A: Ja sicher. Ich erkläre ungern jemanden, ich parodiere ihn lieber. Dadurch erklärt sich vieles von alleine. Ich finde es auch leichter, in einer Figur vollkommen blöd zu sein, oder auch sehr kritisch. Es ist auf jeden Fall leichter, jemandem anderen etwas Brisantes in den Mund zu legen, als auf der Bühne wirklich als man selbst zu sprechen. Die Zuseher denken sonst gleich: Bin ich mit ihr einer Meinung? Darf sie das sagen? Hat sie die Pause richtig gesetzt? Gefällt mir ihr Kleid? Welche BH-Größe hat sie? Usw... Solche Gedanken spinnt das Publikum nicht, wenn du jemanden anderen nachstellst und Geschichten dadurch erzählst.

R: Du kannst also auf der Bühne über die Parodien Dinge leichter transportieren als durch deine eigene Person?

A: Es ist leichter, aber ich mache trotzdem beides gerne. Man hat aber bei den Parodien weniger Blockaden im Kopf, im Sinne von: „Darf man das?“ Meine Messlatte dafür ist eh schon sehr hoch. Man darf vieles als Frau heute. Als ich begonnen habe 2012, da habe ich mich schon viel mehr zurückgenommen, weil ich dachte, dass das Publikum nicht alles vertragen würde. Sexuelle Themen und andere Tabuthemen. Die spreche ich jetzt viel mehr an. Ich glaube auch, dass das Publikum das gerne sieht. Eine Frau, die keine Angst hat und sich auch keinen Beißkorb anlegen lässt. Das macht Mut.

R: Und du hast den Eindruck, dass sich das seit deinem Beginn in der Branche verändert hat?

A: Total. Damals war es noch so: „Ok, ich weiß eh, ich bin eine Frau, sorry. Ich kann ja auch nix dafür, ich bin auch nicht hübsch oder so, aber ich schwöre ich bin lustig!“ Heute ist es eher: „Ok ich bin eine Frau, ich kann alles sein.“ Es ist nicht peinlich. Es ist nicht unsympathisch, im Gegenteil, es wird erwartet von mir. Es wird auch erwartet, dass ich Themen anspreche, die früher nur ein Mann ansprechen konnte.

Aida Loos bei "Die große Comedy-Chance":

R: Kannst du ein Beispiel nennen?

A: Zum Beispiel wenn ich sage, dass mein Mann unter der Decke einen Schas lässt, wie im aktuellen Programm. (lacht)

R: Was sagt dein Mann denn dazu?

A: Ich habe ihn bei jedem Gag, der auf seine Kappe geht, gefragt, ob es ok für ihn ist. Er hat eine extrem hohe Schmerzgrenze, er findet fast alles lustig was ich sage.

R: Ist das daheim bei euch auch so? Wirfst du ihm alles Mögliche an den Kopf und er findet's lustig?

A: Wir bleiben uns nichts schuldig. Das finde ich angenehm. Eine beleidigte Leberwurst würde ich nicht ertragen an meiner Seite. Wenn wir eine Auseinandersetzung haben endet die meisten in einem Gelächter. Dann äfft er mich nach, wie ich wütend rede oder ich äffe ihn nach, wie schlecht er in seiner Rage ein Wort betont und dann muss immer einer lachen. Aber wir können uns schon ordentlich fetzen.

R: Bist du also auch privat so temperamentvoll wie auf der Bühne?

A: Ein Bekannter sagte mal zu mir: „Wenn du in einem Kampf bist, schlag zuerst zu und schlage hart.“ Daran halte ich mich. Mehr will ich jetzt nicht sagen, aber Geschirr ist noch nie geflogen (lacht). Nein, ich denke ich bin eigentlich viel netter als ich erscheine, die Leute denken oft, ich sei so wahnsinnig temperamentvoll, aber diese Energie funktioniert vor allem auf der Bühne. Dieses wollende, fordernde, teils grobe. Der feine Schliff liegt mir bedingt. Wenn ich etwas will, dann will ich es. Punkt.

