"Ich schlafe mit vergebenen Männern"

Einen flotten Dreier? Hatte Martina (Name von der Red. geändert) noch nie. Doch wenn die 41-Jährige mit ihrem Lover ins Bett geht, ist gedanklich trotzdem immer eine Dritte dabei: die betrogene Ehefrau.

An weniger guten Tagen, an denen sie in ihrer Wohnung nur Mikrowelle, Wände und ein leeres Bett begrüßen, denkt Martina über ihr Beuteschema nach, darüber, ob auf ihrer Stirn wohl "Treibt es gern mit Verheirateten“ geschrieben steht. Und dann erinnert sie sich an all jene Momente, in denen es ihr schlecht ging und sie sich in der Rolle der Geliebten verletzt fühlte als Frau. Schön, wenn der, der sie emotional auffangen könnte, jetzt bei ihr wäre. Doch der liegt - kaum eine Stunde nach dem Sex mit ihr - im Bett einer anderen, seiner Ehefrau.

Hemmungsloser Sex

Nicht gerade die Idealvorstellung von Liebe, oder? "Vielleicht nicht. Aber andererseits ist man ja nicht ewig romantisch verklärte 17 oder 28“, sagt Martina. Sie findet ihren Lovestyle großartig. "Bei einem anstrengenden 50-Stunden-Job, wie ich ihn habe, ist Liebe nach Terminkalender optimal: Wenn ich meinen Lover ein- oder zweimal die Woche treffe, sind da Prickeln, schickes Essengehen und Sex. Weil wir keinen Alltag miteinander haben, uns nicht so gut kennen, ist alles am anderen schön.“ Und der Sex extrem gut. Denn die Ehemänner, die sich ihren Appetit bei der Geliebten stillen, blühen im Bett auf, sind inspirierend, hat Martina erfahren. "Weil die Beziehung verboten ist und jenseits der Norm, fallen gewisse Tabus. Und natürlich freuen sich beide Seiten auf den Abend, also ist der Sex auch großartig, aufregend und exzessiv.“

Klar hätte Martina diese Sexperimente auch anders machen können. "Aber dann hätte ich Lebenserfahrungen nicht gemacht, für die ich heute dankbar bin. Ich finde: Man muss eine Affäre gehabt haben, um mitsprechen zu können! Um das prickelnde Gefühl kennen zu lernen: ‚Ich bin mit dem Typen zusammen und die anderen wissen es nicht.‘“

Weil die Situation eh schon so verwegen ist, steigern wir uns im Bett in exzessive Höhen.
von Martina, Name von der Redaktion geändert

In den vergangenen sieben Jahren fing sie (nacheinander) etwas mit vier Verheirateten an. Und will es derzeit auch nicht anders. Früher, im Alter zwischen 22 und 33, führte Martina selbst eine "ganz normale“ Beziehung. Mit Sex, der okay, aber nicht besonders war. Irgendwann lebte man belanglos nebeneinander her, ohne Plan und ohne, dass sich die unterschiedlichen Lebenskonzepte der Partner annäherten. Man trennte sich.

Seitdem weiß Martina: Liebe endet, Spaß nicht. "Ich glaube auch nicht mehr an die große Liebe. Viele pfeifen auf sexuelle Treue - wie ich ja bestens weiß -, und heute unterscheiden sich Männer und Frauen nicht darin, wenn es darum geht, Kraft für ihre Paarbeziehung in sexuellen Parallelwelten zu tanken. Das desillusioniert gewaltig.“

Sextoys & Machtspiele

In ihre erste Affäre schlitterte Martina dann am Arbeitsplatz. Der Lover war ihr Vorgesetzter und deutlich älter. Und das Liebesspiel sofort auf einem anderen, ungekannten Lustlevel. "Ich bin mir sicher, dass ich manche Dinge im Bett mit meinem Langzeitfreund nicht gemacht hätte, die ich mich mit dem Lover getraut habe. Die Situation ist ja schon an sich so prickelnd, dass sich die Verwegenheit in die Höhe treibt. Von meinem Freund hätte ich mich nie fesseln lassen. In einer Partnerschaft möchte ich mit einem Mann im Bett auf einem Level sein und nicht morgens neben ihm aufwachen und denken: ‚Oh Gott, was denkt der nach dieser Nacht von mir?‘ Doch als Geliebte sitze ich eh auf dem kürzeren Ast - und dann noch als Untergebene vom Chef, da war’s mir auch schon egal.“

Mit der Zeit stellte Martina fest, dass es sie selbst sexuell erregte, den Chef-Lover im Bett ein wenig in seiner Macht herauszufordern und etwa seine Hände zu fesseln, die im Büro noch ihr Redemanuskript für seinen Auftritt vor Wirtschaftsbossen gehalten hatten. Dass sie Sex derart mit Macht verband, erstaunte Martina. Sie ließ sich bei einem Medium "channeln“. Das Ergebnis: Martina sei eine "alte Seele“ und habe schon im Mittelalter nach Macht und Erfolg gestrebt. Aber weil sie damals als Frau nicht vorankommen konnte, habe sie sich immer an mächtige Männer gehängt, um in deren Dunstkreis an der Macht teilzuhaben ...

Bis heute springt Martinas Lustzentrum nur bei bestimmten Männern an: Natürlich sei vor allem der Sex das Verbindende zwischen ihr und den Lovern - "deshalb gehen ja Männer fremd. Die suchen sich auswärts keine Busenfreundin.“ Sie selbst aber könnte nie Sex haben mit einem Mann, den sie nicht auch intellektuell sexy findet.

Cinderella-Leben

Ihr momentaner - gleichaltriger, aber ebenfalls verheirateter - Lover tut ihr unheimlich gut. Auch, weil sie sich selbst weiterentwickelt hat: Berufliche Machtspiele, die bis in die durchgeschwitzten Laken hineingezogen werden, gibt es nicht mehr - der Neue arbeitet in einer anderen Firma. "Aber er hat gewissermaßen eine andere Macht über mich: Er ist fesch und wahnsinnig gescheit“, sagt sie. Und wenn er sie datet, geht er ungeniert mit ihr Arm in Arm durch die Straßen. "Ich genieße diesen ‚Cinderella-Moment‘. Klar geht mir zeitweise was ab, aber bei wem ist das nicht so? Zu 85 Prozent bin ich mit meinem Leben zufrieden. “

Dieser Text erschien zuerst in der WIENERIN, Ausgabe April 2012.

 

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