Ich hätt gern einen finnischen Arsch!

Unter dem verrucht-süßen Motto: "Wenn Gott die perfekte Frau geschaffen hätte..." versucht eine Dating-Plattform für Affären zu werben. Was dabei rauskommt, ist eigentlich so übel, dass man es ignorieren müsste. Andererseits ist so übel, dass es kommentiert werden muss.

Hier kommt der dümmste Sexismus-"Witz", den der noch so frische Sommer bislang zutage gefördert hat. Die Dating-Plattform Victoria Milan - dort tummeln sich verheiratete oder fix vergebene Menschen, die eine Affäre suchen - hat eine Umfrage gemacht und etwas sehr Seltsames daraus gezimmert: die perfekte Frau, seziert in Körperteile und europäische Länder. Klingt irre, ist es auch.

In den Worten von VictoriaMilan hört sich das so an:

"Wieso sollte Mann auf Beine, Brüste oder Hintern fixiert sein, wenn Mann alles haben kann. Eine Umfrage hat ergeben, aus welchen Regionen welche Körperteile einer Frau stammen müssen, um die perfekte Frau zu kreieren."

Wer steht nicht auf dänische Brüste?

Tja, da sind wir doch alle mal neugierig, wie sich diese fünf Millionen befragten Mitglieder das perfekte Lustobjekt so vorstellen. Und eines darf bereits verraten werden: Es ist Made in Europe, also eine quasi nachhaltige produzierte Körperhülle.

Zitat: "Das beste einer perfekten Frau kommt aus Europa: die wunderschönen Augen aus Ungarn, das hübsche Gesicht aus Tschechien, ein formschöner Hintern aus Finnland, eine volle Brust aus Dänemark, schöne lange Beine aus Polen und volle Lippen aus Spanien."

Ungarinnen und Griechinnen ex aequo

Doch wir sind noch nicht fertig, denn nebst dem lustförderden finnischen Hintern und den prallen spanischen Lippen gibt es noch ein paar EU-Mitglieder, die das eine oder andere Detail zur perfekten Frau beitragen dürfen. Und ja, sorry, liebe Briten, der Brexit ist bei Victoria Milan bereits vollzogen - ihr dürft keine Körperteil-Spende machen.

Dafür aber die Griechen. Und die Belgier. Und die Ungarn - in der Reihenfolge.

Zitat: "Falls Sie glauben, die Augen sind die Fenster zur Seele, dann müssen Sie nach Ungarn, Belgien und Griechenland. Die dortigen Frauen werden Sie mit den Augen verführen. Umrandet von wunderschönen Wimpern und Augenbrauen – die Farbe lässt Sie schmelzen."

Run 1000 Miles for legs

Dann gibt es noch ein paar Kleinigkeiten zu Symmetrie und Wangenknochen, hier sind die nordischen Länder top und im PR-Text folgen dann sogar noch Reisetipps - das ist echt wahr. Das klingt dann so: "Für lange, schöne Beine mit sanfter Haut – wofür man 1000 Meilen läuft – findet Mann in Polen, Irland und Süd Afrika. Buchen Sie die Flüge in den Sommermonaten, damit Sie auch in den Genuss kommen, wenn Miniröcke getragen werden." (Ich weiß, der Satz hatscht, aber ich wollte den Originaltext nicht verfälschen...)

Das alles ist unter dem etwas unpoetischen Titel zusammengefasst "Wenn Gott die perfekte Frau erschaffen hätte..."

Tja, und dieser Konjunktiv ist auch das leise wahrnehmbare Seufzen in dem Satz, denn leider gibt es diese Turbo-Sexbombe halt nur virtuell. Doch es wäre keine Dating-Plattform, die ja ohnehin mit dem virtuellen Jackpot liebäugelt, wenn nicht auch noch eine Grafik der Patchwork-Dulcinea dazugetackert worden wäre. Tata! Das Bild wollen wir euch natürlich nicht verheimlichen, hier ist einfach zu viel Photoshop-Liebe hineingeflossen, um es gleich zu löschen.

Bleibt die Frage, wo man anfängt, diese Mega-Bullshit zu kommentieren, denn eigentlich disqualifiziert sich das Ganze ja von selbst. Es ist sexistisch und dumm. Und man dürfte dem ganzen Schwachsinn keine Plattform geben. Aber ich tue es doch, denn dieses geistfreie Gewäsch ist mir heute, am 30. Mai 2017, einfach so ins Postfach geflattert. Und zwar völlig unironisch, es war und ist gedacht als Marketing-Idee. Und das lässt mich stutzen.

Diese in Unterwäsche gesteckte, kokett flirtende Frau mit all den Flaggen auf ihrem Körper zu sehen, das zeigt eine Haltung. Eine "Huhu - so politisch unkorrekt sind wir und das ist voll lustig-Haltung" der Macher. Der CEO von Victoria Milan, Sigurd Vedal, der dieses Business aufgezogen hat und mit fünf Millionen Mitglieder dürfte man meinen, er sei nicht komplett hirnleer, ist sich nicht zu blöd, das Ergebnis dann auch noch so zu bewerten.

Vedal: „Die virtuelle perfekte Frau wurde von den Frauen aus der ganzen Welt geformt, die ihre Waffen kennen. Durch unsere Umfrage haben wir herausgestellt, wo es die besten Teile gibt – also halten Sie Ihren Reisepass bereit!“

Ich weiß zwar nicht, ob die Plattform jetzt für Online-Affären oder eigentlich für ein Interrail-Ticket durch Europa wirbt, aber eines weiß ich: Solange es okay/lustig/interessant ist, mit weiblichen Körperbildern, einer Reihe von doofen Klischees und den "Teilen" einer Frau Werbung zu machen, haben wir noch einen langen Weg vor uns. Oder um es mit den Worten einer Kollegin zu sagen: "Oida! Einfach nur: Oida!"

Ach ja, Österreich ist auch erwähnt und angesichts der Ergebnisses muss ich mir natürlich die Frage stellen, ob ich vielleicht einfach nur neidisch auf all die prallen Finninnen und Spanierinnen bin. Denn: Die Österreicherinnen haben gepflegte Hände. So steht's geschrieben. That's all Ladys, I'm so sorry!

 

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