Ich hab mit der Asia-Community gefeiert und Folgendes gelernt

WIENERIN-Redakteur Ljubiša Buzić geht ab jetzt jeden Monat „auf Lepschi“ und schaut sich an, wie vielfältig in Wien gelebt und gefeiert wird. Den Auftakt macht die sonst so unauffällige chinesische Community. Die kann nämlich mehr als Acht Schätze und Grüntee!

Verwirrender Freitagabend. Ich wollte Chinesen treffen, lande im Volksgarten und trage einen Blumenkranz um den Hals. Wie konnte es so weit kommen? Ach ja, mein neuer Auftrag: „auf Lepschi gehen“, einmal im Monat fortgehen, Spaß haben, essen, trinken, lachen, feiern, wie es „die anderen“ tun. Die anderen, das sollten diesmal die Chinesen sein. Eine Community mit 30.000 Menschen in Österreich, die vor allem durch eines auffällt – dass sie so unaffällig ist. Das bringt mich zur ASIANNIGHT im Volksgarten.


Es ist kurz vor Mitternacht, als ich ankomme. Auf der einen Seite des Clubs sitzt eine überdrehte Mädelsgruppe, gestylt wie Studentinnen aus Hongkong; daneben ein paar österreichische WU-Typen mit ihren chinesischen Dates. Da­zwischen meditiert eine Runde verdächtig jung aussehender asiatischer Burschen über ihren Smartphones. Ich mische mich so unauffällig wie möglich unters Volk.

Einmal im Monat gibt die Asia-Community in Wien richtig Gas – und jeder ist willkommen!


Wienerischer Power-Chinese


Eigentlich wollte ich ja inkognito bleiben und das authentische fernöstliche Nachtleben ungefiltert in mich aufsaugen. Aber der erste authentisch aussehende Typ, den ich um eine Tschick anschnorre, klingt sehr wienerisch und stellt sich als der Veranstalter der Party heraus. Er heißt nicht Chang oder Sun, sondern schlicht und einfach Martin. Martin hat einen glatt rasierten Schädel, trägt ein Hawaii­hemd und bläst die Gummipalmen auf seiner Party selber auf. Und er ist ein chinesisch-steirisches Energiebündel. Wenn er von der Community erzählt, wird er ganz überschwänglich – und je mehr Wodka-Red Bull er mir spendiert, desto überschwänglicher werde auch ich.
Die ersten Partys hat sein Vater in den 90ern in der Nähe der Urania organisiert. Damals haben dort die Männer Backgammon gespielt, und als Einlage gab es eine Bauchtänzerin. Heute dröhnt aus den Boxen R’n’B-Musik, es ist Hawaii-Party und es wird Eristoff Ice getrunken. Ein bisschen fernöstlich wird’s dann, als Martin Würfelbecher unter den Partygästen verteilt und mir das chinesische Würfelspiel erklärt. Ich hab natürlich keine Chance gegen ihn.

ASIANNIGHT-Veranstalter Martin Lee ist ein Urgestein in der Community.

Party statt Grüntee


Inzwischen haben Jungs und Mädels angefangen zu tanzen und machen Selfies im Selfie-Automaten. Ich fühle­ mich alt, und der Red Bull-Anteil in den Drinks war wohl zu niedrig für mich. Als ich mich verabschiede, muss ich Martin versprechen, dass ich am nächsten Tag zum Fest der Filipinos im 23. Bezirk komme. Das schaffe ich aber nicht. Am nächsten Tag liege ich mit Brummschädel auf der Couch. Feiern können sie nämlich. Ganz ohne Bauchtänzerinnen und Backgammon.

Die nächste ASIANNIGHT findet übrigens am 9. September in der Säulenhalle im Volksgarten statt.

Aktuell