"Ich habe es satt, nichts gegen sexuelle Belästigung tun zu können!"

Anna Dietz lebt in Wien und erfährt regelmäßig sexuelle Belästigung - auf der Straße, in der U-Bahn. Sie hat genug davon, diese Übergriffe aushalten zu müssen.

"Ausgelaugt" fügt Anna Dietz als Gefühl hinzu, als sie am vergangenen Dienstagabend einen langen Text in der englischsprachige Facebook-Gruppe "Women of Vienna" teilt. Sie beschreibt darin mehrere Situationen aus den letzten Monaten, in allen hatte sie sich von Männern stark bedrängt gefühlt: durch Blicke, Pfiffe, sie erzählt von einem jungen Typen, der ihr unter den Rock fotografieren wollte, von einem Mann, der sie bis in die U-Bahn verfolgt hatte. Situationen, in denen sie sich nicht nur im Moment hilflos fühlt, sondern gegen die sie auch auf Nachfrage bei der Polizei tatsächlich nichts tun kann. "Ich fühle mich so elend und hilflos. Ich möchte nicht, dass sich das wiederholt. Ich hasse es, dass es dagegen kein Gesetz gibt, das mich und andere Frauen schützt."

"Ich kenne das auch": Große Solidarität als Reaktion auf Annas Posting

Auf Annas Posting folgen zahlreiche Kommentare von Frauen, die Ähnliches erlebt haben und die das Gefühl der Ohnmacht angesichts der stattfindenden sexuellen Belästigung an öffentlichen Orten gut kennen. Einige erzählen, dass sie angesichts solcher Situationen ihre Sportoutfits geändert haben, sich anders anziehen, um Kommentare und Blicke nicht erst "herauszufordern" - eine Rolle, in die sich Frauen nach sexueller Belästigung noch viel zu oft fügen: Was hätte ich anders machen können?

Bezugnehmend auf Annas Erlebnis in der U-Bahn posten viele Userinnen einen Beitrag der Wiener Linien, in denen Sicherheitstipps für Frauen in den Öffis aufgelistet werden. Aber wo findet sich die Anleitung für Männer, wie sie sich Frauen gegenüber verhalten sollen?

Verhaltenstipps für Frauen - aber wo bleiben die Strafen für Männer?

Anna Dietz hat im Thread unter ihrem Posting auf die vielen Kommentare anderer Frauen reagiert und stellt diesen Missstand klar:
"Ganz ehrlich: Ich hasse es. Ich hasse es, so zu tun, als sehe und höre ich sie (Anm., die Männer) nicht. Ich möchte nicht aus dem Zug aussteigen oder den Sitz wechseln, ich möchte nichts Graues oder Unauffälliges tragen. Ich möchte mich nicht fühlen, als wäre ich eine Maus, die versucht, der Katze zu entkommen. ... Wir sind wieder beim Thema: 'Versteck dich, flieh, frag nach Hilfe.' Warum muss ich diesen Stress haben? Warum kann die Regierung mich nicht beschützen?"

Deshalb ruft Anna andere Frauen dazu auf, Taten folgen zu lassen:
"All diese Mistkerle fühlen sich frei. Sie berühren mich heute, dich morgen, dann wieder mich. Wir können nichts tun ... heute zumindest. ... Ich will eine schnelle und einfache Lösung, ich will gegen solche Männer vorgehen. Wenn ihr das auch wollt, teilt eure Ideen. Ein paar von meinen:
1. Schickt Beschwerden und fragt nach Schutz.
2. Soziale Medien. Macht zum Beispiel Fotos oder Videos von solchen Typen. Postet sie auf Facebook, Instagram, etc. mit einem gemeinsamen Hashtag.
3. Wie eine von euch geschrieben hat: Lasst uns ein Video machen, etwas Provokatives, damit wir die Aufmerksamkeit der Gesellschaft bekommen.

Alle anderen Ideen sind wilkommen, lasst uns etwas unternehmen, bitte! Es ist den Versuch wert ... und ich hoffe, es ist nicht umsonst."

Annas Facebook-Posting in voller Länge

Annas Facebook-Posting in voller Länge
 

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