"Ich habe gedacht, dass Brett mich versehentlich töten könnte"

Christine Blasey Ford spricht unter Eid vor dem US-Justizausschuss. Trumps Richter-Kandidat Brett Kavanaugh soll vor 36 Jahren versucht haben, sie zu vergewaltigen.

Nach mehr als zweieinhalb Stunden kommen die Tränen. Dann, als einer der Senatoren in der Anhörung von dem ungeheuren Mut spricht, den Opfer sexueller Gewalt aufbringen müssten, wenn sie öffentlich über ihr Trauma sprächen und gegen ihre Peiniger aussagen. Bis dahin hat die Psychologieprofessorin Christine Blasey Ford mit ruhiger Stimme, zwar angespannt aber beherrscht und sehr detailliert, über die Vorfälle im Jahr 1982 berichtet. Als Brett Kavanaugh, US-Präsident Donald Trumps Kandidat für einen Platz im Supreme Court, mutmaßlich versuchte, sie auf einer Highschool-Party zu vergewaltigen.

Ford ist zu "100 Prozent" sicher

"Brett hat mich gepackt und versucht, meine Kleider herunterzureißen. Es war nicht leicht für ihn, weil er betrunken war und ich einen einteiligen Badeanzug unter meiner Kleidung trug. Ich habe gedacht, dass er mich vergewaltigen will. Ich habe versucht, um Hilfe zu rufen." Kavanaugh habe ihr den Mund zugehalten. "Das hat mir am meisten Angst gemacht. es war schwer für mich, Luft zu holen. Ich habe gedacht, dass Brett mich versehentlich töten könnte." Niemals werde sie das schallende Gelächter von Brett Kavanaugh und dessen Freund vergessen. Bis heute leide sie an Angstzuständen und Klaustrophobie. Zweifel an der Identität ihres Angreifers habe sie keine, Blasey Ford sei zu "100 Prozent" sicher, dass es Kavanaugh gewesen sei, der sie damals attackiert habe.

Die Anhörung vor dem Justizausschuss

Tränen und Empörung von Kavanaugh

Fast neun Stunden dauerte die Anhörung vor dem Justizausschuss, die Befragungen wurden getrennt durchgeführt. Brett Kavanaugh bestreitet die Vorwürfe vehement. Er ist in seinem Auftritt aggressiv und aufgebracht, beteuert seine Unschuld. "Ich habe niemals jemanden sexuell angegriffen", sagt er und bricht während der Anhörung mehrmals in Tränen aus. Die Vorwürfe hätten seine Familie und seinen Ruf "vollständig und dauerhaft" zerstört. Er warf dem Demokraten vor, eine "kalkulierte und orchestrierte" politische Kampagne gegen ihn zu fahren, um seine Ernennung zu verhindern. Donald Trump stellt sich nach der Anhörung mit einem Tweet hinter seinen Kandidaten, auch er greift die Opposition scharf an, wirft den Demokraten eine "Strategie der Zerstörung" vor. Sie hätten versucht, die Nominierung seines Wunschkandidaten zu "verzögern" und zu "behindern".

Weitere Vorwürfe gegen Kavanaugh

Blasey Ford selbst fällt es nicht leicht, ihre Vorwürfe laut auszusprechen, das betont sie schon zu Beginn ihrer Aussage: "Ich bin nicht hier, weil ich hier sein will. Ich habe Angst. Ich bin hier, weil ich glaube, das es meine Pflicht als Bürgerin ist zu erzählen, was passiert ist, als Brett Kavanaugh und ich zur Schule gegangen sind." Sie erzählt von Todesdrohungen und dass sie mit ihrer Familie umziehen musste. Sie bestreitet, dass ihre Aussage politisch motiviert sei:"Ich bin eine absolut unabhängige Person, ich bin niemandes Schachfigur. Meine Motivation ist, zu erzählen, wie Mr. Kavanaughs Taten mein Leben beschädigt haben, damit Sie (Anmerkung: die SenatorInnen) das in ihren Überlegungen berücksichtigen können. Es ist nicht meine Verantwortung zu entscheiden, ob Mr. Kavanaugh es verdient am Obersten Gerichtshof zu sitzen. Es ist meine Verantwortung, die Wahrheit zu sagen."

In den vergangenen Tagen haben noch zwei weitere Frauen mit Vorwürfen gegen Kavanaugh gemeldet. Eine Frau berichtet von einer Studentenparty an der Elite-Universität Yale in den 80er Jahren, wo Kavanaugh sich vor ihr ausgezogen habe. Die andere Frau sei Zeugin von sexueller Belästigung durch Kavanaugh bei Schülerpartys in den 80er Jahren gewesen.

Chance für Demokraten

Für die demokratische Partei ist die Anhörung um Kavanaugh eine Chance, die Bestätigung des erzkonservativen Richters hinauszuzögern - zumindest bis zu den Zwischenwahlen am 6. November. Diese könnte die Mehrheitsverhältnisse im Senat, der RichterInnen bestätigen muss, zu Gunsten der DemokratInnen ändern. Die Nachbesetzung des freien Platzes am Supreme Court wird die US-amerikanische Gesellschaft auf viele Jahre beeinflussen - die Richter werden auf Lebenszeit ernannt, Kavanaugh würde den Republikanern am Supreme Court eine Mehrheit verschaffen. Gelingt es den DemokratInnen, die Ernennung Kavanaughs hinauszuzögern und die Mehrheit im Senat zurückzuerobern, würde Kavanaugh definitiv nicht mehr in Frage kommen.

Der Justizausschuss entscheidet voraussichtlich am Freitag, ob über eine Ernennung Kavanaughs im gesamten Senat abgestimmt wird. Das Votum soll laut einem Senatsmitarbeiter am Samstag stattfinden. Die Demokraten forderten Trump hingegen auf, die Nominierung zurückzuziehen oder eine Untersuchung der Vorwürfe durch den FBI einzuleiten.

 

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