"Ich hasse es, schwanger zu sein"

WIENERIN-Redakteurin Katrin Halbhuber ist mit ihrem zweiten Kind schwanger. Und hätte nie gedacht, dass sie dieser Umstand sie mal dazu bringen würde, Kim Kardashian zu verteidigen.

Ich hasse es. Ich denke einfach, dass ich nicht dafür gemacht bin, schwanger zu sein. … Ich werde hier nicht sitzen und lügen und so tun als wäre es eine glückselige Erfahrung. Es ist schrecklich.
von Kim Kardashian über ihre Schwangerschaft

Na bumm. Kim Kardashian ist nicht dafür bekannt, Tiefgründiges von sich zu geben. (Reich und berühmt zu werden geht ohnehin besser ohne.) Ein sehr offenes E!Online -Interview über ihre zweite Schwangerschaft hat dem Reality-TV-Star jedoch jüngst viel Kritik eingebracht: Kardashian, die ihr zweites Kind mittels künstlicher Befruchtung empfangen hat und in ihrer ersten Schwangerschaft unter Präeklampsie litt, sprach darin schonungslos über ihre beschwerliche Schwangerschaft, ihre große Gewichtszunahme und den ihr allgemein fehlenden Glückszustand. Das Empörung war groß: Sie sei undankbar, eine Schwangerschaft zu erleben sie schließlich das Schönste auf der Welt, sie solle das gefälligst zu schätzen wissen.

Es gibt zweifelsohne viele Frauen, die sehr gerne schwanger sind. Die unvergleichliche Nähe zu ihrem Baby, die Kindsbewegungen, der wachsende Bauch, all das zaubert ihnen ein seeliges Lächeln aufs Gesicht. Sie haben offensichtlich kein Problem mit intimen Fragen von Außenstehenden oder deren Händen auf ihrem Schwangerschaftsbauch und können mit den unumgänglichen Schwangerschaftsbeschwerden ganz easy umgehen. Das ist großartig. Aber es geht eben nicht allen Frauen so. Jede Schwangerschaft ist anders, jede Frau ist anders und empfindet die physischen und psychischen Veränderungen, die damit einhergehen, auf unterschiedliche Weise. Und darüber sollte man reden dürfen.

Friede, Freude, Mutterkuchen? Nicht immer!

Ich bin mit meinem zweiten Kind schwanger und so entspannt ich beim ersten gewesen sein mag, so schwer macht es mir Nummer 2, im wahrsten Sinne des Wortes: Ich habe noch über zwei Monate vor mir und rolle mich bereits jetzt von der Couch. Ich tue mir diesmal verdammt schwer mit der Notwendigkeit von Schwangerschaftshosen, der Tatsache, im Vier-Wochen-Rhythmus neue BHs kaufen zu müssen, ständig Fragen über den Fortschritt meiner Schwangerschaft oder den Umfang meines Bauches beantworten zu müssen. Ich werde mancherorts bereits mit dem Kosenamen „Aggro-Schwangere“ bedacht, weil Geduld, Ausgeglichenheit und Toleranz aktuell nicht zu meinen Stärken zählen. Also atme ich durch, versuche, alles gaaanz gelassen zu sehen und zu genießen. Der Erfolg hält sich in Grenzen.

Umso erholsamer finde ich es dann, zur Abwechslung mal keine Lobgesänge auf den „schönsten Zustand der Welt zu hören“. Sondern ehrliche Worte, die sich trauen, eine Schwangerschaft auch mal scheiße zu finden – das hat genauso viel Berechtigung wie seeliges Mama-in-spe-Strahlen und zufriedenes Bauchgestreichle.

Mit fehlender Dankbarkeit hat das nichts zu tun. Bevor sich unsere Wege, sprich unser Blick auf die Welt, wohl wieder trennen, halte ich es noch einmal mit Kim Kardashian: „Am Ende des Tages zahlt es sich millionenfach aus.“

Still fits...

Ein von Kim Kardashian West (@kimkardashian) gepostetes Foto am

 

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