Ich kann nicht ewig fickbar bleiben!

Ein geiler After Baby Body und die ewige Fickbarkeit sind mir zu viel. Und machen mir Angst, und mich zornig. Vielleicht kann das Schwein der Muppets helfen.

Wissen Sie, was ein After-Baby-Body (ABB) ist? So bezeichnet man den Körper einer Frau, nachdem sie ein Kind zur Welt gebracht hat. Vorbild in Sachen ABB ist etwa Heidi Klum, denn sie zeigt uns Moppel-Frauen, wie locker man vier Kinder kriegen und trotzdem supersexy für Victoria’s Secret modeln kann. Die Botschaft: „Hör auf zu jammern, und streng dich einfach ein bisschen an, du träges, milchtriefendes, übermüdetes Muttertier!“ So weit, so motivierend.

MILF: "Mother I'd like to Fuck"

Die deutsche Kabarettistin Carolin Kebekus hat kürzlich in der ZDF-Sendung "Die Anstalt" brutal und treffend über diesen After-Baby-Body und das erklärte Ziel dahinter, nämlich eine MILF zu werden, reflektiert. Eine MILF ist übrigens eine „Mother I’d Like to Fuck“ (zu Deutsch: eine Mutter, die ich gerne ficken will).


Ist Ihnen schon ein bisschen übel? Mir auch. Der Auftrag an uns Frauen heißt nämlich offenbar: Fickbar bleiben. Tja, kritisieren Sie nur meine derbe Ausdrucksweise oder das Wort an sich, aber ich habe es – und den Imperativ dahinter – nicht erfunden. Eine MILF – das habe ich mir nicht ausgedacht –, die gibt es als fixe Sex-Vorstellung schon seit fast 20 Jahren. Richtig bekannt wurde sie 1999 durch die US-Teenagerkomödie American Pie.

Wie auch immer, die MILF ist zwischen 30 und 50 Jahre alt und wer jetzt weint, weil aus der Zielgruppe geflogen: Rettung naht. Es gibt auch die GILF, die Granny I’d Like to Fuck.
Daher darf ich hier noch einmal Carolin Kebekus zitieren: „Wir müssen unsere Fuckability-Spanne erhöhen, von 15 bis 75 Jahre.“

Männer sind Lover bis 85 - voll super, oder?

Also ich muss dann bald mal speiben. Und: Nicht näher erörtert werden muss freilich, dass es das Sexual-Äquivalent für Männer nicht gibt. Die heißen einfach Lover – bis sie 85 sind.

Worüber wir hier also reden, sind Frauenbilder im Jahr 2015 und Gewalt mit Worten, die einen fast sprachlos macht. Das aber sollte genau nicht passieren. Gegen die ABB und MILFs und die „Fuckability-Challenge“ müssen wir uns wehren. Und wir sollten Verbündete suchen, die aufstehen und diesem durchgesexten, optimierten Zerrbild von Frauen ordentlich in die Eier treten (sorry, das war jetzt wirklich meine Wortwahl).

Miss Piggy, hilf!

Wer mir dazu einfällt: Miss Piggy. Das Schweinchen aus der Muppet Show. Beschrieben wird sie meist so: aggressiv-durchsetzungsstark und betont feminin-divenhaft. Und: Sie hatte nachweislich seit ihrer „Geburt“ 1974 für Body-Optimierung bestenfalls Spott übrig. Daher ist es vielleicht ein goldrichtiges Zeichen, dass Miss Piggy gerade jetzt einen renommierten US-Frauenrechtspreis erhält. Der Sackler Center First Award, den etwa auch schon Literaturnobelpreisträgerin Toni Morrison erhalten hat, wird am 4. Juni an Miss Piggy verliehen. Ich bin gespannt auf ihre Rede.

 

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