"Ich hatte seine Hände überall": Schwedische Ministerin über Belästigung

Nach der Filmbranche erreicht die #MeToo-Bewegung auch die Politik. Zu Wort meldeten sich bereits zwei hochrangige schwedische Politikerinnen.

Sexuelle Belästigungen und Erfahrungen von Frauen, die sie erlebt haben, dominieren seit Wochen weltweit die Schlagzeilen. Ursache ist der Fall Harvey Weinstein, der dutzende Frauen sexuell belästigt und einige davon vergewaltigt haben soll. Doch abseits der Filmbranche breitet sich der Hashtag #MeToo ("Ich auch"), unter dem Frauen von ihren Erlebnissen erzählen, auch auf andere Bereiche aus. Das jüngste Beispiel: die EU-Politik.

Kürzlich ging die schwedische Außenministerin Margot Wallström mit einer erschütternden Geschichte an die Öffentlichkeit - und erzählte von sexueller Belästigung in höchsten EU-Kreisen. Wallström gab an, während eines Abendessens mit Staats- und Regierungschefs begrapscht worden zu sein.

"Ich hatte seine Hände überall"

Nun hat auch Schwedens sozialdemokratische Gleichstellungsministerin Åsa Regnér ihre Erfahrungen mit Belästigung auf EU-Ebene öffentlich gemacht. Gegenüber dem TV-Sender TV4 sagte sie, dass sie vor mehreren Jahren von einem hochrangigen EU-Politiker sexuell belästigt worden sei. Als sie am Weg zu einem Geschäftsessen waren, hätten sie noch in einer Bar vorbeigeschaut, so Regnér. "Ich war jung, ehrgeizig und folgte dem Mann, um etwas zu trinken", sagte die heute 53-Jährige.

Sie war davon ausgegangen, dass es um etwas Geschäftliches gehen müsse. Doch da hat sie sich geirrt, wie sie berichtet. Der Mann wollte Sex - und die junge Politikerin wies ihn ab. "Es war ganz anders als ich gedacht hatte. Ich hatte seine Hände überall und bemerkte, dass wir in einer dunklen Ecke saßen", sagte sie der schwedischen Zeitung Expressen.

Nach dem Vorfall habe sie sich schuldig und naiv gefühlt. "Warum dachte ich, er sei an meiner Meinung und meinem möglichen Wissen interessiert? Es ist klar, dass er das nicht war." Als junge Politikerin sei sie in eine Männerdomäne gekommen - etwas, das sie an diesem Tag gelernt hat und das sie leider auch danach oft begleitet hat. "Jetzt bin ich ganz schön alt, über 50, und das heißt leider auch, dass man das ein oder andere durchgemacht hat."

 

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