R: In deinem aktuellen Programm „Achtung! Fertig! Loos!“ gibt es sehr gute Momente der Diskrepanz, wenn du schick angezogen auf der Bühne stehst und dabei rumbrüllst, weil du gerade die Schwangerschaftsfressattacke im McDonalds vorführst. Das hätte man sich in dem Moment gar nicht erwartet.

A: Ich finde es immer gut, Sachen zu machen oder zu bringen, die man sich nicht erwartet hätte und gerade die Fressattacke ist ein Thema, in das man sich schön reinsteigern kann. Entspannend finde ich auch: Mein Outfit suchen Stylisten aus. Sie überlegen, was zu Inhalten passt oder sie eben bricht. Ich persönlich und Mode, naja. Also ich finde Leute nehmen Mode viel zu ernst. Ich mache mir da gar keine Gedanken.

R: Wo liegen denn deine Humorgrenzen?

A: Mein neues Programm kratzt manchmal an der Grenze zum: „Nein, das darf sie nicht mehr“, aber es geht sich immer noch aus. Nach der letzten Vorstellung ist eine Frau zu mir gekommen und hat gesagt: „Sie san scho oag.“ Das hab ich als großes Kompliment aufgefasst.

R: Hast du schon mal richtig negative Reaktionen auf deine Shows bekommen?

A: Natürlich gibt es das immer wieder mal, dass jemandem etwas gar nicht gefällt. Das ist auch in Ordnung, ich muss nicht jedem gefallen. Mir gefällt ja auch nicht jeder. Im aktuellen Programm spreche ich ja einige sehr junge Themen an, wie Facebook oder vegane Ernährung. Das klassische Kabarettpublikum in Österreich ist doch eher älter. Es ist ein sehr gutes Publikum, aber ich frage mich, ob alle so viel damit anfangen können. Klar, es sind auch viele ältere Leute auf Facebook, meine Mutter zum Beispiel. Aber ich möchte auch eine junge Generation ansprechen, die vielleicht bislang noch nicht so ins Kabarett ging. Oder auch Mütter. Nachdem es sehr wenige Kabarettistinnen gibt, die Mütter sind, oder wenn sie es sind, das nicht ansprechen, weil sie es vielleicht beruflich als Nachteil sehen, wird es auf der Bühne kaum aufgearbeitet. Und nachdem ich im aktuellen Programm unter anderem meinen Alltag als Mutter von zwei Kleinkindern thematisiere, hoffe ich, dass sich viele Eltern auch angesprochen fühlen.

R: Bekommen deine Kinder schon etwas vom Beruf ihrer Mutter mit?

A: Die Große fragt mich manchmal, wenn ich daheim probe: „Warum sagst du das so komisch?“ Und das „Wimmerl-Lied“ singt sie mit, wenn ich es im Auto übe. Sie ist sehr interessiert. Die Kleine ist eine gute Messlatte für Lacher. Wenn ich Figuren spiele und sie lacht, dann weiß ich, ich bin am richtigen Weg. Kinder sind brutal ehrlich.

R: Es gibt ja auch das Lied über Kinder, da in der aktuellen Show vorkommt. Du schreibst selbst Texte und Lieder, die ans Wienerlied und die österreichische Kabarett-Tradition angelehnt sind. Wie sieht es denn mit persischer Kabaretttradition aus?

A: Ich schreibe die Lieder nicht ganz alleine. Ich habe einen wunderbaren Co-Autor und Komponisten, Johannes Glück. Die Arbeit mit ihm macht mir wirklich großen Spaß und wir haben die gleichen Visionen. Was mir auffällt ist, dass in den letzten Jahren viele Perser in den Bereich gehen. Natürlich Michael Niavarani, der macht das schon lange, aber auch Enissa Amani ist in Deutschland gerade sehr im Kommen. Ich glaube das ist kein Zufall, die Perser sind ein sehr humorvolles Volk. Das können sie sehr gut: Aus jedem Schas ein Sujet für eine lustige Erzählung machen.

R: Zum Abschluss noch eine modische Beobachtung: Man sieht dich ja nie ohne Highheels...

A: Der einzige Ort, an dem man mich ohne Highheels sieht, ist das Fitnesscenter. Das erklärt auch, warum ich da nie hin geh.

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