"Ich wäre gerne ein alter einsamer Baum"

Jung, fesch und talentiert: Wir haben Tom Odell zum Interview getroffen. Am 11. Juni spielt er live am Novarock.

Seine Songs "Magnetised" oder "Somehow" gehen unter die Haut und lassen unsereins fühlen, was er fühlt. Sie machen Gänsehaut und rocken trotzdem.

Video: Tom Odeel - Magnetised

Tom Odells zweites Studioalbum "Wrong Crowd" nimmt uns mit auf eine Reise, in die Gedankenwelt eines jungen Mannes, der sich danach sehnt, wieder Kind zu sein, nach dem einfachen Sein in der Natur. Seine Songs erzählen von Einsamkeit, dem Erwachsenwerden und dem Bemühen, dazuzugehören, ein Teil des großen Ganzen zu sein.

Die WIENERIN hat den blonden Briten mit dem coolen Haarschnitt in Berlin auf ein Gespräch getroffen und ihm ein paar Geheimnisse entlockt.

Du sprichst und singst viel über die Natur, warum ist sie dir so wichtig?

Für mich repräsentiert die Natur Unschuld. Sie steht für die Kindheit und die wahre Essenz natürlichen Lebens, für Nichtkünstliches. So wie die Seele.


Wenn Du eine Landschaft wärst, welche wäre das?

Eine interessante Frage. Ich weiß es nicht genau. Ich liebe das Bild eines sehr alten, einsamen Baumes – mitten in einer verkommenen Stadt. Oder einen Schwarm Vögel die durch dichten Dschungel fliegen. Das gefällt mir und auch der Gegensatz, den sie darstellen.

Deine Songs sind angelegt wie ein Soundtrack. Zu jedem Lied gibt es ein in sich geschlossenes Musikvideo, die Songs erzählen am Ende eine gemeinsame Geschichte. Warum hast Du das gemacht?

Irgendwann im Entstehungsprozess der Musik war die Inspiration da und ich wollte am Ende einfach einen Film machen. Ich hatte die Gelegenheit es zu machen und es interessiert mich. Als Musiker Musikvideos zu machen, das war sehr inspirierend und besonders. Alles beginnt mit der Musik und du schaffst eine kleine Welt darum herum die entsteht, wie im Clip von "Wrong Crowd". Es sind ganz viele verschiedene Bilder.

Wie hat sich der rote Faden zu den Musikvideos und den Songtexten ergeben?

Alles basiert eigentlich auf persönlichen Erfahrungen die ich gemacht habe oder in meinem Umfeld beobachten konnte. Ich habe es dann nochmals eine Stufe weiter entwickelt. Aber es hat nicht gezwungenermaßen alles etwas mit mir zu tun. Es sind mehr Gefühle mit denen ich mich verbunden fühle.

Welcher Song hat dich zuletzt zum Weinen gebracht?

(Stille)

Oh, ich dachte da gäbe es eine rasche Antwort.

Der letzte Song der mich zum Weinen gebracht hat, war kein neuer Song. Es war Aretha Franklin die letztes Jahr bei den Kennedy Center Honors gesungen hat. Du musst es ansehen, es ist unglaublich! Sie hat „You make me feel like a natural woman“ gesungen. Sie hat Klavier gespielt und nach dem halben Lied ist sie aufgestanden und hat sich die Jacke ausgezogen. Also, sie ist eine alte Dame aber ich glaube das war die beindruckenste Frau die ich je gesehen habe! Das war der Wahnsinn! So schön! Auch wenn ich jetzt drüber rede bekomme ich noch eine Gänsehaut.

Sprichst du manchmal mit Vögeln?

Wenn ich nicht einen Song über einen Spatz geschrieben hätte (Anmerk.: "Sparrow"), würde ich sagen, du bist ziemlich komisch! Aber ja, offensichtlich tue ich das... (lacht).

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