Ich hab getrennte Betten probiert und es bereut

Unser Kollege L. und seine Freundin schliefen für drei Wochen – nicht ganz freiwillig – in getrennten Betten. Hier das Fazit dieses sehr sittsamen Schlafzimmer-Tests.

Normalerweise schreiben wir bei der WIENERIN ja nicht über unsere persönlichen Bettgeschichten. Aber diesmal ist es anders. Das hier ist sozusagen eine Nicht-Bett-Geschichte. Eine Getrennte-Betten-Geschichte. Dass meine Freundin und ich uns für drei Wochen in getrennten Schlafzimmern wiederfanden, kam nicht ganz freiwillig. Die Kurzfassung: Freundin hat Bandscheibenvorfall, Bett ist zu weich, und Schlafen nur auf der harten Wohnzimmercouch möglich. Zumindest bis die neue Matratze geliefert wird. Und die lässt sich drei Wochen Zeit.


Die Schlafzimmerfrage ist ja so ein bisschen ein Tabuthema. Irgendwie widerstrebt es unserer romantischen Vorstellung, wenn ein Paar getrennt schläft. Da hat man schnell das Klischeebild von großen englischen Herrenhäusern im Kopf, wo Lord und Lady jeder für sich zu Bett gehen und morgens an entgegengesetzten Enden der überlangen Frühstückstafel sitzen. Wer sich wirklich liebt muss die Nächte aneinander gekuschelt, am besten auch noch unter einer einzigen Supersize-Decke, verbringen. Alles andere ist angeblich total unsexy und schlecht für die Beziehung.


Auf der anderen Seite schwören manche auf die gesteigerte nächtliche Ruhe, die bessere Erholung und, ja auch, das aufregendere Sexleben dank getrennter Schlafzimmer. Ich gehe es nüchtern an: Wenn man schläft, kriegt man sowieso nichts mehr mit, da sollte es eigentlich egal sein, ob man allein im Bett liegt, oder nicht. Denke ich jedenfalls am Anfang.


Ausgeschlafen


Die ersten Nächte sind schon ein bisschen seltsam. So ganz allein im großen Bett – fühlt sich ungewohnt an. Aber nach der ersten Eingewöhnungsphase ist es irgendwie gar nicht so unangenehm. Man hat ein bissl mehr Autonomie, stört niemanden, wenn man später ins Bett geht oder früher raus muss und kann abends noch lange am Laptop Serien schauen (höhö, meine Kolleginnen lachen – „Serien“ schauen, hihi…). Und für mich vor allem wichtig: Endlich im Bett lesen, ohne dass einen ein bestimmter Lieblingsmensch ständig von der Seite anredet. So gehen die Tage bzw. die Nächte dahin. Insgesamt fühlen wir beide uns morgens gut erholt und ausgeruht.


Matratzen-Action


Es gibt eine Phase bei „House of Cards“, in der Frank und Claire in getrennten Zimmern im Weißen Haus schlafen. Das tut ihrer Beziehung nicht gerade gut. Bei uns ist nicht so schlimm, aber auch nicht unbedingt prickelnd. Wir bemerken, wie wir langsam immer WG-artiger werden. Und das gefällt uns ungefähr zur selben Zeit nicht mehr. Der Mythos, dass getrennte Betten das Sexleben aufpeppen würden, weil es dann aufregender ist, sich zum anderen unter die Decke zu schleichen, bewahrheitet sich auch nicht.


Nach drei Wochen sind wir dann doch froh, als die neue Matratze kommt. Ich glaube zwar immer noch nicht, dass eine Beziehung allen Romantik-Klischees entsprechen muss, das Schlafen im gemeinsamen Bett würde ich aber lieber nicht abschaffen. Und gemeinsam Serien schauen, ist auch viel schöner.

 

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