"Ich hab keine Lust, immer dieselben Pimmel im TV zu sehen"

Unsere Redakteurin Teresa findet, österreichische Popkultur könnte ein bisschen mehr Quoten-Gretchens und ein bisschen weniger Amadeus vertragen.

Wer eine Blume aus Stadlau ist, sollte sich eher nicht über Austropop aufregen. Man begibt sich dabei auf gefährliches, potenziell selbstzerstörerisches Terrain. Aber wie es nun mal so kommt, bin ich nicht nur eine waschechte Wienerin, sondern auch eine Frau. Und als solche hab ich ehrlich gesagt ein ziemliches Hühnchen mit österreichischer Popkultur zu rupfen. Denn so sehr ich es liebe, die 20 exakt gleichen Männer über 50 in jeder verdammten ORF- und Kinoproduktion zu sehen, bieten sie mir doch ziemlich wenig Identifikationspotenzial. Also ich kann den kulturellen Anspruch Josef Haders sehr gut verstehen und auch, warum er der wohl beliebteste Mann Österreichs ist, aber am Ende des Tages hat seine Lebensrealität mit meiner in etwa so viel zu tun wie Josef Hader mit Andreas Gabalier.
Bis jetzt haben Sie, verehrte Leserin, in jeder Kolumne von mir über irgendeinen abstrusen Lebensaspekt gelesen, den ich dann auf geschickte Art und Weise mit Wien oder österreichischer Kultur verbunden habe.

Josef Hader ist eh leiwand, aber identifizieren kann ich mich nicht mit ihm.

Möglich war das nur aufgrund von großen Gedankenexperimenten und, nun ja, weil ich eben lyrisch sehr begabt bin. Tatsächlich hat österreichische Populärkultur ja nicht so viel mit meinem Leben zu tun. Und das ist dieses eine Mal nicht narzisstisch gemeint, im Sinne von „alles muss etwas mit mir zu tun haben“. (Alles sollte etwas mit mir zu tun haben.) Son­dern Popkultur sollte einfach verschiedenste Lebensrealitäten abbilden, und mit 52 Prozent sind Frauen ja eine nicht ganz zu vernachlässigende Bevölkerungs­gruppe. (Wenn Sie das anders sehen: Bitte kaufen Sie nie wieder dieses Magazin, Sie Schwein!)


Eine Studie hat's bewiesen!

Österreichs beliebtestes Popkultur­magazin und mein ehemaliger Arbeitgeber The Gap hat letztes Jahr die 50 besucherstärksten österreichischen Kinofilme der letzten 30 Jahre analysiert und kam zu dem Schluss, dass tatsächlich immer dieselben Männer darin vorkommen. (Außerdem muss man scheinbar hauptberuflich Kabarettist sein, um in Österreich erfolgreicher Schauspieler zu sein.) Unter den Top Ten der meistgesehenen Schauspieler war keine einzige Frau, am nächsten kam noch Eva Billisich mit Platz zwölf. Geschichten, die sich um eine klare weibliche Hauptrolle drehen, sind auch eher dünn gesät. Und von Musik brauchen wir gar nicht erst anfangen: Bevor ich noch einmal ein testosterongetränktes Bologna oder Bussi hören muss, dreh ich jetzt gleich die Jazz Gitti auf. An dieser Stelle vielleicht ein großes Danke an Christina Stürmer, für alles, was du für uns getan hast, Ana Ahabak.

Menstruierende Buddy-Comedys haben für mich Identifikationspotenzial

Indien war eh leiwand, aber ich warte bis heute auf die Buddy-Comedy, wo die zwei Hauptdarstellerinnen auf einem chaotischen NÖ-Road-Trip menstrua­tionsbezogene Unfälle haben. Oder eine dieser schwarzen Komödien über einen missglückten Hauskauf oder Urlaub mit einer Frau in der Hauptrolle. Oder auch einfach mal nichts Missglücktes: Ich will Geschichten von Heldinnen sehen, von Politikerinnen, von Prostituierten, von Ärztinnen oder Maurerinnen. Ich will Geschichten vom Leid und vom Glück des Frauseins sehen, von Macht und Sex und Jobs und Beziehungen und, ja, auch Menstruation. Und ich will mich einmal damit identifizieren können und es nicht als skurrile Charakterstudie abtun müssen. Am Ende will ich einfach nur eine Quote darüber, wer in Österreich Förderungen bekommt, um Kultur zu machen.

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